Archäologen leben sechs Wochen lang wie Menschen vor 7000 Jahren in Niedersachsen

Experimente im Lendenschurz

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Organisator Chris Pallasch (links) beobachtet den norwegischen Flintstein-Spezialist Morten Kutschera bei der Flintstein-Bearbeitung.

Albersdorf - Von Ove Bornholt. Zurück in die Steinzeit: 7000 Jahre nach dem Ende der Ertebølle-Kultur in Norddeutschland leben Experimentalarchäologen für sechs Wochen wie die Menschen in der Steinzeit (das „ø“ wird wie das deutsche „ö“ ausgesprochen). Die Forscher bauen im Steinzeitpark Albersdorf in Dithmarschen (Schleswig-Holstein) Boote, gerben Hirschhäute und kochen steinzeitlich, um Theorien über diese Epoche zu erproben. Zwar gibt es keinen Strom, aber ein paar Freiheiten nehmen sich die Archäologen schon.

So wollte Chris Pallasch, der das Camp organisiert hat, eigentlich mit dem Rauchen aufhören. Aber von seinen Zigarillos kann er sich offenbar nicht trennen. Beim steinzeitlichen Leben mogeln die Archäologen ein wenig, räumt er ein, aber bei den Experimenten versuchen die Wissenschaftler, sich exakt an der Steinzeit zu orientieren.

Fünf von ihnen arbeiten die ganzen sechs Wochen in dem kleinen Camp, das aus einer großen und einer kleinen Hütte an einem kleinen Teich sowie Zelten besteht. Doch es leben immer rund ein Dutzend Wissenschaftler im Camp, die jeweils für ein paar Wochen bleiben – im Sommer ist in vielen Gebieten Grabungssaison, also viel zu tun für Archäologen.

Unter den Camp-Bewohnern sind Experten für Flintstein-Bearbeitung, das Gerben von Häuten, Steinzeit-Botanik und für viele weitere Spezialfelder. Sie kommen aus England, den USA, Italien, Skandinavien und Deutschland.

„Eigentlich sind wir zu viele“, meint Pallasch und berichtet von leichten Streitigkeiten. Aber: „Unsere kleinen Reibereien liefen verbal ab. Wir sind ja keine Barbaren“, ergänzt er ein wenig belustigt.

Die Archäologen bauen auch Boote, wie es sie zur Zeit der Ertebølle-Kultur gegeben haben könnte. Sichere Ergebnisse aus Funden fehlen, aber auf Felsritzungen sind Umrisse von Booten zu erkennen, die laut Pallasch definitiv keine Einbäume waren. „Wir testen, ob bestimmte Konstruktionen möglich waren“, sagt er. Und zwar nicht nur im kleinen Teich vor der Haustür, pardon dem Hütteneingang, sondern auf der Eider. Ohne Schwimmwesten, sagt Pallasch.

Sollten sich die Boote aus Reet, Teichsimse und Kuhhaut bewähren, geht es auf die Ostsee. Vom Truppenübungsplatz Ludwigsburg bei Eckernförde. Dann aber mit Schwimmwesten. „Das ist ja kein Überlebenstraining, sondern ein Experiment“, meint Pallasch mit einem leichten Lächeln.

Archäologen leben wie Menschen vor 7000 Jahren in Niedersachsen

Wer sich die Archäologen anschauen möchte, kann dies noch bis Samstag, 5. September, täglich von 11 bis 17 Uhr tun, Süderstraße 47 in Albersdorf. Führungen können unter Tel. 04832/9597333 (werktags von 10 bis 13 Uhr) oder per E-Mail gebucht werden.

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www.neues.aoeza.de

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