Bitte eintreten: Kirchen werben um verlorene Schafe

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Ob bei speziellen Wiedereintrittsstellen oder einfach auf dem Pfarramt - zahlreiche Niedersachsen entscheiden sich für eine Rückkehr in die Kirchengemeinde.

Hannover  - Von Michael Evers. Wenn die Menschen nicht mehr in die Kirche kommen, kommt die Kirche halt zu den Menschen: Nach diesem Motto hat die evangelische Kirche in Niedersachsen spezielle Wiedereintrittsstellen geschaffen, in denen bereits Tausende Menschen ohne große Hemmschwelle den Draht zum Glauben wieder aufgenommen haben.

Eine in Hannover vor 15 Jahren gestartete Wiedereintrittsstelle feiert am Wochenende ihr Jubiläum. Mehr als 3700 Menschen sind über das seinerzeit wegweisende kirchliche Kundenzentrum wieder eingetreten. Auch die katholischen Bistümer registrieren nicht nur Austritte, sondern jährlich auch Hunderte Wiedereintritte in die Kirche.

„Immerhin tritt jeder vierte aus der Kirche Ausgetretene früher oder später wieder in die Kirche ein“, erklärt Pastor Stephan Lackner, der das besondere Angebot in der Buchhandlung an der Marktkirche in Hannover leitet. „Ihm dies möglichst einfach und unkompliziert zu ermöglichen ist eines der Hauptanliegen der Wiedereintrittsstelle.“ Um auch außerhalb der City auf Märkten, Events oder Gemeindefesten präsent zu sein, verfügt die Kirche in Hannover seit kurzem auch über ein „Wiedereintrittsmobil“ - ein Wohnmobil, das über kirchliche Angebote informiert.

„Wir haben zwei Wiedereintrittsstellen in Braunschweig und Goslar, die Erfahrungen sind durchweg positiv“, sagt der Sprecher der Braunschweiger Landeskirche, Michael Strauß. 700 bis 800 Eintritte pro Jahr werden über das Angebot verzeichnet. „Wir wollen den Menschen, die in der Stadt sind, in zentraler Lage ein niedrigschwelliges Angebot bieten.“ Etwas mehr als das Abschließen eines Handyvertrags ist der Wiedereintritt in die Kirche dann aber doch. An die erste Kontaktaufnahme schließt sich noch ein seelsorgerisches Gespräch mit einem Pfarrer an. „Es soll eine bewusste Entscheidung sein“, erläutert Strauß.

„Wir freuen uns natürlich über jeden, der wieder in die Kirche kommt“, betont der Braunschweiger Kirchensprecher. Allerdings könnten die Wiedereintritte nicht die Zahl der Austritte und das Schrumpfen der Kirche durch den demografischen Wandel kompensieren. Etwa 5000 Mitglieder verliere die Landeskirche jährlich, zur Hälfte durch Austritte und zur Hälfte durch die Überalterung der Gesellschaft.

Rund 650 Rückkehrer jährlich verzeichnet die Landeskirche in Oldenburg, mit zu diesen Zahlen bei trage die Wiedereintrittsstelle in der Oldenburger Innenstadt mit ihren langen Öffnungszeiten, sagt Kirchensprecher Dirk-Michael Grötzsch. „Die Hemmschwelle ist sehr weit nach unten versetzt.“ Weitere Wiedereintrittsstellen betreibt die Kirche in Bad Zwischenahn und auf Wangerooge.

Oft sei es die anstehende Trauung oder auch die Übernahme einer Patenschaft, die Menschen zum Wiedereintritt in die Kirche bewege, sagt Pastor Ulrich Hinz, der bei der Landeskirche Schaumburg-Lippe die Wiedereintrittsstelle leitet. Manchem falle auch das Engagement der Kirche in der Gesellschaft positiv auf und er wollen dies mit seiner Mitgliedschaft unterstützen. Das Nachdenken über den Sinn des Lebens führe andere zur Kirche zurück.

Ein evangelisches Informationszentrum in der Innenstadt dient der Bremer Kirche als Kontaktpunkt zu Menschen, die wieder mit dem Glauben liebäugeln. Die Bestattung eines Angehörigen, auch aber die ehrenamtliche Mitarbeit in einer Gemeinde oder einem Kirchenchor könnten Auslöser für eine Rückkehr sein, meint Kirchensprecherin Sabine Hatscher. Überwiegend sind es dort Menschen mittleren Alters, 300 bis 400 jährlich.

Klassisch über ein Gespräch im Pfarramt funktioniert der Wiedereintritt bei der katholischen Kirche. Zusätzlich informiert das Hildesheimer Bistum in seinem Citybüro „ka.punkt“ in Hannover über die Schritte zur Rückkehr in die Kirche. Rund 250 Menschen wählten 2013 im Bereich des Hildesheimer Bistums diesen Weg, rund 130 Rückkehrer pro Jahr sind es im Bistum Osnabrück.

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