Kritik der Landwirte

Heidelbeer-Bauern kommen nicht gegen Preise importierter Früchte an

Heidelbeeren sind gesund und lecker. Deutsche Beerenanbauer können mit den Preisen der importierten Früchte aber nicht mithalten – die Saison haben sie verloren.

Hoya - Sommerzeit ist Heidelbeer Zeit, die ersten lassen sich bereits im Juni ernten. Abhängig von Region und Sorte. Heidelbeeren gelten als pflegeleicht. Eine reiche Ernte bringen sie jedoch nur am richtigen Standort. Diese Heidelbeersaison sei für die heimischen Beerenanbauer jedoch zu einhundert Prozent verlorengegangen, sagt der Vorsitzende der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer, Fred Eickhorst, dem Landvolk-Pressedienst. „Friss oder stirb – das hat sich dieses Jahr gezeigt“, sagt er.

Ordnung:Heidekrautartige (Ericales)
Familie:Heidekrautgewächse (Ericaceae)
Gattung:Heidelbeeren (Vaccinium)
Art:Heidelbeere

Die Heidelbeeranbauer verzweifeln unter dem Kostendruck und der Konkurrenz aus Osteuropa. Eickhorst ist verärgert über den Lebensmitteleinzelhandel (LEH), der die regionalen Heidelbeeren nur für den osteuropäischen Preis abnehme. Auch die niedersächsische Landwirtschaftskammer beobachtet die Wettbewerbsnachteile heimischer Anbaubetriebe.

Sonderauflagen sorgen für enorm steigende Lohnkosten

Die regionalen Erzeuger hätten insbesondere durch die coronabedingten Sonderauflagen enorm steigende Lohnkosten. Überall dort, wo es arbeitsintensive Prozesse gibt – auch bei der Ernte von Erdbeeren, Himbeeren oder Spargel – seien die heimischen Betriebe von diesem massiven Wettbewerbsnachteil betroffen. „Wir appellieren auch aus Qualitäts- und Frischegründen zum Kauf von Heidelbeeren aus heimischem Anbau“, hieß es aus der Kammer.

Heidelbeeren sind wegen ihres hohen Vitamin-Gehalts nicht nur gesund, sondern auch lecker.

Deutsche Ware werde meist nur in Kleinstgrößen angeboten. „Gleich daneben standen die großen Packungen natürlich günstiger, aber mit der Ware aus Osteuropa. Für den Verbraucher, der nicht genau hinschaut, ist das nicht zu erkennen“, erklärte Eickhorst. Es fehle eine klare Kennzeichnung von Lebensmitteln. „Vor zwei Jahren hatten wir das Label ‚Geerntet in Deutschland‘ eingeführt mit schwarz-rot-goldener Fahne drauf. Gut erkennbar für den Kunden. Doch der Handel verhindert die Kennzeichnung“, sagte er.

Gleich daneben standen die großen Packungen natürlich günstiger, aber mit der Ware aus Osteuropa. Für den Verbraucher, der nicht genau hinschaut, ist das nicht zu erkennen.

Fred Eickhorst, Vorsitzender der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer

Vor zehn Jahren wurden den Angaben nach zur Saison noch 80 Prozent der Beeren in Deutschland produziert. „Jetzt gibt es Heidelbeeren das ganze Jahr über im Regal, aber nur noch 16 Prozent der Gesamtmenge kommen aus Deutschland – Tendenz weiter stark fallend“, berichtete Eickhorst. Dass passe nicht mehr zusammen und sei auch bei anderen Beeren wie Erdbeeren und Himbeeren zu erkennen.

Vorsitzender der Spargel- und Beerenanbauer sieht Politik in der Pflicht

Eickhorst sieht den Gesetzgeber in der Pflicht, die unterschiedlichen Wettbewerbs-, Gesellschaft- und Umweltanforderungen in der EU mit Regelungen auszugleichen. Das fange bei den Produktionsstandards an, gehe über den Transport und den damit verbundenen Kohlendioxidausstoß bis hin zur Kennzeichnungspflicht der Inhaltsstoffe in verarbeiteten Produkten.

Die heimischen Heidelbeeranbauer verzweifeln unter dem Kostendruck und der Konkurrenz aus Osteuropa.

Niedersachsen ist den Angaben zufolge das größte Anbaugebiet für Heidelbeeren in Deutschland. Auf rund 2000 Hektar wachsen die Früchte - das entspricht rund 70 Prozent des gesamten Anbaus in der Bundesrepublik. Die Haupternte dauert in Niedersachsen von Mitte Juli bis Anfang August - wegen unterschiedlicher Reifezeitpunkte geht die Saison aber bis Mitte September. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes hatten im vergangenen Jahr 160 Betriebe in Niedersachsen insgesamt 6743 Tonnen Kulturheidelbeeren geerntet. Mit Material der dpa. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: Christophe Gateau / picture alliance / dpa

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