Weichen stehen auf Angriff

Baerbock: Grüne-Kanlzerkandidatin greift Bundesregierung und Union an

Bündnis 90/Die Grünen hat entschieden: Annalena Baerbock wird bestätigt. Die Grünen-Politikerin schaltet bei der ersten Kandidatinnen-Rede auf Attacke.

Hannover – Annalena Baerbock tritt die Flucht nach vorne an: Nach den Querelen um ihren geschönten Lebenslauf* und die Diskussionen um höhere Benzinpreise* sowie ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen schlägt das „Imperium der Grünen“ jetzt fulminant zurück.

Und zwar mit geeinter Front.

Deutsche Politikerin:Annalena Charlotte Alma Baerbock (Grüne)
Geboren:15. Dezember 1980 (Alter: 40 Jahre) in Hannover
Privat:verheiratet, zwei Kinder, wohnhaft in Potsdam
Ehemann:Daniel Holefleisch
Aktuelle Ämter:Bundesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete

Grünen-Parteitag: Annalena Baerbock und Robert Habeck mit überwältigender Mehrheit bestätigt

Beim Parteitag von Bündnis 90/Die Grünen wurde die Parteichefin mit überwältigender Mehrheit als Kanzlerkandidatin gekürt. Ganze 678 Delegiertenstimmen gingen auf dem Parteitag der Grünen an die Führung aus Annalena Baerbock* und Robert Habeck zurück. Sprich: 98,5 Prozent entfielen auf das grüne Spitzenduo. Entgegen aller Befürchtungen, dass die Grünen-Basis den Aufstand proben könnte.

Ein Grund zu feiern? Eher nicht. Denn Annalena Baerbock richtet den Blick bei Ihrer Rede direkt auf die kommende Bundestagswahl 2021. Dabei kann sich die Parteivorsitzende der Grünen Seitenhiebe auf die Bundesregierung und vor allem jene politischen Rivalen nicht verkneifen, die sich in den letzten Wochen auf die Kanzlerkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen gestürzt hatten wie Aasgeier auf ein todgefahrenes Tier am Straßenrand.

Baerbock attestiert gesamter Bundesregierung Versagen – „Wir haben sie hängenlassen“

„Wir haben sie hängenlassen“, erklärt Baerbock und spricht damit die Versäumnisse der Bundesregierung in der Corona-Politik gegenüber Kindern und Jugendlichen an. Daher sei es nun umso wichtiger, auf Familien und Kinder zu blicken. „Da ist die Sechsjährige, die das ABC komplett vergessen hat. Und da ist der Zwölfjährige, der mittlerweile mit der Haltung lebt: Wir Corona-Kinder sind den anderen doch sowieso scheißegal“, geht Baerbock weiter ins Detail.

Wir haben sie hängenlassen

Annalena Baerbock zu den Versäumnissen der Bundesregierung in der Pandemie gegenüber Kindern und Jugendlichen.

Baerbock sehe es als ihre Aufgabe an, dass die nächste Regierung „Kinder und Jugendliche wieder in den Mittelpunkt stellt“. Einen weiteren Seitenhieb hatte die Kanzlerkandidatin der Grünen hier auch für die Union aus CDU und CSU und gesamte Bundesregierung im Köcher. Denn es sei ein Unding, dass die Bundesregierung sich weigere, Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen.

Attacke auf CDU/CSU: Annalena Baerbock (Die Grünen) schießt Giftpfeile in Richtung Union

Doch damit nicht genug. Es war das Crescendo des politischen Rundumschlags von Annalena Baerbock, aber keineswegs die einzige Kritik, die Grünen-Politkerin in ihrer Rede auf dem Parteitag äußerte. Ein paar Giftpfeile hatte die Hannoveranerin Baerbock tatsächlich noch im Köcher. Empfänger war dabei vor allem die Union aus CDU und CSU um Kanzlerkandidat Armin Laschet.

Annalena Baerbock beim Parteitag der Grünen.

Besonders bei der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Zusammenhang mit dem Klimaschutz nahm die Kanzlerkandidatin der Grünen kein Blatt vor den Mund. „Zur Ehrlichkeit gehört aber auch“, stellt Baerbock klar, dass durch die Transformation auch Arbeitsplätze wegfallen werden.“ Hier denken die Grünen mit einer Vielzahl von Hilfsprogrammen an Unterstützung der betroffenen Berufszweige. Denkbar ist zum Beispiel ein Unterstützungsgeld zur Neuqualifikation.

Attacke auf CDU/CSU: Annalena Baerbock stellt Union beim Mindestlohn an den Pranger

Nach wochenlanger Defensive, die zu Umfragetiefs bei den Wählerinnen und Wählern geführt haben, ging Baerbock endlich wieder in die Offensive über. Eine Rolle, die ihr sichtlich liegt. „Wo ich aber nicht mitmachen werde, ist mit einer Politik, der ausgerechnet dann, wenn es um Klimaschutz geht, immer wieder einfällt, dass es im Land Menschen mit kleiner Rente gibt und Menschen, die zu einem niedrigen Lohn arbeiten. Niemand hindert die Union daran, den Mindestlohn auf zwölf Euro die Stunde anzuheben.“

Diese Attacke hat gesessen, auch wenn eine Expertin auf die erste Kandidatinnen-Rede von Baerbock irritiert reagierte. Die Reaktionen im Plenum waren hingegen eindeutig: tosender Applaus. Wie und ob ihre Politik bei den Wählerinnen und Wählern ankommt und sich dann auch umsetzen lässt, muss die Zukunft zeigen. Eines ist jedoch sicher, den Rückhalt der Partei hat Annalena Baerbock. Und Offensive lässt sich doch eben immer besser spielen als Defensive – das gilt auch für die Kanzlerkandidatin der Grünen im Kampf um das Kanzleramt*. * kreiszeitung.de, merkur.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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