An den Wochenenden ist der Hasbruch keine Empfehlung mehr

Besucherschlangen im Urwald

Försterin Wibeke Schmidt im Gespräch mit Adrian Stubbemann.
+
Försterin Wibeke Schmidt im Gespräch mit Adrian Stubbemann.

Vielstedt – Revierförster Jens Meyer hat sich vor ein paar Wochen mal den Spaß gemacht und mit zwei Kollegen die Autos auf den Parkplätzen rund um das Waldgebiet Hasbruch gezählt. Sie kamen zu der Schätzung, dass an dem Tag rund 2 000 Menschen gleichzeitig im Wald unterwegs waren. Für ein Wochenende kommt Meyer auf einen Wert von 10 000 Besucher. Vor Corona wurden in dem Naherholungsgebiet zwischen Hude, Ganderkesee und Delmenhorst rund 500 Wanderer pro Wochenende gezählt.

Zur Blüte der Buschwindröschen waren es auch mal 10 000 Schaulustige. In diesem Jahr waren es da sogar fast 20 000 Besucher.

Solange es keine Möglichkeiten gab, zu verreisen oder Vereinssport zu treiben, musste man sich nach Alternativen umsehen. Naherholungsziele sind da besonders gefragt, und der Hasbruch mit seinem Urwald ist ein überregionaler Anziehungspunkt. Die gesamte Fläche des Waldes ist seit 1997 Naturschutzgebiet, insgesamt 6,3 Quadratkilometer. Es gibt gut gekennzeichnete Wanderwege, ausgewiesene Routen für Radfahrer und Reiter.

Rainer Seidenberg aus Bremen ist mit Frau, zwei Kindern und dem Familienhund am Wochenende zum ersten Mal im Hasbruch. Freunde hatten ihm davon erzählt, und deshalb wollte er es einmal ausprobieren.

Bereits seit 50 Jahren kommt Peter Nowak aus Bremen in den Wald. Er ist selbst Jäger und hat eine besondere Beziehung zum Hasbruch: „Ich werde mich hier im Friedwald auch beerdigen lassen und hab mir schon einen Baum ausgesucht“. Er geht zwar nicht immer den gleichen Weg, aber die Besuche laufen meist ähnlich ab. Zunächst macht er ein Picknick und läuft dann auf einem der Wanderwege und nimmt die Natur in sich auf.

Heidi Windmann aus Delmenhorst hat ihre Tochter und zwei Enkelkinder mitgenommen, weil die beiden kleinen Mädchen auf den Waldwegen ungestört ihre Laufräder ausprobieren konnten,

Adrian Stubbemann aus Vielstedt besucht den Hasbruch seit 30 Jahren regelmäßig. Mit seinem Hund Moses geht er dort fast jeden Morgen spazieren. „Am Wochenende braucht man ab 12 Uhr aber gar nicht mehr herzukommen, da ist alles voll. Dann macht es keinen Spaß mehr“, berichtet er. „Ich würde im Moment auch keine ausgesprochene Empfehlung abgeben, den Wald zu besuchen“, sagt Jens Meyer dazu

„Wir freuen uns prinzipiell darüber, dass der Wald so beliebt ist. Das zeigt schließlich auch eine Wertschätzung der Natur“, sagt Försterin Wibeke Schmidt vom Forstamt Ahlhorn, das auch für den Hasbruch zuständig ist. Aber ein so großer Ansturm hat auch negative Seiten: Besucher, die ihren Müll im Wald lassen, querfeldein gehen, dabei Pflanzen und Tiere stören. Försterin Schmidt weiß zum Beispiel von einer Gruppe, die meinte, sie könne sich auf einer geschützen Wiese zum Picknick niederlassen.

Dabei gibt es klare Regeln: Da es wegen der Tiere im Wald keine Mülleimer gibt, müssen alle Besucher ihren Abfall mit nach Hause nehmen. Rauchen ist von März bis Oktober nicht gestattet, Beeren, Pilze und Pflanzen müssen im Wald bleiben. Die Wege sollten nicht verlassen werden, und Hunde müssen ganzjährig an die Leine. Darüber hinaus müssen sich Gruppen mit mehr als 30 Teilnehmern bei der Naturschutzbehörde des Landkreises Oldenburg anmelden.

Es gibt vier große Wanderparkplätze rund um das Waldgebiet, und Jens Meyer fasst es prägnant zusammen: „Wenn die voll sind, ist es der Wald auch.“ Dann sollte man sein Auto nicht irgendwie am Straßenrand abstellen, sondern lieber anderswo hinfahren. Der Wald sei schließlich kein Disneyland zur Unterhaltung der Spaziergänger, sondern ein wichtiger Faktor zum Klimaschutz. Was ja auch kürzlich beim Waldgipfel festgestellt wurde. Der Wald reinigt die Luft und das Grundwasser. Natürlich tut er auch den Besuchern gut, doch die müssen alles dafür tun, dem Wald nicht zu schaden.

Von Bernhard Warnsloh

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Leidenschaft reicht nicht: Fehlstart nach Hummels-Eigentor

Leidenschaft reicht nicht: Fehlstart nach Hummels-Eigentor

Meistgelesene Artikel

Niedersachsen: Mann stirbt bei Arbeitsunfall durch Heuballen

Niedersachsen: Mann stirbt bei Arbeitsunfall durch Heuballen

Niedersachsen: Mann stirbt bei Arbeitsunfall durch Heuballen
Niedersachsen: Corona-Lockerungen könnten früher als erwartet kommen

Niedersachsen: Corona-Lockerungen könnten früher als erwartet kommen

Niedersachsen: Corona-Lockerungen könnten früher als erwartet kommen
Erste Hitzewelle in Niedersachsen: So heiß wird es diese Woche

Erste Hitzewelle in Niedersachsen: So heiß wird es diese Woche

Erste Hitzewelle in Niedersachsen: So heiß wird es diese Woche
Wacken 2021: Festival findet doch statt

Wacken 2021: Festival findet doch statt

Wacken 2021: Festival findet doch statt

Kommentare