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Impfung vorgetäuscht: Arzt aus Niedersachsen soll Kindern Kochsalzlösung gespritzt haben

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Von: Fabian Raddatz

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Impfung beim Kinderarzt
Ein Arzt aus Niedersachsen soll Impfungen bei Kindern nur vorgetäuscht und ihnen Kochsalzlösung gespritzt haben © Fabian Sommer/dpa

Schwere Vorwürfe gegen einen Arzt aus Niedersachsen. Er soll über Monate hinweg Kindern statt Impfungen Kochsalzlösung gespritzt haben. Ein Gericht erließ nun Haftbefehl.

Gifhorn – Gemeinschaftliche Körperverletzung in zehn Fällen, Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse in 31 Fällen sowie Betrug in 32 Fällen: Dafür muss sich ein Arzt aus dem Landkreis Gifhorn im südlichen Niedersachsen nun vor Gericht verantworten. Das Amtsgericht Gifhorn hatte Haftbefehl gegen den 63-Jährigen erlassen.

Besonders schwer auch dieser Vorwurf: Der Facharzt für Allgemeinmedizin soll von Ende April 2020 bis Mitte Mai 2021 in zehn Fällen Kinder und Jugendliche nicht gegen Mumps, Masern und Röteln geimpft, sondern lediglich Kochsalzlösung gespritzt haben. Das soll in Absprache mit den Eltern erfolgt sein, die ebenfalls strafrechtlich verfolgt werden.

Impfung vorgetäuscht: Ein anonymer Hinweis führte zu dem Arzt aus Niedersachsen

Zudem soll er in 31 Fällen eine Impfung gegen Masern in Impfausweisen bescheinigt, tatsächlich aber nicht vorgenommen haben, erklärt die Staatsanwaltschaft Hildesheim in einer Pressemitteilung. Hinzu kommen 32 Fälle, bei denen ärztliche Leistungen für Impfungen bei den jeweiligen Krankenkassen abgerechnet worden seien, doch tatsächlich nie erbracht wurden.

Die Ermittlungsbehörden waren durch einen anonymen Hinweis auf das Geschehen aufmerksam geworden. Im Rahmen einer Durchsuchung konnten umfangreiche Beweismittel sichergestellt werden, die zu dem dringenden Tatverdacht führten. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nicht ausgeschlossen, dass noch weitere, gleich gelagerte Straftaten im Rahmen der noch laufenden Ermittlungen zutage treten könnten, so die Staatsanwaltschaft.

Der Beschuldigte habe sich zum Tatvorwurf bislang nicht geäußert. Ins Gefängnis muss er aber vorerst wohl nicht: Die Richterin hat die Vollstreckung des Haftbefehls ausgesetzt, wenn der Arzt gegen strenge Auflagen einhält.

Arzt aus Niedersachsen soll Kindern Kochsalzlösung gespritzt haben: Weitere Vorfälle in Niedersachsen

Immer wieder kam es in Niedersachsen im Zuge der Corona-Pandemie zu Vorfällen, bei denen Ärzten Corona geleugnet und falsche Informationen zu Impfungen verbreitet haben sollen. Die Ärztekammer Niedersachsen hat deswegen gegen knapp 50 Mediziner ermittelt.

Auch der Impfskandal in Friesland sorgte bundesweit für Schlagzeilen: Dort hatten etwa 10.000 Menschen Kochsalzlösung erhalten, statt eine Corona-Impfung.

Ein Arzt aus Niedersachsen musste hingegen unter Polizeischutz gestellt werden, weil er Todesdrohungen von Impfgegnern erhielt. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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