Hausbauen

Baumaterialien fehlen: So lange muss man auf einen Handwerker warten

Lieferketten sind wegen Corona unterbrochen, USA und China fegen den Markt leer – und der Borkenkäfer macht den Rest. Es fehlt an allem, was man für den Hausbau braucht.

Hannover – Bau-Projekte nach der Corona-Pandemie entwickeln sich immer mehr zu einer Geduldsprobe. Kunden und Bauherren müssen aktuell in Deutschland über zwei Monate auf einen Handwerker warten. „Im Bau und Ausbau sind es durchschnittlich 8,8 Wochen“, sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer im Gespräch mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Grund dafür sei die Unterbrechung der Lieferketten in der Pandemie. „Baumaterialen sind knapp und die Materialpreise haben sich exorbitant erhöht“, erklärte er.

Zentralverband:Zentralverband des Deutschen Handwerks
Präsident: Hans Peter Wollseifer
Sitz: Berlin
Gründung:1949
Mitglieder:53 Handwerkskammern und rund 40 Fachverbände

Nach Angaben des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie beträgt der Preisanstieg bei Materialien auf den Baustellen etwa 40 Prozent.

„Es fehlt an Holz, Metall, Kunststoff, Chips – praktisch an allem, was man für den Hausbau braucht“, warnte Wollseifer. Hinter den Lieferengpässen bei Baumaterialien stecken auch weitere Gründe. Beim Holz spiele auch eine Rolle, dass die USA und China „einen wahnsinnigen Bedarf haben und die europäischen Märkte leerkaufen“, erklärte der Handwerkspräsident. „Hinzu kommen massive Schäden durch den Borkenkäfer, kalte Winter oder Brände wegen Dürre.“

Baumaterialien fehlen: Handwerker rufen Bundesregierung zum Handeln auf

Die Auswirkungen in Niedersachsen lassen sich bereits seit Wochen spüren. Zimmerleute im Landkreis Oldenburg klagen über Wartezeiten bei Lärchenholz von bis zu 30 Wochen. Bei zwei Großbaustellen in Verden könnte es zu Engpässen kommen.

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer beklagt Lieferprobleme und Preisanstiege bei Baumaterialien 

Handwerkspräsident Wollseifer rief die Bundesregierung zum Handeln auf. Preisanpassungen bei der öffentlichen Auftragsvergabe sollten auch für laufende Verträge möglich sein, forderte er. „Die Förderprogramme für Neubau und Sanierungen müssen entsprechend der Baupreiserhöhungen verstärkt werden“, so Wollseifer weiter. Die aktuellen Preis- und Beschaffungsprobleme müssten bei der Überbrückungshilfe als nachlaufende Corona-Folgen mitberücksichtigt werden.

Lieferengpässe bei Baumaterialien: Im Handwerk fehlen Azubis

Hinzu kommt ein weiteres Problem. Die Branche leidet auch im zweiten Corona-Jahr unter einem Mangel an Auszubildenden. „Aktuell haben wir in den 130 Ausbildungsberufen im Handwerk noch rund 32.000 offene Ausbildungsstellen“, sagte der Handwerkspräsident.

Bei den Neuverträgen habe man Ende Mai im Vergleich zum Vorjahr zwar ein Plus von neun Prozent, aber verglichen mit dem Mai 2019 – dem letzten vor der Pandemie – ein Minus von zehn Prozent. „Da ist dringender Handlungsbedarf.“

Für den Herbst kündigte Wollseifer ein Projekt an, um das Handwerk für junge Frauen attraktiver zu machen. „Knapp jeder fünfte Auszubildende ist eine Frau – da ist Luft nach oben“, betonte er. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jelinek, Hubert via www.imago-images.de

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