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Batterie für E-Autos bald made in Germany

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Von: Andree Wächter

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Der schwedische Batteriehersteller Northvolt will in Norddeutschland eine Fabrik bauen. Dort sollen ebenfalls Altbatterien recycelt werden.

Heide – Der Preis für Diesel und Benzin liegt deutlich über zwei Euro je Liter. Ob der von Finanzminister Christian Lindner (FDP) geplante große Tank-Rabatt tatsächlich fruchtet, ist noch völlig offen. Für viele Autofahrer stellt sich die Frage: Lohnt sich ein E-Auto? Um eine entsprechende Nachfrage auch befriedigen zu können, benötigen die Autobauer entsprechend viele Batterien. Der schwedische Batteriehersteller Northvolt will in der Nähe von Heide an der schleswig-holsteinischen Westküste eine Batteriezellfertigung bauen. Die europäischen Autobauer wollen so unabhängiger vom asiatischen Markt sein.

FirmennameNorthvolt
Gründung2016
ProdukteLithium-Ionen-Batterien für Elektroautos
HauptsitzStockholm (Schweden)

Des Weiteren sollen mit dem Bau in der Nähe von Heide (Gemeinden Norderwöhrden und Lohe-Rickelshof) rund 3000 Arbeitsplätze entstehen. Eine entsprechende Absichtserklärung werde gemeinsam mit der Landesregierung sowie der Region Heide unterzeichnet, teilte die Northvolt AB am Dienstag, 15. März 2022, mit. Der Produktionsstart ist dann für 2025 geplant. Parallel zur Fertigung soll eine Anlage zum Recycling von Altbatterien ausrangierter E-Autos entstehen. In der Vorwoche hatten mehrere Medien über das Vorhaben berichtet.

Für die Standortwahl sprach aus Sicht der Schweden neben der günstigen Lage zwischen Nord- und Mitteleuropa der „Reichtum an sauberer Energie“ im Norden. Erklärtes Ziel des Unternehmens ist es, Batterien für E-Autos mit „dem geringsten ökologischen Fußabdruck in Kontinentaleuropa“ herzustellen.

E-Auto: Batterieherstellung mit Strom aus Windkraft

Der Standort Heide sei der „Schlüssel zur Verwirklichung dieses Ziels“, sagte der Chef und Mitbegründer von Northvolt, Peter Carlsson, laut Mitteilung. „Die Region beherbergt das sauberste Energienetz Deutschlands, das sich durch einen Überschuss an Strom aus On- und Offshore-Windkraft auszeichnet und durch saubere Energie, die über Netzkopplungen mit Dänemark und Norwegen bereitgestellt wird, verstärkt wird“.

Die geplante Kapazität gibt das Unternehmen mit jährlich 60 Gigawattstunden (GWh) an, die für etwa eine Million E-Fahrzeuge ausreichten. So wie der US-Elektroautohersteller Tesla nennt auch Northvolt die Fabrik „Gigafactory“. Online haben die Schweden bereits erste Stellen für den Standort Heide ausgeschrieben.

Der Bau hat aber auch eine Kehrseite der Medaille. Laut dem NDR werde der Verkehr zunehmen. Zu rechnen sei mit 75 Lkw pro Tag oder einem Güterzug – falls die Fabrik einen Gleisanschluss bekäme. Letzteres wünscht sich die Northvolt.

VW: Beteiligung an E-Auto-Batteriehersteller Northvolt

Northvolt arbeitet eng mit Europas größtem Autohersteller Volkswagen (VW) zusammen, der auch mit rund 20 Prozent an dem jungen schwedischen Unternehmen beteiligt ist. Das erste Northvolt-Werk im nordschwedischen Skellefteå hat Ende 2021 die Produktion von Batteriezellen aufgenommen. Ab 2023 soll auch VW von dort aus beliefert werden. In Salzgitter soll noch in diesem Jahr Baubeginn für eine zweite Fabrik sein, für eine dritte in Spanien laufen laut VW-Chef Herbert Diess derzeit die „abschließenden Diskussionen über den Standort“.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat Fördermittel für die geplante Batteriefertigung des schwedischen Unternehmens Northvolt angekündigt. Die Mittel würden im Rahmen des Programms „Important Projects of Common European Interest“ (IPCEI) zur Verfügung gestellt, teilte Habeck mit. „Northvolts Produktion wird konkret dazu beitragen, die Lieferketten für Elektromobilität in Deutschland und Europa zu stärken“, so der Minister. „Deshalb wird auch die Bundesregierung das Projekt substanziell unterstützen.“ Eine Summe nannte er noch nicht.

So könnte auch das Werk in Schleswig-Holstein aussehen. Die Illustration zeigt ein zukünftiges Werk in Göteborg.
So könnte auch das Werk in Schleswig-Holstein aussehen. Die Illustration zeigt ein zukünftiges Werk in Göteborg. © dpa

Komplette Batteriesysteme will Northvolt zudem in einem Werk im polnischen Danzig produzieren. Auch mit Volvo will Northvolt im schwedischen Göteborg eine Batteriezellfertigung aufbauen.

Volkswagen wird nach Schweden, Deutschland und voraussichtlich Spanien seine vierte europäische Fabrik zur Produktion von Batteriezellen möglicherweise in Osteuropa ansiedeln. Ein entsprechendes Sichtungsverfahren laufe jetzt, sagte Konzernchef Herbert Diess am Dienstag bei der Vorstellung der detaillierten Jahreszahlen für 2021. Für die insgesamt zunächst sechs geplanten Zellwerke in Europa werden – einschließlich angeschlossener Themen wie Recycling und Forschung – nach Einschätzung von Finanzchef Arno Antlitz wohl bis zu 30 Milliarden Euro an Investitionen nötig sein.

Konkreter würden daher nun auch Überlegungen zu einem Börsengang des eigenen Batteriegeschäfts. Dafür müsse man allerdings erst nach weiteren Kooperationen und möglichen Beteiligungen suchen, sagte der VW-Finanzvorstand: „Aus heutiger Sicht können wir nicht alles in unsere Bilanz nehmen. Wir suchen nach strategischen Partnern.“. (Mit Material der dpa)  *kreiszeitung.de und hna.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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