Ausbau oder doch Neubau:

„Kleine Lösung“ bei Y-Trasse: Dialogforum stimmt für Alpha-Variante

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Anwohner protestieren gegen die geplante Y-Bahntrasse.

Celle - Von Michael Evers. Es war ein Tauziehen um regionale Interessen: Das Dialogforum zur Y-Trasse hat mehrheitlich für die Alpha-Variante gestimmt. Hamburg hat mit dem Ruf nach einer neuen Trasse zum Hafen nur wenig Unterstützer gefunden. Aber kommt man am Ende ohne neue Gleise aus?

Viele der in der Celler Kongresshalle auf eine riesige Leinwand projizierten Bahntrassen sind in roter Farbe unterlegt. Ein Gutachter im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erläutert den rund 90 Vertretern norddeutscher Kommunen und Bürgerinitiativen am Freitag, was dies bedeutet: Auch bei einem Ausbau der bestehenden Bahnstrecken zwischen Hannover, Bremen und Hamburg kommt es auf den roten Abschnitten in Zukunft weiter zu einer Überlastung im Güterverkehr.

Dennoch stimmt das Dialogforum zwei Stunden später mehrheitlich für die von manchem als „kleine Lösung“ bezeichnete sogenannte Alpha-Variante, die genau diesen unzureichenden Ausbau vorsieht. Der Ruf der Stadt Hamburg nach einer zusätzlichen Neubaustrecke entlang der A7 Richtung Hannover, einer späteren „großen Lösung“, wird überstimmt, soll aber in einem Abschlussdokument aufgenommen werden.

Bei der seit nunmehr über 20 Jahren geführten Diskussion, ob eine Neubaustrecke oder die Ertüchtigung bestehender Linien hilft, den Verkehrszuwachs im Norden zu bewältigen, hatten viele sich schon vor einiger Zeit auf die Alpha-Variante eingeschossen: Statt der ursprünglich lange geplanten neuen Trasse quer durch die Lüneburger Heide, die Anwohner und damit auch Wählervolk auf die Barrikaden brachte, soll der Ausbau der bestehenden Strecken und das Verlegen von Zügen auf andere Routen reichen, das vorhergesagte Plus an Güterzügen aus den Seehäfen zu bewältigen. Selbst die Deutsche Bahn, lange eiserner Verfechter einer Neubaustrecke, war am Ende von der Alpha-Lösung überzeugt.

Zwar hat die Ausbaulösung nun eine Mehrheit gefunden, ob sie wirklich gelingen kann, darüber waren sich der Norddeutschland-Chef der Deutschen Bahn, Ulrich Bischoping, und der Gutachter des Bundesverkehrsministerium am Freitag in Celle uneins. Während sich die niedersächsischen Regionalvertreter nach dem Votum freuten, eine Neubauvariante abgebügelt zu haben, gegen die sich in den Landstrichen Widerstand formiert hatte, schmiedeten Befürworter der Hamburger Interessen noch im Versammlungssaal Pläne für ein Alternativ-Papier, das die Belange der Hafenwirtschaft nach Berlin tragen soll.

Das um eine Schlichtung des jahrelangen Streits um die Y-Trasse bemühte niedersächsische Verkehrsministerium hatte das Forum ins Leben gerufen und dabei auch klargemacht: Das Gremium kann zwar eine Empfehlung formulieren, Land, Bund und Bahn werden ihr auch Gewicht einräumen - die Entscheidung aber, was am Ende wirklich gebaut wird, trifft der Bund. Die in Celle vorgelegte Studie des Bundesverkehrsministeriums, die in Teilen eine andere Sprache spricht als das Dialogforum, wird dabei auch berücksichtigt werden.

Denn wie dringend die Kapazitäten auf der Schiene benötigt werden, ist schon heute deutlich: Die Überlastung des norddeutschen Bahnnetzes ist bereits jetzt so groß, das täglich 20 von Transportunternehmen erwünschte Güterzüge nicht fahren können, weil die Kapazität fehlt. Durch die Verlagerung auf die Straße führt dies zu 200 000 zusätzlichen Lkw-Fahrten.

dpa

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