Richter spricht von Horrorgeschehen

Grausamer Balge-Mord: Frau mit Betonplatte in der Weser versenkt - Plädoyers erwartet

Noch im Oktober könnte das Urteil im Mordprozess Andrea Korzen fallen. Sie wurde an einer Betonplatte in der Weser versenkt. Angeklagt sind drei Personen.

Verden - Einer der spektakulärsten Mord-Prozesse am Landgericht Verden ist auf der Zielgeraden. Es geht um die 19-jährige Andrea Korzen, die an einer Betonplatte gefesselt bei Balge in die Weser geworfen wurde. In dem Prozess werden am Montag vor der 1. Große Strafkammer des Landgerichts Verden die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung erwartet. Noch im Oktober könnten die Urteile verkündet werden. Wegen der Corona-Pandemie und aus organisatorischen Gründen ist die Verhandlung nicht im Landgericht, sondern in der Stadthalle in Verden. (Az 1 Ks 113/20)

Mordprozess im Landgericht Verden

LandkreisNienburg
Fläche1.399 km²
Bevölkerung121.386
KreisstadtNienburg/Weser

Angeklagt sind ein 40-Jähriger, ein 53-Jähriger und eine 39-Jährige. Den Ermittlungen zufolge sollen sie das Opfer nackt mit einem Stromkabel auf einer 21,2 Kilogramm schweren Waschbetonplatte festgebunden haben. Danach seien entweder alle drei oder nur die beiden Männer zur Weser-Schleuse in der Gemeinde Balge (Kreis Nienburg) gefahren, so die Anklagebehörde. Die Täter sollen die gefesselte Frau am 9. April 2020 über das Geländer geworfen haben, wo sie vermutlich ertrank. Am 28. April 2020 haben Binnenschiffer die Leiche am Schleusenkanal entdeckt.

Unklar scheint die Rolle der angeklagten Frau zu sein. Entweder war sie am Weser-Ufer dabei oder sie hat auf dem Grundstück eventuell Spuren beseitigt. Diese beiden Möglichkeiten der Staatsanwaltschaft.

Mordprozess: Andrea Korzen sollte sich prostituieren

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Männer die junge Frau ab Anfang April 2020 dazu gebracht hatten, sich zu prostituieren. Dabei sollen sie die persönliche Zwangslage der 19-Jährigen ausgenutzt haben, denn die Frau litt an einer paranoiden Schizophrenie. Gleich drei Mordmerkmale sieht die Staatsanwaltschaft Verden daher als erfüllt an: Grausamkeit, niedrige Beweggründe und Verdeckung einer anderen Straftat.

Als die Angeklagten merkten, dass der Teenager wegen ihrer psychischen Erkrankung nicht mehr in der Lage war, als Prostituierte zu arbeiten, sollen sie die 19-Jährige in das Wohnhaus des heute 41-Jährigen und später in die Garage auf dem Grundstück gebracht haben. Die angeklagte Frau, die damals Partnerin des 41-Jährigen war, soll eifersüchtig auf die jüngere Frau gewesen sein.

Porträtbild vom Mordopfer Andrea Korzen.

Laut Anklage wurde Andrea Korzen in der Garage geschlagen, geknebelt und gewürgt. Obwohl das Trio gesehen habe, in welch dramatischer Lage die kranke 19-Jährige gewesen sei, habe keiner Hilfe geholt, sagte die Staatsanwältin bei Verlesung der Anklage. Der Tötungsplan entstand demnach, als den Angeklagten klar wurde, dass sie mit der Frau kein Geld verdienen können.

Im Laufe des Prozesses kam die Möglichkeit auf, dass es sich auch um fahrlässigen Tötung handeln könnte. Der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk zog dazu einen Vergleich zu einem „Jauchegruben-Fall“, der 1960 am Bundesgerichtshof entschieden wurde. Es geht dabei um den Zeitpunkt des Todes. War die Frau beim Werfen in die Weser schon tot oder starb sie durch Ertrinken? Dass die Leiche lange im Wasser lag, erschwerte die Ermittlungen zur genauen Todesursache.

Das wäre ein Horrorgeschehen

Richter Volker Stronczyk

Fraglich erscheint der Kammer, aufgrund nicht vorhandener Abwehrverletzungen, dass die 19-Jährige bei vollem Bewusstsein auf die Platte gebunden wurde. „In solch quälender Art und Weise. Das wäre ein Horrorgeschehen“, sagte Stronczyk. „Ein Geschehen, bei dem man an Mafia-Filme denken würde.“

Als ernsthafte Möglichkeit zieht die Kammer ein Töten in der Garage in Betracht. Denkbar sei auch ein Rücktritt vom Versuch und eine Körperverletzung mit Todesfolge. Der 53 Jahre alte Angeklagte soll seiner Freundin später berichtet haben, dass er die 19-Jährige wiederbelebt habe. Für unwahrscheinlich hält es die Kammer, dass eine bislang unbekannte Person, möglicherweise ein letzter Freier, Andrea Korzen getötet hat.

Die 39-Jährige Angeklagte im Gespräch mit ihrer Anwältin.

In dem Prozess im Landgericht Verden wurden auch zahlreiche Zeugen gehört. Eine soll aufgrund eines Umzugs die Vorladung nicht erhalten haben. Ein Nienburger Gastronomen folgte seiner Vorladung nicht. Auch die beauftrage Polizei hatte ihn nicht aufgreifen können. Eine weitere Zeugin kam unter Alkohol- und Drogeneinfluss ins Gericht.

Die drei Angeklagten äußerten sich nicht zu den Vorwürfen. Neben Mord wirft die Staatsanwaltschaft den Männern Zwangsprostitution, der angeklagten Frau Beihilfe zur Zwangsprostitution vor.

Bereits abgeschlossen ist ein Prozess gegen einen 21-Jährigen wegen gewerbsmäßigen Menschenhandel. Er soll Andrea Korzen kurz vor ihrem Tod „verkauft“ haben.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt

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