Wenzel: „Maßnahmen veranlassen, wenn sie notwendig sind.“

Auffälliger Wolf in der Region Heide unter Beobachtung

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Symbolbild

Hannover - Knapp ein Jahr nach dem Abschuss des auffälligen Wolfs MT6 („Kurti“) erwägt die Landesregierung die Tötung eines weiteren Tiers.

„Aktuell prüfen wir einen Fall in der Region Heide, und wir werden solche Maßnahmen veranlassen, wenn sie notwendig sind“, sagte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) am Freitag im Landtag. Den genauen Ort nannte er nicht.

Derzeit werden Informationen gesammelt

Ein Sprecher des Ministeriums sagte, dass Tier sei in der Nähe der ehemaligen britischen Truppenübungsplätze im Landkreis Heidekreis gesichtet worden. Im vergangenen April hatte Niedersachsen als erstes Bundesland einen auffälligen Wolf abgeschossen. Das auch Kurti genannte Tier aus dem Munsteraner Rudel hatte sich im Heidekreis mehrfach Menschen bis auf wenige Meter genähert.

Über den neuen Fall sagte Wenzel, derzeit sammele man noch Informationen über das Verhalten des Wolfs. Diese würden dann der Bundesberatungsstelle vorgelegt. Sollten die Fachleute zu dem Urteil gelangen, dass der Wolf auffällig sei, müsse geprüft werden, ob man ihn vergrämen oder in ein Gehege bringen könne. „Es kann auch sein, dass man am Ende sagt, man muss das Tier erschießen“, sagte Wenzel.

FDP: Wolf sollte in Jagdrecht aufgenommen werden

Der Fall Kurti hatte die Debatte um den Umgang mit der Wolfspopulation in Niedersachsen weiter angefacht. Derzeit gibt es hier etwa 80 Wölfe. Vor allem Halter von Schafen und Ziegen in der Heide, im Raum Diepholz und rund um Cuxhaven fürchten den Wolf, weil er Weidetiere tötet.

Nach Angaben des Umweltministeriums gab es 2016 68 eindeutig dem Wolf zugeordnete Fälle mit insgesamt 175 getöteten Tieren, vor allem Schafe, aber auch Rinder. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein leichter Anstieg. Der Umweltminister ist überzeugt, dass die Prävention mit wolfssicheren Zäunen funktioniert. Die Opposition sieht das anders. So fordert die FDP-Fraktion in einem Antrag, den Wolf ins niedersächsische Jagdrecht aufzunehmen. „Vielleicht entdeckt der Wolf die Scheu vor dem Menschen neu, die er jetzt nicht haben kann, weil vom Menschen keine Gefahr ausgeht“, sagte der FDP-Abgeordneter Gero Hocker.

Beispiel Sachsen: Jagdverbot

Der Wolf sei eine streng geschützte Art, entgegnete der SPD-Abgeordnete Marcus Bosse und verwies auf das Beispiel Sachsen. Das östliche Bundesland hatte als bislang einziges 2012 den Wolf unter das Landesjagdrecht gestellt - allerdings mit ganzjähriger Schonzeit. Das kommt de facto einem Jagdverbot gleich.

Das Bundesumweltministerium hält die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht von Sachsen für verfassungswidrig. Die FDP fordert außerdem, genau festzulegen, wann ein Wolf als auffällig gelten soll. Dies ist aus Sicht der Liberalen dann gegeben, wenn sich das Tier weniger als 300 Meter von menschlichen Siedlungen aufhält oder wenn es mehr als zweimal Nutztiere reißt, die von wolfssicheren Zäune geschützt sind. Bislang gibt es keine klar definierten Kriterien. Ein einzelnes Tier darf nur getötet werden, wenn von ihm entweder eine Gefahr für den Menschen ausgeht oder wenn ein großer wirtschaftlicher Schaden zu erwarten ist.

dpa

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