Hannover, Bremen, Göttingen, Lüneburg

Knallende Gefahr: In diesen Städten gilt Silvester Böllerverbot

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Ein Mann lässt Raketen in den Himmel steigen, während weitere Hunderte Menschen feiern. Immer mehr Städte erlassen ein Böllerverbot.

Bremen/Niedersachsen - Tausende Menschen wollen ausgelassen den Jahreswechsel feiern, stehen dichtgedrängt inmitten von historischen Gebäuden. Die möglichen Gefahren sind für immer mehr Städte Anlass, ein Böllerverbot an Silvester auszusprechen.

Nachdem Kommunen wie Göttingen, Lüneburg, Goslar, Osterode und Northeim bereits in den vergangenen Jahren wegen Brandgefahr das Böllern in den Innenstädten untersagten, hat jetzt erstmals auch die Stadt Hannover eine entsprechende Verfügung erlassen. 

Generell herrscht in Niedersachsen Feuerwerksverbot in Naturschutzgebieten wie dem Harz, dem Weltnaturerbe Wattenmeer mit Ruhezonen sowie den EU-Vogelschutzgebieten. In der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen und Reetdach- und Fachwerkhäusern sind Feuerwerke generell verboten.

Silvesterraketen und Böller werden zur echten Gefahr, wenn sich Passanten in Partylaune beim Feiern unter Alkoholeinfluss damit verletzen. Inzwischen werden aber auch zunehmend Rettungskräfte und Polizisten mit Feuerwerkskörpern angegriffen. Die Stadt Hannover reagiert darauf mit einem neuen Konzept. In anderen Städten Niedersachsens und in Bremen wird ebenfalls über mehr Sicherheit und Böllerverbote diskutiert.

Marktplatz Bremen ist knallfreie Zone

Der Marktplatz in Bremen ist knallfreie Zone, um das Welterbe Rathaus und Roland vor Schäden zu bewahren. Im Vorjahr wurden zwei Männer in Zusammenhang mit Pyrotechnik erheblich verletzt. Weitere Verbotszonen sind das gesamte Hafengebiet sowie im Umkreis von 1,5 Kilometern rund um den Flughafen.

Polizei Bremen mit Bodycams im Einsatz 

Orte wie die Sielwallkreuzung, die Discomeile und die Schlachte gelten als besonders beliebte Plätze zum Feiern. Über die Weihnachtsfeiertage ereigneten sich vermehrt Auseinandersetzungen rund um die Discomeile und den Hillmannplatz. Hier wird die Polizei mit starken Kräften vertreten sein.  Auch in der Silvesternacht wird als ergänzendes Element der Deeskalation und als Mittel der polizeilichen Eigensicherung die Bodycam im Einsatz sein. Mit den anlassbezogenen Aufzeichnungen sollen potenzielle Gewalttäter abgeschreckt werden, da die aufgezeichneten Daten auch in einem sich anschließenden Strafverfahren verwendet werden dürfen. Der Einsatz von Bodycams hat sich in der Vergangenheit bereits auf der Diskomeile, im Viertel sowie auf der Osterwiese und dem Freimarkt bewährt.

Böllerverbot in der Innenstadt von Hannover

Erstmals verbietet die Landeshauptstadt Hannover aus Sicherheitsgründen das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in einem Bereich der Innenstadt. Dort soll das Mitbringen und erst recht das Zünden von Böllern und Raketen untersagt werden, sagte ein Stadtsprecher. Das Verbot sei eine Konsequenz aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Damals waren Böller inmitten von Menschenansammlungen gezündet und Einsatzkräfte mit Raketen beschossen worden, es gab mehrfach Verletzungen.

Ein Mann zündet einen Knallkörper der Klasse 2 an. Möglichst laut und bunt soll es sein: Feuerwerk gehört für viele Menschen einfach zu Silvester dazu. Die Kehrseite zeigt sich alljährlich in Kliniken. Ärzte berichten von typischen und kuriosen Unfällen.

Böller- und Raketenverbot in Göttingen

Bereits seit 2016 gibt es ein Böller- und Raketenverbot in der Göttinger Innenstadt, vor allem aus Gründen des Brandschutzes innerhalb des Walls. Inzwischen spielen dabei auch Sicherheitsaspekte für Passanten und Rettungskräfte eine größere Rolle, sagte ein Sprecher der Stadt. Das Verbot gelte auch für ein Gelände am Jonaplatz, an dem es im vergangenen Jahr zu gefährlichen Situationen gekommen war. 

"Feuerwerksverbot" steht unter anderem auf einem Banner in der historischen Innenstadt von Lüneburg.

Feuerwerksverbot in Lüneburger Altstadt

In Lüneburg soll es wie im Vorjahr wegen Brandgefahr ein Feuerwerksverbot für den Altstadtbereich geben. Dabei zählen neben dem Brandschutz auch Sicherheitsaspekte: In der Altstadt liegen die größeren und attraktiven Plätze wie der Marktplatz. Damit das Verbot eingehalten wird, sollen Mitarbeiter der Stadt und die Polizei am Silvesterabend die geschützten Gebiete kontrollieren. 

Weitere Städte mit Böllerveboten

Auch in der Altstadt von

Düsseldorf 

und auf vielen nordfriesischen Inseln ist privates Feuerwerk verboten.  - ebenso an der Ostseeküste. 

Kleiner Waffenschein keine Erlaubnis für Schreckschusswaffen 

Frei erwerbliche Schreckschusswaffen unterliegen auch an Silvester und Neujahr den ganz klaren, üblichen Regelungen! Das heißt: Die allgemeine Erlaubnis zum Abbrennen von Böllern und Raketen zum Jahreswechsel ist nicht einfach übertragbar auf das Schießen mit Schreckschusswaffen in der Öffentlichkeit. Hier gilt: Wer mitten in der Öffentlichkeit, also auf öffentlichen Straßen, Wegen, Veranstaltungen usw. mit Schreckschusswaffen "nur so zum Spaß" schießt oder mit Hilfe dieser Waffen z. B. Silvestermunition verschießt, verstößt womöglich empfindlich gegen das Waffenrecht, wenn er keine Sondererlaubnis zum Schießen vorweisen kann.

Böllern zu Silvester hat lange Tradition

Das Lärmen an Silvester hat eine lange Tradition. Schon im frühen Mittelalter nahmen die Bürger Rasseln, Töpfe und andere Gegenstände, um böse Geister zu vertreiben. Ab dem 10. Jahrhundert kamen Kirchenglocken, Pauken und Trompeten hinzu, später auch das Abfeuern von Gewehren und Kanonen. Um dem Gegner Furcht einzuflößen, wurde Feuerwerk auch im Krieg eingesetzt.

4000 Tonnen Feinstaub durch Feuerwerk

Anfang des 20. Jahrhundert setzte die Massenproduktion von Feuerwerkskörpern ein. Dem Umweltbundesamt zufolge werden jedes Jahr durch das Abbrennen von Raketen, Knallfröschen und anderem Feuerwerk 4.000 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Nach Angaben des evangelischen Hilfswerks "Brot für die Welt" werden allein in Deutschland zu Silvester jährlich mehr als 100 Millionen Euro für Feuerwerk ausgegeben. Seit Beginn der 1980er Jahre gibt es Aufrufe, auf das Feuerwerk zu verzichten und das Geld stattdessen für einen wohltätigen Zweck zu spenden. So sammeln christliche Initiativen unter dem Motto "Brot statt Böller" Geld für Projekte gegen Hunger oder mit Straßenkindern.

Böllerverbot wird Thema in Städten: Hannover fängt an

Mehrheit für Feuerwerksverbot in Innenstädten

Eine Mehrheit der Deutschen hat sich in einer Umfrage für ein Verbot von Feuerwerk in Innenstädten ausgesprochen. Knapp 60 Prozent sind für ein generelles Böllerverbot in dicht besiedelten Umgebungen, wie die am Mittwoch veröffentlichte Onlineerhebung des Instituts Civey für die Funke-Mediengruppe ergab. 

41 Prozent halten dies sogar "auf jeden Fall" für angebracht. Während knapp 64 Prozent der Frauen der Meinung sind, dass in Innenstädten kein Feuerwerk gezündet werden sollte, sehen dies 55 Prozent der Männer so. Zudem nimmt die Ablehnung von Feuerwerk in Innenstädten mit steigendem Alter zu. An der Umfrage nahmen vom 17. bis zum 24. Dezember mehr als zehntausend Menschen teil. 

Der statistische Fehler wurde mit zweieinhalb Prozent angegeben. Um Feuerwerksverbote in Innenstädten gibt es immer wieder Debatten. Zuletzt forderte die Deutsche Umwelthilfe ein solches Verbot und verwies dabei auch auf die hohe Feinstaubbelastung. In einigen Städten wie Dortmund, Hannover und Braunschweig ist das Abbrennen von Feuerwerk in bestimmten Bereichen bereits untersagt.

dpa/epd/hh/afp

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Zwei Jugendliche hantieren am Donnerstag mit Feuerwerkskörpern - mit schrecklichen Folgen. Ein 18-Jähriger wird hierbei lebensgefährlich verletzt.

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