Pläne als Kanzlerin

Annalena Baerbock will gendergerechte Gesetzestexte einführen

Annalena Baerbock präsentiert im Wahlkampf ihre Zukunftsvisionen: Sollte sie Kanzlerin werden, möchte sie die Gesetzestexte gendergerecht machen. 

Berlin – Die Sprache befindet sich im Wandel. Das weiß auch Annalena Baerbock*, die nun die Gender-Debatte weiter befeuert. Bei einem Wahlerfolg im September steht die Einführung gendergerechter Gesetzestexte ganz oben auf ihrer Agenda. „Ich will Politik für alle Menschen machen und das bedeutet, auch alle mit anzusprechen – und nicht nur mit zu meinen“, machte die Politikerin kürzlich erst gegenüber dem „Tagesspiegel“ ihre Meinung klar.

Politikerin:Annalena Charlotte Alma Baerbock (Grüne)
Geboren:15. Dezember 1980 (Alter: 40 Jahre) in Hannover
Privat:Verheiratet, zwei Kinder, wohnhaft in Potsdam
Aktuelle Ämter:Bundesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete

Annalena Baerbock ernennt die Einführung der Gender-Debatte zu ihren Zielen als Kanzlerin

Der Wahlkampf um das Bundeskanzleramt hat bei Annalena Baerbock Spuren hinterlassen. Mit großen Erwartungen ging die gebürtige Hannoveranerin als Spitzenkandidatin der Grünen ins Rennen. Doch dass der Weg zur Bundeskanzlerin steinig ist, zeigten die letzten Wochen und Monaten eindrucksvoll. Fehler im Lebenslauf*, Plagiatsvorwürfe gegen Baerbock* und Nebeneinkünfte, die sie erst nachträglich gemeldet hatte, ließen ihre Umfragewerte zuletzt sinken. Unlängst gestand Baerbock Fehler und übte sich in Selbstkritik*.

Baerbock befindet sich im Kreuzfeuer* – auch innerhalb der Grünen wird die Kritik an die Kanzlerkandidatin lauter. Ihr bisheriges Résumé zog die Kanzlerkandidatin nun in einem „Tagesspiegel“-Interview: „Manches hat in den vergangenen Wochen gelitten, weil ich nicht alles richtig gemacht habe und das schmerzt mich sehr.“

Doch Aufgeben kommt für die 40-Jährige nicht infrage. Baerbock zeigt sich nach wie vor kämpferisch und glaubt an eine Wende im Wahlkampf. „Wir sind keine Roboter. Ich mache Politik als Mensch, aus der Lebenswirklichkeit der Menschen heraus. Und dabei möchte ich bleiben“, so Baerbock, die mit der Einführung der Gender-Sprache ein weiteres Ziel als Kanzlerin offenlegt.

Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock möchte auf eine gendergerechte Sprache setzen.

Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock: Sprache dürfe Menschen nicht ausgrenzen

Ein Grünes Vorbild findet Baerbock in Hamburg: In Hamburgs Behörden setzte Katharina Fegebank längst die Gender-Sprache durch* – da ließ sich die Grüne Senatorin nicht beirren. Mit den bundesweiten Gesetzestexten könnte es schon bald eine ähnliche Entwicklung nehmen. Der Grund liegt für Annalena Baerbock auf der Hand: Es müssten alle Geschlechter angesprochen werden. Schließlich könne Sprache auch ausgrenzen. Daher sei es „wichtig, dass wir das als Gesellschaft immer wieder reflektieren“.

„Sprache verändert sich – heute reden wir zum Beispiel eher von „Ärztinnen und Ärzten“ und nicht nur von „Ärzten“, weil sonst im Kopf nur das Bild eines Mannes auftaucht“, sagte die Kanzlerkandidatin. Doch auch abseits der Gender-Debatte gilt für Baerbock das Prinzip: „Wenn ich weiß, dass bestimmte Begriffe einzelne Personen oder Gruppen verletzen, dann sollte man versuchen, die Dinge anders auszudrücken, aus Respekt.“

Erst vor wenigen Tagen bekam die Kanzlerkandidatin selbst zu spüren, was für Konsequenzen unangebrachte Begrifflichkeiten haben können. In einem Gespräch mit dem Zentralrat der Juden reproduzierte die Kanzlerkandidatin das „N-Wort“ – Kritik an Annalena Baerbock aufgrund des Wordings ließ nicht lange auf sich warten*. Kurze Zeit später folgte ihre Entschuldigung.

Baerbock spricht sich gegen Sprachverbote aus

Wie die gendergerechte Sprache in Gesetzestexten in Zukunft formuliert werden könnte, ist aktuell noch unklar. Nachrichtenagenturen wiesen erst im Juni daraufhin, dass etwa das Gendersternchen „weder dem amtlichen Regelwerk der deutschen Rechtschreibung noch dem allgemeinen Sprachverständnis beziehungsweise der allgemeinen Sprachpraxis“ entspräche. Dennoch möchten auch Nachrichtenagenturen auf Diversität setzen. Schließlich biete die deutsche Sprache viele „Möglichkeiten zur Vermeidung diskriminierender Sprache“.

Die Gender-Debatte wird bundesweit kontrovers geführt. Während die gendergerechte Sprache immer mehr Einfluss in der Gesellschaft findet, gibt es nicht wenige Politiker und Prominente, die bereits öffentlich ihren Unmut äußerten. So etwa Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß, der sich kürzlich für ein Verbot der Gender-Sprache starkmachte.

Für Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, die kürzlich eine feministische Regierung forderte*, ist in dem Diskurs jedoch eines wichtig: Menschen dürften keine Sprachverbote auferlegt werden. „Freiheit bedeutet, denken, sprechen und träumen zu können, wie man möchte.“ *kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

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