Deutschlandweit: zehn Prozent

Ökologischer Anbau: Geringer Anteil der Bauernhöfe produziert Bio

Immer mehr setzen auf Biolandwirtschaft. Niedersachsen liegt aber noch unter dem Bundesdurchschnitt von zehn Prozent. Maßnahmen sollen den Anteil steigern.

Hannover – Bioprodukte liegen voll im Trend, ob Gemüse, Obst oder Fleisch. Im vergangenen Jahr stieg die Nachfrage bundesweit um 22 Prozent. Von dem Trend profitieren auch die niedersächsischen Biobauern. Fast jedes zweite in Deutschland gelegte Bio-Ei stamme aus Niedersachsen und jeder vierte Bio-Apfel und jede vierte Bio-Kartoffel.

Landeshauptstadt NiedersachsenHannover
Bevölkerungsdichte168 Einwohner / Quadratkilometer
Websitewww.niedersachsen.de
LandtagspräsidentinGabriele Andretta

Auch wenn die Biobauern profitieren, ihre Anzahl ist im bundesweiten Vergleich gering. Im vergangenen Jahr wurden 4,7 Prozent der Landwirtschaftsflächen in Niedersachsen von Biobetrieben bewirtschaftet. Deutschlandweit waren es knapp zehn Prozent. Bis 2030 strebt die Landesregierung einen Marktanteil von 15 Prozent an.

Dazu hatten sich die Landesregierung mit der Landwirtschaft und Umweltorganisationen im „Niedersächsischen Weg“ geeinigt. Die höchsten Ökolandbau-Anteile sind die Landkreise Lüchow-Dannenberg, der Heidekreis und Lüneburg, teilte das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen in Visselhövede mit.

Bioanbau: Rund 2200 Betriebe wirtschaften ökologisch

Rund 1400 Unternehmen in Niedersachsen verarbeiten in steigendem Umfang Bio-Erzeugnisse und schaffen Arbeitsplätze (Stand 2019). Auf rund 2200 Betrieben wird ökologisch gewirtschaftet und mehr als 134.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche werden für die Bio-Produktion genutzt, schreibt das Landwirtschaftsministerium. Ein Beispiel sind die beiden Naturschutzhöfe der Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung in Hemsloh und Rehden.

In der Summe gab es im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 17.300 Betriebe, die Biofleisch erzeugten. Rechnet man die Höfe, auf denen keine Tiere gezüchtet werden, hinzu, wirtschafteten 2020 in Deutschland 26.100 Betriebe ökologisch. Seit 2010 entspricht das einer Steigerung um mehr als die Hälfte (plus 58 Prozent). Damit ist etwa jeder zehnte Hof in Deutschland ein Biohof.

Bioanbau: Weitere Modellregion für den Ökolandbau

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium will in drei weiteren Regionen den Ökolandbau gezielt fördern. Eingerichtet werden sollen die sogenannten Öko-Modellregionen in den Landkreisen Oldenburg, Hameln-Pyrmont und beim Zweckverband Hasetal, zu dem Teile der Landkreise Emsland, Osnabrück und Cloppenburg gehören, teilte das Ministerium mit.

Jedes zweite Bio-Ei stammt aus Niedersachsen

Solche Modellregionen gibt es bereits in den Landkreisen Goslar, Holzminden, Uelzen und der Stadt Hannover. In den Öko-Modellregionen sollen regionale Bio-Wertschöpfungsketten ausgebaut werden. Über zunächst drei Jahre werden Projekte in den Regionen mit jeweils bis zu 60.000 Euro bezuschusst.

Das Grundprinzip einer Öko-Modellregion (ÖMR) ist auf die Erhöhung des regionalen Anteils ökologisch wirtschaftender Betriebe ausgerichtet. Das betrifft zum einen die landwirtschaftliche Produktion, aber auch die Bereiche Verarbeitung, Vermarktung bis hin zur Gemeinschaftsverpflegung in öffentlichen Einrichtungen und Kantinen. 

„Die Nachfrage der Verbraucher nach Öko-Produkten steigt – auch nach ökologisch erzeugtem Fleisch“, berichtete Dr. Ulrich Klischat, Fachbereichsleiter ökologischer Landbau bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK). „Im Vergleich zur konventionellen Haltung sind für tierische Ökoprodukte die Produktions- und Vermarktungskosten deutlich höher und begründen den großen Preisabstand im Kühlregal.“ Pikant ist, dass Experten meinen, dass Biofleisch gar nicht so teuer sein müsste. 

Bereitschaft von Betrieben zur Produktion von Ökolandbau steigt

Gleichwohl gebe es aktuell eine große Bereitschaft von Betrieben, ihre Produktion auf Ökolandbau umzustellen und dabei die unabhängige Umstellungsberatung der LWK in Anspruch zu nehmen, so Klischat weiter. „Auch wenn ,Bio‘ ein stabiler Trend ist, müssen bei jedem Betrieb die individuellen Gegebenheiten stimmen, damit die Umstellung ein Erfolg wird.“ Im Durchschnitt stelle von den intensiv beratenen Betrieben dann maximal ein Drittel seine Produktion auf ökologische Wirtschaftsweise um, so das Fazit.

Zuletzt hatte sich Aldi als erste Supermarktkette dem gesellschaftlichen Trend zu mehr Biofleisch angeschlossen. Bis 2030 will der Discounter Frischfleisch der beiden Erzeugungskategorien mit den niedrigsten Tierwohlstandards vollständig aus dem Sortiment nehmen. 

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Baumärkte, Corona-Testpflicht, Kinderbonus: Das ändert sich im August

Baumärkte, Corona-Testpflicht, Kinderbonus: Das ändert sich im August

Baumärkte, Corona-Testpflicht, Kinderbonus: Das ändert sich im August
Stadt in Niedersachsen hat höchste Corona-Inzidenz bundesweit

Stadt in Niedersachsen hat höchste Corona-Inzidenz bundesweit

Stadt in Niedersachsen hat höchste Corona-Inzidenz bundesweit
Tiny-House-Siedlung in Hannover: Miete so teuer wie eine Luxus-Wohnung

Tiny-House-Siedlung in Hannover: Miete so teuer wie eine Luxus-Wohnung

Tiny-House-Siedlung in Hannover: Miete so teuer wie eine Luxus-Wohnung
Weil Rechnungen nicht bezahlt wurden: Bauleiter zerlegt Neubau

Weil Rechnungen nicht bezahlt wurden: Bauleiter zerlegt Neubau

Weil Rechnungen nicht bezahlt wurden: Bauleiter zerlegt Neubau

Kommentare