Wenn die Angst Reisebegleiter ist: Johanniter auf dem Weg nach Haiti

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Lutz Fricke macht sich morgen auf den Weg nach Haiti.

Hannover - Zerstörung, menschliches Leid, Tote: Mit diesen Eindrücken rechnet Lutz Fricke auf Haiti. Der Hannoveraner macht sich als stellvertretender Teamleiter morgen mit elf anderen freiwilligen Helfern der Johanniter-Unfall-Hilfe auf den Weg in das Krisengebiet.

Mit im Gepäck haben er und das Team Medikamente, Verbandsmaterial und die Grundausstattung an chirurgischen Instrumenten. Dies reiche, um 20.000 Menschen drei Monate lang medizinisch zu versorgen, sagt Fricke. Der Polizeihauptkommissar wird als stellvertretender Leiter des Einsatzteams eingesetzt und ist für die Koordinations- und Kommunikationsaufgaben zu den anderen Hilfsorganisationen zuständig. Ob er zwischen den zerstörten Straßen fährt, werde sich erst in Haiti zeigen. „Unsere Aufgabe wird sein, so viel humanitäre Hilfe wie möglich zu leisten.“ Das sei auch seine Motivation mitzuhelfen.

Der Einsatz ist aber verbunden mit offenen Fragen und Ungewissheit. „Wir wissen nicht, in welchem Bereich wir tätig werden oder wie die Situation Vorort sein wird“, sagt der 45-Jährige. Momentan sei die Zielregion Port-au-Prince. Auch wenn der 45-Jährige bereits als Helfer im Kongo und sechs Monate bei einem UN-Einsatz in Bosnien dabei war, ist der jüngste Einsatz etwas anderes. „Auf einen Einsatz in einem derartigen Gebiet mit einem Großschadensereignis dieses Ausmaßes, kann man sich nicht vorbereiten.“

Lutz Fricke macht sich morgen auf den Weg nach Haiti.

Fricke verschwendet vor dem Abflug nicht so viel Gedanken an die Schreckensbilder. Man packe das Gebäck und versuche, nichts zu vergessen, sagt Fricke. Eingepackt habe er neben Unterlagen natürlich auch ein Bild seiner Lebensgefährtin und seines zehnjährigen Sohnes. „Der Abschied von der Familie ist sicherlich eine schwierige Situation“, sagt der stattliche Mann und schluckt erst mal. Noch sei der Abschied verkraftbar. Erst mit der Distanz werde es sich bemerkbar machen. Die Familie könne mit seinem Einsatz gut umgehen. Ob er Kontakt zu ihr halten könne, hänge mitunter auch vom Mobilfunknetz auf Haiti ab.

Die Angst begleitet Fricke auf dieser Reise. „Die Angst lässt sich aber nicht definieren. Ich würde sie als positiv und nicht als negativ beschreiben.“ Es sei mehr die Frage, was auf ihn zukommen werde. „Es ist die Angst, was ich erleben werde und wie ich es möglicherweise verarbeite.“ Gefahren können zum Beispiel durch Einheimische, die an Durst und Hunger leiden und sich nicht mehr zu helfen wissen, ausgehen oder durch instabile Gebäude. Letztere werden auch ausschlaggebend für die Unterbringung sein. „Ich würde mich dazu hinreißen lassen, dass wir noch keine befestigten Unterkünfte beziehen werden, weil die Gefahr von Nachbeben noch realistisch ist“, sagt Fricke. Er geht davon aus, im Zelt zu schlafen. Zehn bis zwölf Tage soll der Einsatz dauern.

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