Corona-Pandemie

Halbleiter-Krise kann sich ziehen – Autozulieferer schlagen Alarm

Die Halbleiter-Krise trifft die Autobranche immer heftiger – auch Zulieferer spüren das. Continental schlägt bereits Alarm. Doch es drängen noch andere Fragen.

Hannover – Ohne Mikrochips geht bei den Autobauern hierzulande nichts. Das ist nun aufgrund der Corona-Pandemie schon seit einigen Monaten so. Inzwischen musste beispielsweise Mercedes-Benz in seinem Bremer Werk Kurzarbeit anmelden; hunderte Leiharbeiter stehen somit mitten in der Corona-Pandemie drei Monate vor Weihnachten auf der Straße. Weltweit haben die Autobauer Probleme und befürchten Umsatzeinbrüche in Billionenhöhe*, da globale Lieferketten nicht mehr eingehalten werden können. Opel hat inzwischen sein Werk in Eisenach bis Jahresende stillgelegt*.

Unternehmen:Continental AG
Sitz:Hannover
Leitung:Nikolai Setzer (Vorstandsvorsitzender)
Branche:Automobilzulieferer
Mitarbeiter:236.386 (Stand: 31. Dezember 2020)
Umsatz:37,722 Milliarden Euro (Geschäftsjahr: 2020)

Doch nicht nur die Autobauer direkt sind betroffen, auch die Zulieferer der Automobilbranche drohen unter der Halbleiter-Krise zusammenzubrechen. Continental-Chef Nikolai Setzer gibt vorerst keine Entwarnung: „Wir sehen, dass sich diese Effekte wohl noch weiter bis in das Jahr 2022 ziehen werden“, sagte er den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX. „Viele Marktbeobachter gehen davon aus, dass erst ab 2023, wenn höhere Kapazitäten bei den Chipherstellern verfügbar sind, eine deutliche Besserung eintritt.“

Halbleiter-Krise bei Automobilzulieferer: Continental setzt Taskforce zur Lieferabsicherung ein

Um die Bedürfnisse der Kunden trotzdem bestmöglich bedienen zu können, hat Continental ein eigenes Team dafür gegründet, das sich um das Ausbügeln der ärgsten Lieferengpässe kümmert. „Die Kolleginnen und Kollegen sorgen fortlaufend dafür, dass wir mit den uns verfügbaren Halbleitern den Kundenbedarf bestmöglich bedienen“, unterstrich Setzer. Von einer neuen Koalition im Bund erhoffe man sich Verlässlichkeit in der Energie-, Handels- und Arbeitsmarktpolitik.

Fehlende Halbleiter sind derzeit das größte Problem der Autobranche. Einen Teil der Schuld haben sich die Firmen selbst zuzuschreiben, weil sie im Corona-Tief 2020 vorschnell Verträge storniert hatten. So können im VW-Stammwerk Wolfsburg aktuell 130.000 bestellte Fahrzeuge nicht gebaut werden* und auch BMW warnt vor weiteren Folgen des Chipmangels.

Auch der Autobauer Volkswagen aus Niedersachsen hat in der Halbleiter-Krise mit Engpässen zu kämpfen. Derzeit können 130.000 Autos nicht fertig gebaut werden. (Archivbild)

Doch auch die Verschiebung der Arbeitswelt ins Homeoffice, und die damit einhergehende hohe Nachfrage aus IT und Unterhaltungselektronik für entsprechende Geräte, sorgen für Probleme. Weiter sorgen Ausfälle der Chiphersteller und die neuen Pandemie-Shutdowns in Asien für entsprechende Lieferausfälle.

Automobilzulieferer kämpfen mit Halbleiter-Krise: Rasche Entspannung auf Weltmarkt wird nicht erwartet

„All diese Effekte sorgen dafür, dass die Versorgung mit Halbleiterprodukten sehr knapp ist“, erklärte Setzer. „Gleichzeitig wächst bei Automobil-Komponenten der Wertanteil von Elektronik im Fahrzeug – durch die Elektrifizierung, das assistierte Fahren, die steigende Vernetzung.“

Eine rasche Entspannung erwartet Dax-Konzern Continental nicht. „Aber es hängt natürlich auch davon ab, wie sich die anderen Industrien neben der Automobilbranche entwickeln“, sagte Setzer. Damit die Produktion bei den Kunden am Laufen gehalten wird, beschäftigt sich die eingesetzte Taskforce jeden Tag damit, die noch erhältlichen Chipmengen in der Lieferung abzusichern. Setzer: „Es geht jetzt darum, wie wir die Lieferungen, soweit es denn eben geht, aufrechterhalten.“ Es gebe sichtlich zu wenige Chips, um den Markt derzeit zu sättigen.

Automobilzulieferer kämpfen mit Halbleiter-Krise: Branchenexperten korrigieren Prognosen nach unten

Branchenexperten hatten ihre Prognosen für das globale Autogeschäft in diesem Jahr teils stark nach unten korrigiert. „Bezogen auf den Engpass bei Halbleitern fahren wir auf Sicht und prüfen fortlaufend, wie wir bestmöglich durch diese Situation durchsteuern“, meinte der Conti-Chef. „So eine Dynamik haben wir noch nicht erlebt.“

Mit Blick auf die Berliner Regierungssondierungen sagte Setzer, ein neues Kabinett müsse stabile Fahrpläne für Kernthemen wie Klimaschutz und Energieversorgung haben. „Wir sind natürlich gerade bei den Gummi- und Kautschuk-Produkten in der Produktion relativ energieintensiv.“ Für Nachhaltigkeit tue man viel.

„Aber realistischerweise werden wir nach wie vor viel Energie benötigen. Da brauchen wir verlässliche Programme, auf die wir uns einstellen können.“ Die Weiterentwicklung des Arbeitsmarkts sei ebenfalls „ein ganz wichtiges Thema“. * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jan Woitas/dpa

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