Bombenfunde: Auch über 70 Jahre nach Kriegsende kein Ende in Sicht

Weltkriegsbombe
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Bombenentschärfer haben über 70 Jahre nach Kriegsende gut zu tun

Hannover/Bremen - Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg schlummern vielerorts noch in der Erde. Die genaue Zahl ist unbekannt. Sie sind immer noch gefährlich. Die Kampfmittelbeseitiger brauchen um ihren Job nicht zu fürchten, sie werden noch lange beschäftigt sein.

Immer wieder werden Bomben, Granaten und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg aus der Erde geholt. Und auch über 70 Jahre nach Kriegsende ist ein Ende nicht abzusehen. "Wir werden die Kampfmittel des Ersten und Zweiten Weltkriegs noch über Generationen hinaus finden", sagt Thomas Bleicher, Dezernatsleiter Kampfmittelräumdienst in Hannover. Wie viele Blindgänger noch im Boden schlummern, diese Frage können Bleicher und auch sein Bremer Kollege Andreas Rippert nicht beantworten. "Das wäre alles Kaffeesatzzählerei", sagt der Bremer Sprengmeister.

Von diesen Kampfmitteln geht immer noch eine realistische Gefahr aus. "Es ist ja nicht einfach nur ein Stück Schrott", sagt Bleicher. Das größte Restrisiko hätten die Sprengbomben mit chemisch unterstützten Langzeitzündern. "Da macht sich auch der Alterungsprozess bemerkbar. Diese Bomben neigen zur Selbstdetonation." Statisch gesehen detoniere jedes Jahr so ein Bombenkörper von selbst, sagt Bleicher. Hinzu komme, das der Sprengstoff aufgrund der langen Lagerzeit sensibler werde und dadurch schlagempfindlicher, ergänzt Rippert. Durch kleine Bewegungen könnte die Bombe detonieren. "Durch die Alterung des Sprengstoffes wird es sicherlich in Zukunft - in 30, 40, 50 Jahren - Probleme geben."

Die derzeit florierende Baukonjunktur hält die Kampfmittelbeseitiger auf Trapp. In Bremen, einziges Bundesland mit einem Kampfmittelgesetz (seit 1953), liegen die Einsatzzahlen 2016 über dem Schnitt. 150 Brand- und 14 Sprengbomben, 150 Granaten und 160 Handgranaten wurden unschädlich gemacht. "Momentan wird gebaut ohne Ende", sagt Rippert. Und auf jeder Baustelle ist der Kampfmittelräumdienst nach dem Gesetz im Einsatz. "Damit sind wir vollauf beschäftigt."

In Niedersachsen bewegen sich die Einsatzzahlen nach Angaben Bleichers in den vergangenen Jahren kontinuierlich um die 1000. Die Zahlen für 2016 werden erst Ende Januar veröffentlicht. Auch ohne Kampfmittelverordnung schafft die hohe Bautätigkeit viel Arbeit für die niedersächsischen Kampfmittelbeseitiger. "Je mehr Leute in der Erde buddeln, desto mehr Einsätze und Funde haben wir auch", sagt Bleicher. Nach dem niedersächsischen Baurecht müsse eine Baugrundsicherheit gewährleistet werden. Dazu würden Bauherrn vermehrt Kampfmitteluntersuchungen veranlassen. "Vor langer Zeit hat man das abgetan, wird schon nichts passieren."

Erst vor wenigen Tagen wurde in Augsburg eine Riesen-Fliegerbombe entschärft. Diese 1,8 Tonnen schweren Bomben fielen im Zweiten Weltkrieg auch auf Hannover und Bremen. Vor zwei Jahren wurde in Hannover-Seelze ein derartiger Blindgänger entschärft.

Die größte logistische Herausforderung 2016 war nach Angaben Bleichers die Sperrung des Flughafens Langenhagen am 29. Mai für eine Bombenentschärfung. Der Flugbetrieb musste für einen ganzen Tag eingestellt beziehungsweise umgeleitet werden. In Bremen verursachte eine 20 Zentner-Bombe den aufwendigsten Einsatz: Am 24. Juli musste die halbe Innenstadt evakuiert werden.

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