Interview mit Autorin Laura Pape

„Heidi Klum sollte über Essstörungen aufklären“

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Zur Person: Laura Pape (20) hatte schon als Kind Spaß am Schreiben. Während ihrer Magersucht las die Schülerin aus Garbsen bei Hannover viele Bücher über Essstörungen und ärgerte sich über das meist negative Ende. Ihr eigenes im Oktober 2013 erschienenes Buch „Lebenshungrig“ soll Betroffenen Mut machen. Für die 20-Jährige ist die Waage kein Thema mehr. Derzeit macht sie eine Ausbildung im Medienbereich.

Hannover - Ein bisschen Obst oder eine Handvoll Cornflakes am Tag - mehr hat Laura Pape in der Magersucht nicht gegessen. Rund ein Jahr lang - davon sechs Monate in einer Klinik - benötigte die heute 20-Jährige, um die Krankheit zu überwinden.

Im dpa-Interview erklärt die junge Frau, welche fatale Rolle bei ihr Diäten spielten und warum sie in einer Online-Petition gegen Heidi Klum und die ProSieben-Castingshow „Germany's next Topmodel“ mobil gemacht hat.

„Germany's next Topmodel“ ist doch harmlose Unterhaltung. Was haben Sie eigentlich gegen die Sendung? 

Laura Pape: Ich sage nicht, dass Heidi Klum Mädchen in die Magersucht treibt. Das hat immer tiefere psychische Ursachen. Aber wenn man schon vorgeschädigt ist und abnehmen will, kann die Sendung einen da weiter reinreißen. Da sieht man Mädchen, die den ganzen Tag auf ihre Ernährung achten, immer wieder Sport treiben und alle perfekt sind. Meine Petition ist aber keine zur Abschaffung von „Germany's next Topmodel.“ Mir geht es darum, dass Heidi Klum in der Sendung zumindest ein bisschen in Richtung Essstörungen aufklärt.

Sie sind mit 17 Jahren an Magersucht erkrankt und haben sich innerhalb von fünf Monaten von 68 auf 47 Kilogramm runtergehungert. Hatten Sie auch Models als Vorbild? 

Pape: Nein, bei mir waren Diäten schlimm. Schon in der fünften Klasse habe ich die erste gemacht, weil meine Mitschülerinnen immer etwas schlanker waren als ich. Nach ein, zwei Wochen gesunder Ernährung kam die Lust auf Schokolade und der Jojo-Effekt.

In Ihrem Buch „Lebenshungrig“ beschreiben Sie unter anderem, welche Diäten Sie ausprobiert haben. Was halten Sie vom Internationalen Anti-Diät-Tag? 

Pape: Ich finde es beispielsweise gut, wenn Frauenzeitschriften auch normalgewichtige Models zeigen - und zwar nicht nur einmal im Jahr am Anti-Diät-Tag.

Werden Sie persönlich jemals wieder eine Diät machen? 

Pape: Ich denke nicht. Für mich war es das Schwerste, vom ständigen Kalorienzählen loszukommen. In der Sucht hat man ein Hochgefühl, wenn man auf der Waage steht und sie zeigt weniger an. Alles artet in einen Kontrollzwang aus. Selbst in der Schule habe ich Kalorien gerechnet und überlegt, was ich als nächstes für eine Diät machen soll. Das krasseste war die Regenbogen-Diät, da isst man Obst und Gemüse von derselben Farbe, etwa morgens und mittags einen halben grünen Apfel und abends eine Gurke.

Ihre im Februar gestartete Petition zu „Germany's next Topmodel“ haben mehr als 16.00 Menschen unterschrieben. Hat ProSieben inzwischen reagiert? 

Pape: Tatsächlich hat ProSieben jetzt auf der Internet-Seite einen Hinweis eingebaut. In dem Info-Kasten „Sieben Tipps für Deine Modelkarriere“ gibt es einen Link zu einer Seite vom Bundesgesundheitsministerium, die über Essstörungen aufklärt. Der Hinweis ist zwar versteckt, aber immerhin ist er da.

Wie hat es auf Sie gewirkt, dass Heidi Klum schon vor dem Auftakt dieser Staffel Medienberichten zufolge zwei besonders magere Kandidatinnen aus der Show geworfen hat? 

Pape: Ich fand das ein bisschen widersprüchlich. Denn es waren und sind immer noch dünne Kandidatinnen dabei. Und wenn ein Mädchen mit einem Schokoriegel entdeckt wird, wird auf ihm rumgehackt. dpa

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