Bewährungsstrafe und Berufsverbot für filmenden Arzt

Der Angeklagte (l. - verdeckt durch eine TV-Kamera) sitzt nach der Urteilsverkündung im Landgericht in Osnabrück neben seinem Verteidiger Thomas Klein (r.). Dem angeklagten Arzt wurde zur Last gelegt, Kinderpornografie besessen und verbreitet zu haben sowie diverse Patientinnen heimlich mit einer Kugelschreiberkamera gefilmt zu haben.

Osnabrück - Heimlich hat ein Arzt Patientinnen mit einer Kugelschreiberkamera gefilmt, als sie sich im Untersuchungsraum vor ihm auszogen. Heute ist der Mediziner verurteilt worden - ins Gefängnis muss er nicht. Als Arzt wird er aber nie wieder arbeiten dürfen.

Eine Bewährungsstrafe hat das Landgericht Osnabrück gegen einen Arzt verhängt, der bei Untersuchungen heimlich intime Fotos von Frauen mit einer Kugelschreiberkamera gemacht hat. Das Gericht verurteilte den Arzt am Mittwoch außerdem wegen des sexuellen Missbrauchs von Patientinnen und wegen des Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Bildern und Videos. Außer der Bewährungsstrafe von zwei Jahren erhielt der Mann auch drei Jahre Berufsverbot. Zudem muss der 62-Jährige 75 000 Euro an gemeinnützige Organisationen zahlen.

Der Mann werde nie wieder als Arzt arbeiten, sagte der Vorsitzende Richter Dieter Temming. Der Angeklagte hat versprochen, seine Approbation zurückzugeben.

Mit der Frage, ob eine Bewährungsstrafe angemessen sei, habe es sich das Gericht nicht leicht gemacht, sagte der Richter. Für den Angeklagten habe letztlich sein Geständnis gesprochen und die Tatsache, dass er seinen Opfern bereits Schmerzensgeld gezahlt habe. Da der 62-Jährige nie wieder in seinem Beruf arbeiten werde, sei auch keine Wiederholungsgefahr gegeben. „Der Angeklagte steht vor den Trümmern seiner privaten und beruflichen Existenz“, stellte Temming fest.

Das Gericht verurteilte den Mediziner für 70 Fälle, in denen er seine Patientinnen im Untersuchungsraum heimlich mit einer Kamera in einem Kugelschreiber gefilmt hatte. In zwölf Fällen habe er die Frauen auch berührt, ohne dass dies notwendig gewesen sei. „Es handelte sich ausschließlich um sexuell motivierte Gründe“, sagte der Richter. Opfer waren in diesen Fällen Frauen, die körperlich oder geistig behindert waren.

Den Fall ins Rollen gebracht hatten Ermittlungen der Polizei in der kinder- und jugendpornografischen Szene. Der Arzt hatte unter anderem entsprechende Bilder und Videos auf einem Downloadportal angeboten und getauscht. Dadurch stießen die Ermittler auf die IP-Adresse des Mediziners, erläuterte der Richter. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei auch die Aufnahmen der heimlich gefilmten Patientinnen des Arztes.

Insgesamt habe es sich um rund 450 Aufnahmen von 250 Frauen gehandelt. Zur Anklage kamen aber nur rund 70 Fälle. Teils seien die Straftaten verjährt, zum Teil hätten die Opfer aber auch keine Anzeige erstattet, sagte der Richter.

dpa

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