Tragisches Unglück im Kreis Cloppenburg

Ehepaar stürzt bei Fahrübungen mit Auto in See und stirbt

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Tragisches Unglück: 55-Jährige fährt in  Harkebrügger See

Harkebrügge - Von Irena Güttel. Ein Frau übt Autofahren an einem Baggersee. Sie verliert die Kontrolle, das Auto versinkt mit ihr und ihrem Mann im Wasser. Das Paar stirbt. Doch warum setzte sich die Frau ausgerechnet an einem See zum Üben ans Steuer?

Die Sonne knallt, die Luft flimmert über dem Harkebrügger See, bestes Badewetter - doch den unbeschwerten Sommertag überschattet ein tragisches Unglück. Ein Ehepaar ist am Vorabend mit dem Auto in den Baggersee im Nordwesten Niedersachsens gefahren und ertrunken. Die Frau, die am Steuer saß, hatte keinen Führerschein. Sie wollte auf der schmalen Sandpiste, die zum See führt, Fahrpraxis sammeln. Das Auto versank vor den Augen von Verwandten im Wasser.

Am Tag danach zeugen nur noch Reifenspuren und abgeknickte Blätter an der Uferböschung von dem Unfall. Am Mittwochabend kämpften hier zahlreiche Helfer um das Leben der beiden 55-Jährigen. Zwei Rettungstaucher versuchten, das Paar aus dem Wagen in sieben Meter Tiefe zu befreien. Angehörigen und zwei Polizisten mussten zuvor erfolglos aufgeben. „Das Auto lag auf dem Dach und so schräg, dass nur eine Tür einen Spalt aufging“, erläutert Taucher Maik Stratmann von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. „Ich musste schon ordentlich Kraft anwenden, um die Tür zu öffnen.“ Nach 20 Minuten konnten er und sein Kollege den Mann aus dem Wrack bergen. Bei der Frau gelang es ihnen erst 50 Minuten später, weil sie dafür das Auto drehen mussten.

Unter den rund 2000 Einwohnern in Harkebrügge im Kreis Cloppenburg hat sich die Tragödie schnell herumgesprochen. Wer am Mittwoch nicht von den Sirenen aufgeschreckt wurde, der hat es von seinen Nachbarn erfahren. „Hier kennt jeder jeden“, sagt Jennifer Sebastiany. Das verunglückte Paar kannte in dem winzigen Ort jedoch niemand, denn es stammte aus dem mehr als zehn Kilometer entfernten Friesoythe. Wie die Frau auf die Idee kommen konnte, ausgerechnet an dem See Autofahren zu üben, können viele in Harkebrügge nicht verstehen.

Hohe Bäume und dichtes Gebüsch umschließen den Weg auf beiden Seiten. Vielleicht hatte die 55-Jährige gehofft, dort nicht beim Fahren erwischt zu werden. Eindeutig klären lässt sich das nach dem Tod der Eheleute wohl nicht mehr. „Die Frau war offenbar überfordert“, sagt Polizeisprecher Frank Soika. „Sie ist einfach geradeaus in den See gefahren.“ Noch an dem Abend hatten Ermittler an dem etwa 14 Hektar großen See nach Spuren gesucht. Ein Verbrechen schließen sie aus.

Ein Notarzt reanimierte die beiden Verunglückten nach der Rettung. Sie kamen in Krankenhäuser, wo sie später allerdings starben. „Die Frage in solchen Fällen ist, ob sich eine Luftblase im Auto gebildet hat, und wie lange sich diese gehalten hat“, sagt Thomas Palmaers von der Medizinischen Hochschule in Hannover. Nach drei Minuten ohne Sauerstoff trage das Gehirn Schäden davon, nach fünf Minuten seien diese irreparabel. „Im Zweifelsfall wird immer wiederbelebt“, sagt der geschäftsführende Oberarzt der Intensivmedizin. „Im Krankenhaus kann man dann später relativ schnell feststellen, wie groß die Schäden fürs Gehirn sind.“

Die Polizei hat ihre Ermittlungen zu dem tödlichen Unfall am Donnerstag bereits abgeschlossen und die Akten der Staatsanwaltschaft übergeben. Am Harkebrügger See gehen Hundebesitzer spazieren, Sonnenanbeter liegen am Ufer -als wäre nichts passiert. Jennifer Sebastiany, ihr Mann und ihre Tochter wollen trotz des Unglücks, die Füße ins kühle Wasser halten. Auch Simone Nordmann will sich bei der Hitze den Badespaß nicht verderben lassen. „Das Wetter muss man ausnutzen.“
dpa

Frau fährt in Harkebrügger See - Ehepaar stirbt

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