Booster-Impfung

Corona-Auffrischungs-Impfung: Diese Menschen können sich einen Termin holen

Der Schriftzug „Impfung - Vaccination“ ist im Impfzentrum auf dem Messegelände auf einem Plakat zu lesen.
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Die Ständige Impfkommission hat ihre Empfehlung zur Auffrischungsimpfung ausgeweitet. Sie richtet sich nun an Menschen ab 70 Jahre, Pflege- und medizinisches Personal sowie Empfänger des Johnson & Johnson-Impfstoffs.

Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) begrüßt die Entscheidung der Ständigen Impfkommission die Empfehlung zur Auffrischungsimpfung auszuweiten.

Hannover - In Niedersachsen haben mit dem Oktober auch die Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus begonnen. Wie bereits bei den ersten Impfungen werden diese zunächst Menschen mit reduzierter Immunantwort angeboten, also hauptsächlich älteren Personen. Ende der vergangenen Woche erweiterte die Ständige Impfkommission (STIKO) ihre Empfehlung nun stark. Sie richtet sich nun an Menschen ab 70 Jahre, Pflege- sowie medizinisches Personal. Empfängern des Johnson & Johnson Impfstoffs wird ebenfalls die sogenannte „Booster“-Impfung empfohlen.

Organisation:Weltgesundheitsorganisation
Kürzel:WHO, OMS, ВОЗ
Gegründet:7. April 1948
Leitung:Tedros Adhanom Ghebreyesus, Äthiopien
Oberorganisation:UNO Vereinte Nationen

Die Impfzentren sind seit Ende September auch in Niedersachsen geschlossen*. Auffrischungsimpfungen gibt es demnach zum einen über mobile Impfteams, die in die Alten- und Pflegeheime geschickt werden und zum anderen erfolgen sie für andere ältere Menschen in den Praxen niedergelassener Ärzte*. In ganz Deutschland haben bereits mehr als eine Million Menschen den Booster bekommen. Den Wert gab das Robert Koch-Institut (RKI) am Montag mit 1.021.344 an. Die erweiterten Empfehlungen der Stiko gehen nun für eine Stellungnahme in Fachgremien und an die Bundesländer, so dass es noch Änderungen geben kann. Bisher gab es eine Empfehlung für eine Auffrischimpfung allein für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. 

Bundesgesundheitsminister Spahn ruft zur Grippeimpfung auf - Kombination mit Corona-Vakzin möglich

Neben der erweiterten Empfehlung hat sich die Stiko bereits im September für eine Kombination aus Corona- und Grippeimpfung ausgesprochen. Beide können an einem gemeinsamen Termin erfolgen. Geraten wurde damals zu einem Zeitpunkt ab Oktober. Voraussetzung sei, dass es sich beim Influenza-Vakzin um einen Totimpfstoff handele, teilte die Stiko mit. Totimpfstoffe enthalten inaktivierte Viren oder Bestandteile der Viren. Bei den in Deutschland zugelassenen Influenza-Impfstoffen für Kinder und Erwachsene handelt es sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts meist um Totimpfstoffe.

Bitte lassen Sie sich gegen Grippe impfen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

Zwischen Covid-19-Impfungen und auch allen anderen Totimpfstoffen muss damit nicht mehr zwingend ein Impfabstand eingehalten werden. Voraussetzung sei, dass eine Indikation zur Impfung sowohl gegen Covid-19 als auch andere Erkrankungen bestehe, hieß es. Parallel-Impfungen sollten aber nicht in denselben Oberarm erfolgen, sondern verteilt auf unterschiedliche Gliedmaßen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Menschen in Deutschland in der vergangenen Woche dazu aufgerufen, sich in diesem Herbst besonders zahlreich gegen Grippe impfen zu lassen. Weil es in Deutschland im vergangenen Jahr infolge des teilweisen Lockdowns so gut wie keine Grippe gegeben hatte, sei das Risiko einer Grippewelle in diesem Jahr umso höher, sagte er in Berlin. „Bitte lassen Sie sich gegen Grippe impfen“, sagte der Minister. „Genug Grippeimpfstoff ist vorhanden.“

Niedersachsens Gesundheitsministerin begrüßt Stiko-Empfehlung zur Booster-Impfung

Daniela Behrens, Niedersachsens Gesundheitsministerin (SPD), begrüßte die Empfehlung der Stiko zur Booster-Impfung und sprach sich dafür aus, dass sich diejenigen, für die sie derzeit infrage kommt, um einen Termin bemühen. Insbesondere im Ausblick auf den Herbst und Winter, also die kalten und nassen Jahreszeiten, sei eine solche Impfung sinnvoll. Das Ansteckungsrisiko werde dadurch weiter gesenkt, wie sie am Montag in einer Videokonferenz der Gesundheitsminister der Länder und des Bundes erklärte. „Dabei besteht kein Grund zur Panik.“

Viele niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in Niedersachsen haben auf eine entsprechende Empfehlung gewartet.

Daniela Behrens, Niedersachsens Gesundheitsministerin (SPD)

Auch ohne eine weitere Impfung schütze eine abgeschlossene Impfserie aus zwei Impfungen sehr zuverlässig vor schweren Krankheitsverläufen, so die Erkenntnisse von Experten, wie die Ministerin betonte. Die letzte Impfung derjenigen, die sich nun für eine Booster-Impfung melden sollen, müsse mehr als sechs Monate zurückliegen. „Viele niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in Niedersachsen haben auf eine entsprechende Empfehlung gewartet“, sagte Behrens.

In der aktuellen Pressekonferenz des niedersächsischen Corona_Krisenstabs erklärte Leiter Heiger Scholz zudem, dass auch die Auffrischungsimpfungen kostenlos sind und sein werden. Die Empfehlung der Stiko gelte derzeit für alle, die älter als 70 Jahre sind und deren zweite Impfung länger als sechs Monate zurückliegt. Vollständig geimpft seien in Niedersachsen derzeit 67,3 Prozent der Bevölkerung.

EMA empfiehlt Booster-Impfung frühzeitig für Menschen mit geschwächtem Immunsystem

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hatte bereits zu Beginn der vergangenen Woche Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem zu einer Auffrischungsimpfung mit den Impfstoffen von Biontech/Pfizer oder Moderna geraten. Der Entschluss sei nach der Auswertung von Studien gefallen, wie die Behörde in Amsterdam mitteilte. Zudem heißt es, dass es sich gezeigt habe, dass eine dritte Dosis dieser Impfstoffe bei Patienten, die eine Organtransplantation erhalten hatten, die Fähigkeit zur Bildung von Antikörpern gegen das Virus Covid-19 verstärkt. Die EMA empfiehlt, bis zu dieser Booster-Impfung, mindestens 28 Tage nach der zweiten Corona-Impfung zu warten. Eine längere Wartezeit gilt für alle mit einem normal funktionierenden Immunsystem.

Daniela Behrens, Niedersachsens Gesundheitsministerin (SPD), begrüßte die Empfehlung der Stiko und sprach sich dafür aus, dass sich diejenigen, für die der Booster derzeit infrage kommt, um einen Termin bemühen.

Menschen ab 18 Jahren, deren Immunsystem normal arbeitet, sollten frühestens sechs Monate nach Abschluss der ersten Impfserie eine Auffrischungsimpfung in Betracht ziehen. Die EMA stützte sich dabei auf Untersuchungen mit dem Biontech-Impfstoff Comirnaty, die einen Anstieg von Antikörpern bei 18- bis 55-Jährigen zeigten. Die Prüfung entsprechender Studien mit dem Moderna-Impfstoff Spikevax sei noch im Gange. Einen bestimmten zeitlichen Abstand galt es auch bereits zwischen der Erst- und Zweitimpfung einzuhalten*.

Booster-Impfung: Was sie bedeutet und für wen sie derzeit empfohlen ist

Eine Booster-Impfung beinhaltet einfach nur eine weitere Dosis eines Impfstoffs für Menschen, die die ursprüngliche Serie bereits abgeschlossen haben. Die Stiko empfiehlt, unabhängig von dem Vakzin, welches man bislang erhalten hat, die Injektion eines mRNA-Impfstoffs. Durch diese zusätzliche Impfung wird das Immunsystem nochmals gegen Sars-CoV-2 gestärkt. Dass die Empfehlung bisher nur für bestimmte Gruppen ausgesprochen wurde, hat bestimmte Gründe. Im Fall der Menschen, die älter als 70 Jahre sind, ist die Auffrischung sinnvoll, da ihre Immunantwort nach Impfungen grundsätzliche geringer ausfalle und es so häufiger zu Impfdurchbrüchen mit schweren Verläufen könne, heißt es von der Stiko.

Die Impfkommission betont jedoch auch, dass die Altersgrenze variabel ist, wenn zum Beispiel, wie in Pflegeeinrichtungen, ein erhöhtes Ausbruchsrisiko besteht. Der Booster ist zudem seit September für Senioren bereits von seiten der Politik freigegeben.

Eine Ansteckung in Pflegeeinrichtungen kann häufig erfolgen, wenn das Virus von außen hereingetragen wird. Betroffen davon sind also neben Besuchern vor allem auch das Pflegepersonal. Für beide Gruppen gibt es neben Impfangeboten auch aktuelle Testmöglichkeiten. Der neue Rat zur Auffrischimpfung gilt nun speziell für das Pflegepersonal in ambulanten und stationären Einrichtungen für Ältere und andere Covid-Risikogruppen. 

Für Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung Patientenschutz, ist dieser Ratschlag allerdings „meilenweit von der Realität entfernt“. Oftmals sei bisher, wie eine Studie aus Niedersachsen belege, erst rund die Hälfte des Pflegepersonals überhaupt gegen Covid-19 geimpft, sagte Brysch am vergangenen Donnerstag. Er wünsche sich weitaus größeren Zuspruch zum Schutz der Bewohner und auch des Personals.

Eine dritte Impfung, die sogenannte Booster-Impfung, beinhaltet einfach nur eine weitere Dosis eines Impfstoffs für Menschen, die die ursprüngliche Serie bereits abgeschlossen haben.

Medizinisches Personal habe hingegen in weitaus größerem Umfang das Angebot der Impfung genutzt, wie aus einer RKI-Befragung von Kreankenhauspersonal hervorgeht. Demnach seien im Sommer nur noch fünf Prozent ohne Grundimmunisierung.  

Das kann auch daran liegen, dass viele Ärzte, Ärztinnen und das Pflegepersonal in Kliniken das Leiden von Corona-Patienten unmittelbar miterleben und sich auch selbst schützen wollen. Medizinischem Personal mit direktem Patientenkontakt empfiehlt die Stiko nun auch einen Booster. Die niedersächsische Regierungssprecherin Anke Pörksen erklärte in der Corona-Krisenstabs-Pressekonferenz der vergangenen Woche* ebenfalls, dass es eine besonders hohe Impfquote in den Ländern gebe, in denen während der Pandemie besonders viele Menschen schwer erkrankt oder gestorben sind.

Johnson & Johnson-Wirkung laut Stiko gegen Delta-Variante ungenügend

Neben einer altersbedingten Empfehlung, wird auch Empfängern des Johnson & Johnson-Impfstoffs geraten, das Angebot in Anspruch zu nehmen. Es gebe einen deutlich höheren Anteil von Durchbruchinfektionen bei den Jüngeren, die nur einmal damit geimpft worden seien, sagte Stiko-Leiter Thomas Mertens am Mittwoch in Berlin. Jüngere hätten den Einmalimpfstoff teils gewählt, um schnell einen ausreichenden Schutz für die Ferien zu haben. Zudem nutzten ihn häufig mobile Impfteams, um schwer erreichbare Gruppen wie Wohnungslose zu immunisieren.

Eine Auffrischungs-Impfung soll den Schutz gegen Corona deutlich erhöhen. Die Empfehlung betrifft auch Menschen, die mit dem Johnson & Johnson-Vakzin geimpft wurden.

Die Wirksamkeit gegen die hierzulande nun vollständig dominierende Delta-Variante sei im Unterschied zu den anderen Corona-Impfstoffen aber vergleichsweise gering, schränkt die Stiko ein - sie spricht letztlich von ungenügendem Impfschutz. Zur Optimierung des Impfschutzes empfiehlt die Impfkommission daher für die Booster-Impfung die Gabe eines mRNA-Impfstoffs ab vier Wochen nach der Einmalimpfung.

Booster-Impfung in reichen Ländern umstritten - viele Ungeimpfte in ärmeren Ländern

Für den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach sind die Stiko-Ratschläge richtig und sinnvoll. „Mit dieser Strategie lassen sich zahlreiche Durchbruchinfektionen im Winter vermeiden, auch die Inzidenz wird gesenkt“, twitterte er am Donnerstag. Generell sind die Auffrischimpfungen in reichen Ländern nicht unumstritten, etwa weil in ärmeren Ländern viele Menschen noch nicht einmal mit einer ersten Dosis Schutz vor dem Virus haben.

Mit dieser Strategie lassen sich zahlreiche Durchbruchinfektionen im Winter vermeiden, auch die Inzidenz wird gesenkt.

SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach

Ein internationales Expertengremium des unabhängigen Beirats für Immunisierungsfragen (SAGE) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die Auffrischungsimpfung ebenfalls. Allerdings betont das Team, dass die Empfehlung nicht auf die gesamte Bevölkerung bezogen ist. Die Weltgesundheitsorganisation hat Regierungen, die über viel Impfstoff verfügen vielmehr dazu aufgerufen, von solchen Angeboten abzusehen. Sie sollten ihre Dosen stattdessen an Länder abgeben, die bislang noch nicht genügend Impfstoff haben, um die Bedürftigsten zu schützen.

In rund 50 Ländern vor allen in Afrika sind weniger als zehn Prozent der Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Es werde inzwischen genügend Impfstoff produziert, damit bis Ende des Jahres 40 Prozent der Menschen in allen Ländern der Welt geimpft werden können. Problem sei die ungleiche Verteilung. Das müsse dringend gelöst werden. Mit Material der dpa. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde nach der Pressekonferenz des niedersächsischen Corona-Krisenstabs am 12. Oktober 2021, um 13.41 Uhr, aktualisiert.

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