Atomkraft: Niedersachsen prüft nur von außen

Hannover - Nach den Atomunfällen in Japan wird es keine direkte Sonderprüfung in den niedersächsischen Reaktoren geben. „Es werden keine Mitarbeiter der Atomaufsicht in die Kraftwerke gehen“, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums am Montag in Hannover.

Allerdings würden die sicherheitstechnischen Standards der Anlagen neu überprüft, dazu zähle auch die Notstromversorgung. Für die Arbeit müsse aber niemand in die Kraftwerke gehen.

Unterdessen hat sich Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister für eine Aussetzung der von der schwarz-gelben Bundesregierung bereits beschlossenen Laufzeitverlängerung für die deutschen Atommeiler ausgesprochen. Dies will auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) am Montagnachmittag bekanntgeben. „Die Ereignisse in Japan haben gezeigt, dass der Begriff des Restrisikos erneut bewertet werden muss“, sagte McAllister. „Die Sicherheit der Menschen hat absolute Priorität“, dazu müsse die Lage in Ruhe analysiert werden.

Am Dienstag will Merkel zudem in Berlin mit den Regierungschefs der Länder, in denen es Atomreaktoren gibt, über das weitere Vorgehen diskutieren. „Der Umstieg in die erneuerbaren Energien ist der richtige Weg“, betonte McAllister.

Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) will sich darüber hinaus noch in dieser Woche mit Vertretern der Betreibergesellschaften von RWE und Eon zusammensetzen und sich über mögliche Lehren und Konsequenzen aus den Unfällen verständigen. Am Morgen hatte Umweltstaatssekretär Stefan Birkner mit Mitarbeitern der Atomaufsicht über die Vorfälle in Japan und das weitere Vorgehen beraten.

„Niedersachsen ist nicht Japan, aber die Ausgangssituation des Betriebs von Atomkraftwerken ist nicht so grundverschieden wie viele Atomlobbyisten uns heute weismachen wollen“, sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel. „Die Gefahr, dass Kühl- und Sicherheitssysteme versagen, bestehe bei allen Atomkraftwerken in Deutschland“, betonte Linken-Atomexperte Kurt Herzog. Besonders anfällig sei das älteste niedersächsische Atomkraftwerk, das AKW Unterweser.

Landesweit wollen sich Gegner der Atomenergie in den nächsten Tagen an Mahnwachen beteiligen. Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) wollte am Abend an einer Mahnwache in der Bremer Innenstadt teilnehmen. (dpa)

Hintergrund: Noch drei aktive AKW in Niedersachsen

In Niedersachsen sind derzeit noch drei Atomkraftwerke am Netz. Dabei handelt es sich um die Meiler Emsland in Lingen, Grohnde in Emmerthal bei Hameln sowie Unterweser in Stadland. Das Kernkraftwerk in Stade wurde 2003 abgeschaltet.

Das älteste der noch im Betrieb befindlichen Atomkraftwerke in Niedersachsen ist das AKW Unterweser, das 1978 ans Netz ging. Es wird vom Energiekonzern E.ON betrieben. 1984 folgte Grohnde - Betreiber ist E.ON gemeinsam mit den Stadtwerken Bielefeld. 1988 ging das Atomkraftwerk Emsland ans Netz, das RWE und E.ON gemeinsam betreiben.

Laut niedersächsischem Umweltministerium sind die Reaktoren auch auf Erdbeben gut vorbereitet. So könne das Atomkraftwerk in Lingen Erschütterungen bis Stärke 7 auf der Richterskala aushalten, die Reaktoren Unterweser und Grohnde seien auf Stärke 6 ausgelegt.

Auch die Stromversorgung in Notfällen sei kein Problem. Jedes Kraftwerk verfüge über vier mit Diesel betriebene Notstromaggregate, die theoretisch bis zu 72 Stunden Strom zur Kühlung liefern könnten. Bei Störungen musse die Energieversorgung zudem nach spätestens zwei Stunden von Notstrombetrieb auf ein Fremdnetz umgeschaltet werden.

Der Atommeiler Stade wurde im November 2003 als bundesweit erstes von damals 19 Kraftwerken vom Netz genommen. Stade war das älteste Atomkraftwerk in Niedersachsen. Es war Mitte 1972 in Betrieb genommen worden. (dpa)

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