Brandanschlag auf Flüchtlingsheim: Noch keine Hinweise auf Täter

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Auf ein im Bau befindliches Flüchtlingswohnheim in Barsinghausen bei Hannover ist am Morgen des 23.01.2016 ein Brandanschlag verübt worden.

Barsinghausen - Brandstifter haben den Rohbau eines Flüchtlingsheims in Barsinghausen angezündet. Wegen geöffneter Gasflaschen im Innern bestand sogar die Gefahr einer Explosion. Die Polizei hofft nun auf Zeugenhinweise.

Mit einem Brandanschlag auf ein geplantes Flüchtlingsheim bei Hannover haben die Täter vermutlich eine schwere Explosion auslösen wollen. Von ihnen gab es am Sonntag noch keine Spur, wie die Polizei in Hannover mitteilte. Bei den Löscharbeiten in dem Rohbau in Barsinghausen stießen die Wehrmänner am Samstag auf mehrere geöffnete Gasflaschen, was zu einer Explosion hätte führen können, sagte ein Feuerwehrsprecher. Ob das Gebäude noch genutzt werden könne oder abgerissen werden müsse, solle ein Gutachter klären, sagte der Erste Stadtrat Georg Robra am Sonntag.

Die Gasflaschen wurden ins Freie gebracht und dort gekühlt. Für die Feuerwehrmänner habe akute Lebensgefahr bestanden. Nach Angaben der Polizei entstand an dem Gebäude ein Schaden von 100 000 Euro, Menschen wurden nicht verletzt. Die Brandstifter hatten einen Baucontainer aufgebrochen und die Gasflaschen dort entwendet. Mit Brenneraufsätzen zündeten die Täter dann sowohl im Erdgeschoss als auch im Obergeschoss Dämmmaterial an. Womöglich hatten die Brandstifter die Gasflaschen anschließend bewusst offen gelassen, um eine Explosion zu erzeugen. Die Flaschen seien überall im Gebäude verteilt gewesen, sagte Robra. Es sei aber auch möglich, dass die Täter die Flaschen versehentlich offen ließen.

Die Ermittler setzen jetzt auf Hinweise aus der Bevölkerung. Bis zum Sonntag hätten sich jedoch noch keine Zeugen bei der Polizei gemeldet, erklärte die Sprecherin. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) verurteilte den Anschlag. „Stellen Sie sich vor, Sie wären nach einer langen und gefährlichen Flucht endlich in einem Land angekommen, in dem Sie hoffen, Ruhe und Sicherheit zu finden. Und dann gibt es immer wieder niederträchtige Brandanschläge auf im Bau befindliche oder - noch schlimmer - bereits genutzte Flüchtlingsunterkünfte“, sagte Weil. „Ich schäme mich dafür, dass so etwas auch bei uns in Niedersachsen immer wieder passiert.“ Im vergangenen Jahr hatte es in Niedersachsen acht Brandstiftungen im Bereich von Flüchtlingsunterkünften gegeben.

Innenminister Boris Pistorius (SPD) kündigte eine harte Bestrafung der Täter an. „Der oder die Täter wollten das Gebäude vollständig zerstören, um zu verhindern, dass Menschen nach ihrer Flucht vor Krieg oder Verfolgung einen Ort der Zuflucht finden“, erklärte er. „Das ist widerwärtig und kaum in Worte zu fassen.“ Das Gebäude in Barsinghausen hatte nach bisherigen Plänen bis Ende März für 48 Flüchtlinge bezugsfertig sein sollen. Barsinghausen grenzt an das Schaumburger Land, einem Schwerpunkt von Neonazis in Niedersachsen.
dpa

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