Wartezeit bis zu 18 Monate

Baugenehmigung: Weg zum Eigenheim immer beschwerlicher

Eigenheim auf dem Land ist für viele ein Traum. Doch bis man einziehen kann, dauert es. Alleine auf die Baugenehmigung kann man sechs Monate in Niedersachsen warten. 

Hannover – Nichts ohne Formular. Wer in Niedersachsen ein Haus bauen möchte, der muss sich im ersten Schritt durch einen Berg an Anträgen und Formularen durcharbeiten. Und dann heißt es „Warten“.

NBauONiedersächsische Bauordnung
BauVorlagenVOBauvorlagenverordnung
GaStplVOGaragen- und Stellplatzverordnung
DVO-NBauODurchführungsverordnung zur Niedersächsischen Bauordnung

Bevor die Handwerker loslegen dürfen, muss die Bauaufsichtsbehörde die Baugenehmigung erteilt haben. Die Baugenehmigung gilt für drei Jahre. Innerhalb dieser Zeit muss mit dem Bau begonnen worden sein. Besagte Baugenehmigung verfällt auch, wenn der Bau zwar innerhalb dieser Frist begonnen, dann aber mehr als drei Jahre unterbrochen wurde.

Baugenehmigung: Dauer nach Abgabe des Bauantrags – Bewilligung zieht sich bis zu 18 Monate hin

Die Dauer der Baugenehmigung kann stark variieren: Von der Abgabe des Bauantrags bis zur Genehmigung vergehen einige Wochen. In Niedersachsen dauerte die Bearbeitung sehr unterschiedlich. Der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen (vdw) hatte dazu Anfang des Jahres eine Umfrage gemacht. Das Ergebnis reicht von wenigen Wochen bis hin zu 18 Monaten.

Als Bauherr hat man nur wenig Einfluss auf die Ablaufgeschwindigkeit. Ein Tipp: Bevor man den Antrag einreicht, sollte man prüfen, ob alle Unterlagen dabei sind. So vermeidet man Nachfragen der Baubehörde – denn gerade die können die Baugenehmigungsdauer schnell verlängern.

Bauantrag: Warten kann teuer werden

Das Warten kann teuer werden. Ein Neubau hat sich im Mai so stark verteuert wie seit 2007 nicht mehr. Damals griff die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent. Die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude lagen im Mai 2021 um 6,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonates, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat.

Fertighäuser: Steigende Baustoffkosten und ungebrochende Nachfrage nach Neubauten lässt Preise weiter steigen.

Aktuell treibt die große Nachfrage nach Baumaterialien wie Holz, Stahl und Dämmstoffen auf den Weltmärkten die Preise in Höhen, die es seit über 40 Jahren nicht mehr gegeben hat. Zimmer- und Holzbauarbeiten verteuerten sich überdurchschnittlich, hier lagen die Preise im Mai 2021 um 28,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

Digitalisierung: Bauanträge schneller bearbeiten

Jeder, der einen Bauantrag stellen will, soll dies in Niedersachsen künftig vom heimischen Computer aus tun können. Das sieht eine Änderung der Niedersächsischen Bauordnung vor. „Ziel ist es, dass demnächst jeder seine Baugenehmigung bequem, komplett digital und von überall beantragen kann. Diese Änderungen in der Niedersächsischen Bauordnung sind ein echter Meilenstein bei der Digitalisierung von Verwaltungsverfahren“, sagte Bauminister Olaf Lies (SPD) auf Anfrage von kreiszeitung.de.

Die Bauordnung soll zusammen mit der Bauvorlagenverordnung am 1. Januar 2022 in Kraft treten. Auch das Arbeiten in den Behörden werde sich ändern und schneller werden, betonte Lies. Künftig werde das parallele Abarbeiten von Anträgen innerhalb der Ämter die Regel werden.

Bevor die Handwerker loslegen dürfen, braucht der Bauherr eine Baugenehmigung.

Das bedeute, dass die Anträge nicht mehr nacheinander in Reihe abgearbeitet werden müssten. Neben dem Bauantrag gibt es noch über 500 weitere Dienstleistungen, die Verwaltungen bis Ende 2022 online anbieten müssen.

Abwicklung von Anträgen und Baugenehmigungen

Ein weiterer Baustein um die Bearbeitungszeit bei Anträgen und Baugenehmigungen im Baugewerbe zu verkürzen wäre, mehr Fachpersonal in den Ämtern. Oder die Einführung einer Genehmigungsfiktion. Im Kern geht es darum, dass nach einer bestimmten Zeit der Antrag als genehmigt gilt, wenn sich die Behörde nicht gemeldet hat. In Bayern gibt es eine Genehmigungsfiktion.

Hinter einem Bauantrag verstecken sich eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen, die den Vorgang kompliziert gestalten und oft auch teuer werden lassen.  

„Das Bauordnungsrecht ist eine hochkomplexe Materie, die nicht nur die Niedersächsische Bauordnung umfasst. In zahlreichen Nebengesetzen (DVO-NBauO, BauVorlagenVO, GaStplVO) werden weitere Vorschriften erlassen oder bestehende Normen präzisiert“, schrieb der vdw im August 2020 und führte weiter aus. „Hier bedarf es dringend einer folgerichtigen und widerspruchsfreien Verzahnung und systematischen Zusammenführung der Vorschriften.“

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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