Krankenhäuser tun nichts dagegen

Eltern attackieren Kinderarzt: „Besser in einem Curryimbiss arbeiten“

Dr. Qureshi ist ein Top-Kinderarzt. Doch immer wieder beschimpfen ihn Eltern seiner Patienten rassistisch. Teils muss er Behandlungen abbrechen aus Angst vor Übergriffen.

London – Dr. Zeshan Qureshi arbeitet in einem Krankenhaus in London und versorgt dort Kinder. Doch was er bei seinen Schichten immer wieder erlebt, ist kaum zu glauben.

StadtLondon
LandEngland
Einwohner8.961.989 (2019)
BürgermeisterSadiq Khan (Labour)

In der britischen „Daily Mail“ schildert der Kinderarzt seinen Alltag im Krankenhaus und erzählt von einem Vorfall, der einfach nur wütend macht. Um drei Uhr nachts wird Dr. Zeshan Qureshi zu einer Entbindung gerufen. Er bereitet sich vor, dem Kind und seinen Eltern zu helfen. Stattdessen wird er aber nur wüst beschimpft. Die Beschimpfungen möchte der Kinderarzt nicht nochmal wiederholen, erzählt aber, dass der Mann nicht wollte, dass ein „Asiate“ seine Frau so entblößt sieht. 

Qureshi verließ daraufhin die Kabine, weil er fürchtete, der Mann könnte handgreiflich werden. Nach dramatischen Vorfällen mitten in der Corona-Pandemie rückt auch in den USA der anti-asiatische Rassismus ins Bewusstsein.

Mann entschuldigt sich für rassistische Äußerung

Eine Pflegerin kam dazu, doch anstatt ihrem Kollegen zur Seite zu stehen, entschuldigt sie sich auch noch bei den Eltern. Sie könne nichts tun, nachts seien eben nur „ausländische Ärzte“ da – „sorry“. Immerhin kam der Mann später nochmal auf Dr. Zeshan Qureshi zu und entschuldigte sich für sein Verhalten. Auch Ex-Torwart Jens Lehmann fiel mit einer rassistischen Äußerung negativ auf: Er nannte Sky-Experte Dennis Aogo einen „Quotenschwarzen“.

Dr. Qureshi ist ein Top-Kinderarzt – doch immer wieder muss er sich von den Eltern seiner Patienten rassistisch beschimpfen lassen.

Dr. Zeshan Qureshi in London geboren und hat außergewöhnliche Leistungen auf seinem Gebiet erbracht. Er hat 15 medizinische Lehrbücher herausgegeben, ein eigenes Unternehmen gegründet, Preise gewonnen und auf der ganzen Welt unterrichtet. „Ich kann nicht einfach weggehen. Der Gedanke kommt mir kaum in den Sinn. Diese Babys brauchen alle sofortige medizinische Hilfe, ohne Ausnahme“, sagt Qureshi über die Situation.

Kinderarzt hatte schon während Ausbildung mit Anfeindungen zu kämpfen

Schon während seiner Ausbildung habe der Arzt Erfahrungen mit Anfeindungen machen müssen. Von Patienten wurde ihm gesagt, er solle „besser in einem Curryimbiss arbeiten.“ Inzwischen weiß er, dass er kein Einzelfall ist. In der Corona-Pandemie hat sich die feindselige Stimmung noch verschärft. Dr. Qureshi wurden schlimme Vorfälle zugetragen; einem asiatischen Medizinstudenten wurde vorgeworfen, er würde „Fledermäuse essen“ und so „die Pandemie auslösen.“ Andere Kollegen müssten sich anhören, sie seien „Ausländer, die Arbeitsplätze stehlen“.

„Was mich mehr beunruhigt als die Beleidigungen selbst, ist es, wie das alles von meinen Kollegen akzeptiert wurde“, so Qureshi . Als Arzt aus einer ethnischen Minderheit, der im stattlichen Gesundheitswesen arbeitet, sei er ein gewisses Maß an rassistischen Beleidigungen gewohnt. 

Krankenhäuser nehmen den Rassismus der Patienten einfach so hin

Am meisten ärgert den Arzt, dass die Krankenhäuser den Rassismus der Patienten einfach hinnehmen. „Einige Patienten haben rassistische Überzeugungen und wollen, dass ihre Ärzte weiß sind.“ Die Regierung verbietet es, auf solche „Wünsche“ einzugehen. „Wenn ein Patient darum bittet, von einem weißen Arzt behandelt zu werden, ist die Antwort Nein“, schrieb der Gesundheitsminister Matt Hancock 2019. Eine Debatte, die eben die Gemüter erhitzt – ebenso wie der „Kannibalen-Topf“ in einem Wellness-Hotel.*

Dr. Zeshan Qureshi will, dass rassistische Fälle dokumentiert werden

Für Kinderärzte ist die Situation besonders kompliziert, denn die Rassisten sind die Eltern und nicht das Kind. Aber das inkonsequente Handeln in den Krankenhäusern führt zu immer absurderen Lösungen. Dr. Qureshi kennt Fälle, bei denen nachts ein weißer Arzt aus dem Bett geholt wurde, weil in der Notaufnahme kein Weißer war.

Dr. Qureshi ist klar, dass es keine Option ist, rassistische Patienten nicht zu behandeln. In Notfällen müsse man einen weißen Arzt rufen, schreibt er, aber sonst nicht. Außerdem fordert er, dass solche Fälle dokumentiert und an die Polizei gemeldet werden, denn die Krankenhäuser seien kein rechtsfreier Raum.

Im Alltag ist Rassismus ein häufiges Problem. Eine Initiative fordert nun die Umbenennung aller Mohren-Apotheken. Zudem änderte nach andauernder Rassismus-Kritik kürzlich Bahlsen den Namen der „Afrika“-Kekse um. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Carmen Jaspersen/dpa

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