Angebot in Niedersachsen und Bremen

Hilfe für verzweifelte Eltern: Babykörbchen nehmen 84 Säuglinge auf

Ein Hinweisschild auf die Babyklappe im Frederikenstift-Krankenhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt.
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Landesweit haben fünf Einrichtungen in Niedersachsen und ein Krankenhaus in Bremen ein Babykörbchen.

Verzweiflung und Not können Schwangere in aussichtslose Situationen führen. Als eine von vielen Hilfsangeboten sind Babykörbchen eine Option zur Rettung des Kindes.

  • In Hamburg wurde im Jahr 2000 die bundesweit erste Einrichtung dieser Art eröffnet.
  • In Bremen und Niedersachsen gibt es Babykörbchen an insgesamt sechs Standorten.
  • Das Angebot richtet sich an verzweifelte Eltern, soll aber vor allem das Leben der Kinder retten.

Hannover/Bremen - Mehr als 80 Neugeborene sind bisher in Niedersachsen und Bremen anonym in Babykörbchen abgelegt worden. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den insgesamt sechs Standorten in beiden Bundesländern hervor. Nach den Zahlen kamen allein im von der Corona-Pandemie geprägten Jahr 2020 sieben Säuglinge hinzu. Die erste Babyklappe in Deutschland, eröffnet vom Verein SterniPark, feierte im vergangenen Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Im Jahr 2020 machte aber vor allem ein Fund in einem Gartenhaus Schlagzeilen.

Bundesland:Niedersachsen
Hauptstadt:Hannover
Einwohnerzahl:7.993.608 (31. Dezember 2019)
Regierungschef:Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)

Seit Bestehen der Babyklappen sind damit 84 Kinder darin abgelegt worden. Die ersten vier Körbchen waren 2001 in Hannover, Braunschweig, Osnabrück und Nordhorn entstanden, nachdem ein Jahr zuvor die bundesweit erste Einrichtung dieser Art in Hamburg vom freien Träger SterniPark eröffnet worden war. Die Einrichtung des Projekts Findelbaby und die Babyklappe waren mitunter eine Reaktion darauf, dass in Hamburg 1999 ein totes Baby in der Sortieranlage einer Müllverbrennungsanlage gefunden worden war.

Babykörbchen sollen Kinder retten, sind aber nicht unumstritten

Die geschaffenen Babykörbchen befinden sich nun oft auf einem Krankenhausgelände. Wird ein Kind in eines der Bettchen gelegt, werden über ein Signal Ärzte und Hebammen alarmiert. Innerhalb weniger Minuten wird sich um das Kind gekümmert und später nach möglichen Adoptiveltern gesucht. Ein fünftes Wärmebettchen entstand in Niedersachsen 2010 in Rotenburg (Wümme), und das einzige Babykörbchen in Bremen gibt es seit 2002 im St. Joseph-Stift.

Die ersten vier Körbchen waren 2001 in Hannover, Braunschweig, Osnabrück und Nordhorn entstanden, nachdem ein Jahr zuvor die bundesweit erste Einrichtung dieser Art in Hamburg vom freien Träger SterniPark eröffnet worden war.

Das Angebot soll verzweifelten Eltern helfen und vor allem die Kinder retten. Unumstritten sich die Babykörbchen aber nicht. Sozialministerin Carola Reimann (SPD) betonte schon mehrmals, dass die Körbchen nur eine Notlösung sein können. „Niedersachsen bietet ein vielfältiges und flächendeckend aufgestelltes Beratungs- und Hilfsangebot für Mütter in Not“, betonte sie nun erneut. Seit 2014 ermöglicht ein Gesetz vertrauliche Geburten, bei denen werdende Mütter Schutz und medizinische Betreuung erhalten sowie Anonymität gewährleistet ist. Vertraulich geborene Kinder können dann ab dem 16. Lebensjahr ihre Herkunft erfragen.

Das „Projekt Findelbaby“ und seine drei Bausteine, um Schwangeren und Eltern zu helfen

Noch bevor die Babyklappe in Hamburg eingerichtet wurde, rief der Verein SterniPark das „Projekt Findelbaby“ ins Leben. Die Babyklappe ist einer der drei zugehörigen Bausteine. Auf der Website informiert der Verein über das Projekt und, welche Möglichkeiten Eltern in einer Notsituation haben. Die Babyklappe bietet die Möglichkeit, ein Neugeborenes abzugeben. Durch eine Klappe oder Tür an der jeweiligen Einrichtung kann das Kind anonym in ein dahinter eingerichtetes Wärmebett gelegt werden. Die Klappe kann, nachdem sie geschlossen wurde, von außen nicht wieder geöffnet werden. Mit Nutzung der Klappe wird durch einen Alarm das Personal informiert und damit dafür gesorgt, dass der Säugling versorgt wird.

Das Projekt Findelbaby gibt online zudem den Hinweis, dass Mütter innerhalb von acht Wochen jederzeit die Möglichkeit haben, über die bundesweit geschaltete Telefonnummer 0800 456 0 789, mit dem Projekt Findelbaby aufzunehmen und ihr Baby zurückzuholen. Nach diesen acht Wochen werde Kontakt mit dem Vormundschaftsgericht aufgenommen, um so den Weg zur Adoption vorzubereiten, Bis es soweit ist, bleiben die Säuglinge in einer Pflegefamilie.

Über die kostenlose und rund um die Uhr aktive Notfallnummer erhalten Schwangere und Frauen, die bereits entbunden haben, aber auch Beratung. Sie erhalten Informationen zu weiteren Hilfsangeboten des Projekts oder sie können eine Übernahme eines Säuglings vereinbaren. Diese könne ebenfalls anonym erfolgen, aber ohne die Inanspruchnahme der Babyklappe.

Der dritte Baustein des Projekts Findelbaby ist eine „anonyme Betreuung von Schwangeren vor der Geburt, ihrer Begleitung zur Anonymen Geburt im Krankenhaus und Nachbetreuung von Mutter und Kind“, wie der Verein auf seiner Homepage informiert. SterniPark bietet dieses Angebot in Satrupholm (Schleswig-Holstein) und Hamburg. Die Frauen können dort wohnen und ihr Kind wird nach der Geburt von Pflegeeltern betreut. Die Mutter könne sich so weiterhin für ein Leben mit dem Kind entscheiden.

Fund eines Neugeborenen in einem Gartenhaus machte Schlagzeilen

In Niedersachsen machte im Mai die Entdeckung eines neugeborenen Babys in einem Gartenhaus in Wolfenbüttel Schlagzeilen. Nachdem Anwohner das Baby entdeckt hatten, kam das unterkühlte Kind in ein Krankenhaus und wurde später in einer Pflegefamilie untergebracht. Obwohl Aufnahmen einer privaten Überwachungskamera in der Nacht zuvor eine etwa 1,75 Meter große augenscheinlich weibliche Person mit einem Bündel im Arm zeigen, konnten bislang weder Mutter noch Vater des Jungen ermittelt werden.

Das Angebot soll verzweifelten Eltern helfen und vor allem die Kinder retten. Das Babykörbchen ist jedoch nicht unumstritten.

„An dem Stand hat sich bis Jahresende leider nichts geändert“, sagte ein Polizeisprecher aus Wolfenbüttel. Die Veröffentlichung des Videos habe fast keine Bewegung in die Suche gebracht und keinerlei Hinweise geben. Die Ermittlungsmöglichkeiten seien auch weitgehend ausgeschöpft. Allerdings konnte laut den Ermittlern DNA der Eltern gesichert werden, so dass darüber noch Erfolgsmöglichkeiten bestehen. Mit Material der dpa.

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