Baugewerbe setzt auf Sonderkonjunktur durch Flüchtlinge

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Die Baubranche in Niedersachsen erwartet einen Wachstumsschub durch den Neubau von Wohnungen für Flüchtlinge.

Hannover - Flüchtlinge als Wachstumstreiber: Die Bauindustrie in Niedersachsen und Bremen erwartet deutliche Impulse durch den Bau neuer Wohnungen. Bisher gab es in fast allen Sparten ein solides Plus. Bei der Integration junger Zuwanderer ins Arbeitsleben mahnt sie Tempo an.

Durch den Neubau Tausender neuer Wohnungen für Flüchtlinge, aber auch andere Bezieher niedriger Einkommen erwartet die Baubranche in Niedersachsen und Bremen 2016 einen Wachstumsschub. „Ich glaube, da rollt eine Wohnungsbauwelle auf uns zu, die man sehr sorgfältig vorher analysieren muss“, erklärte Hauptgeschäftsführer Wolfgang Bayer am Dienstag bei der Vorlage der Konjunkturdaten der Branche in Hannover.

„Man muss ein Wohnungsbauprogramm auflegen, das andere Dimensionen hat als die, die wir aus der letzten Zeit kennen.“ Nach Ansicht von Bayers Stellvertreter Harald Freise dürfte sich der Bedarf an Wohnraum für Flüchtlinge durch den normalen Wohnungsbau kaum decken lassen: „Da wird man auch über modulare Bauweise mit Fertigteilen nachdenken müssen.“ Im laufenden Jahr war die konjunkturelle Entwicklung der Branche für die Zeit von Januar bis August in fast allen Sparten positiv, was sich 2016 fortsetzen dürfte. „Es gibt einen nachhaltigen Bedarf für Wohnungen, und der wird durch die Flüchtlingsthematik überlagert und nach oben getrieben“, sagte Präsidiumsmitglied Frank Siebrecht. So seien die Auftragseingänge um 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen - im öffentlichen Tiefbau, der etwa die Verlegung von Leitungen und Internet-Kabeln umfasst, sogar um 21,9 Prozent. Allerdings hat ein Rückgang von Baugenehmigungen für Fabrik-, Werkstatt-, Handels- und Lagergebäude den gewerblichen Hochbau ausgebremst. Kompensiert wird das von einem 15,7-prozentigen Zuwachs bei den erteilten Baugenehmigungen für Wohngebäude. Die zeitintensive Ausweisung von Bauflächen könne zu einem Problem bei einer steigenden Anzahl von Bauanträgen werden, warnte der Verband. Die Zahl der Beschäftigten sank in dem Zeitraum leicht um 2,2 Prozent auf 83 533 Mitarbeiter.

Der Verband kritisierte in dem Zusammenhang, dass ein für Anfang Oktober geplantes Schulungsprogramm für geeignete Zuwanderer an mangelnder Finanzierung der Deutschkurse scheiterte. Obwohl die Branche bereits syrische Ingenieure eingestellt hat, bereite die hohe Zahl von Analphabeten oder Minderjährigen ohne Schulabschluss der Branche Sorge mit Blick auf die Integration ins Berufsleben. Kritik gab es auch an einem zu geringen Anteil an öffentlichen Straßenbauprojekten. Niedersachsen erwartet in diesem Jahr rund 100 000 Flüchtlinge und mobilisiert 400 Millionen Euro für 5000 Wohnungen vor allem in Ballungszentren. Die Landesregierung will vermeiden, dass es auf dem Wohnungsmarkt zu einem Konkurrenzkampf um günstige Wohnungen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen mit kleinem Geldbeutel kommt. dpa

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