„Auch eine Art allgemeine Lebenshilfe“

Aussteigerprogramm für Islamisten ist vielversprechend angelaufen

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Stand des niedersächsischen Verfassungsschutzes auf einer Expertentagung in Hannover

Hannover - Das im Herbst gestartete Aussteigerprogramm des Verfassungsschutzes für Islamisten in Niedersachsen ist gut angelaufen. „Das ist sehr vielversprechend, viele öffnen sich“, sagte Verfassungsschutzpräsidentin Maren Brandenburger.

Es gebe bereits elf Beratungsfälle. Obwohl ausstiegswillige Islamisten sich selbst an den Verfassungsschutz wenden können, spricht die Behörde Islamisten auch selber an, um sie zum Ausstieg aus der radikalen Szene zu bewegen.

Alltagsprobleme als Auslöser

„Wir bewegen uns im Internet und steigen über Facebook in Diskussionen ein“, sagte Brandenburger. „Wir docken auf der Seite der Salafisten an und schicken denen einfach unser Aussteigerprogramm.“

Gezeigt hat sich bereits, dass vielfältige Probleme Auslöser dafür sein können, dass junge Leute in radikale Kreise geraten. Eine allgemeine Lebenskrise, eine Sinnsuche, Bildungsprobleme oder schulische Defizite machten junge „Das sind häufig ganz normale Alltagsprobleme.“ Auch hätten die Kinder von Einwanderern Probleme mit ihrer Mehrfachidentität, der Zugehörigkeitsfrage zu Deutschland oder dem oft kaum bekannten Herkunftsland.

Das Elternhaus ist nur selten im Islamismus verwurzelt

Häufig gebe es keine religiösen Hintergründe im Elternhaus, sagte Brandenburger zur islamischen Verwurzelung junger Salafisten. Das Aussteigerprogramm nehme vielfältige Probleme der jungen Leute in den Blick. „Das ist auch eine Art allgemeine Lebenshilfe“, sagte Brandenburger. „Wichtig ist die sozial-psychologische Komponente.“ Entsprechend sorgsam sei die Personalauswahl der Behörde für das Aussteigerprogramm.

Jeweils ein Zweierteam, bestehend aus einem Mann und einer Frau, einem Polizeibeamten und einer Pädagogin, kümmerten sich um die jungen Menschen. Neben dem eigentlichen Ausstieg aus der Salafistenszene geht es auch um praktische Dinge wie die Suche nach Ausbildung oder Arbeit oder den Umgang mit Alkohol, Drogen oder finanziellen Problemen. Das Aussteiger-Programm ist an die seit Jahren erfolgreiche „Aktion Neustart“ der Verfassungsschutzes zum Ausstieg von Rechtsextremisten angegliedert.

Ausstiegswilligen wird Sicherheit zugesagt

Das Programm soll auch eine Ergänzung der Präventionsstelle gegen islamistische Radikalisierung sein, die das Sozialministerium eingerichtet hat. Dort liegt der Fokus auf der Beratung von Angehörigen und anderen Personen aus dem Umfeld von Menschen, die sich schon radikalisiert haben. Beim Aussteigerprogramm hilft ein Expertenteam Ausstiegswilligen dabei, islamistische Gedankenmuster abzulegen.

Während des absolut vertraulichen Ausstiegsprozesses bleibe die persönliche Sicherheit der Betroffenen gewahrt. Als gelungen wird ein Ausstieg gesehen, wenn der Betroffene sich von seinen extremistischen Ansichten löst, sein persönliches Umfeld verändert und sich der westlichen Werteordnung zuwendet.

dpa

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