Kultusminister Bernd Althusmann fordert mehr Lehrer mit Migrationshintergrund

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Kultusminster Bernd Althusmann von der CDU

Hildesheim - In vielen Klassen hat jedes zweite Kind ausländische Wurzeln, doch die Lehrer sind in der Regel deutsch. Deshalb bemüht sich das Land Niedersachsen mehr Migranten für den Schuldienst zu gewinnen. „Integration durch Bildung lebt auch durch Vorbilder“, meint Kultusminister Bernd Althusmann (CDU)

Ein Schülercampus an der Uni Hildesheim soll vom 30. November bis zum 3. Dezember Jugendliche aus Zuwandererfamilien für den Lehrerberuf begeistern. Nach Ministeriumsangaben sind nur 500 der 70 000 Pädagogen an den allgemein bildenen Schulen im Land Ausländer.

Adisa Stöfer-Avdic (34) ist Landeskoordinatorin des vor einem Jahr gegründeten Netzwerks „Lehrkräfte mit Migrationshintergrund“. Mit 16 kam sie als Flüchtling aus Bosnien, heute unterrichtet sie an den Berufsbildenden Schulen im ostfriesischen Emden. „Ich möchte Vorbild sein und Schülern zeigen, dass man trotz erschwerter Bedingungen eine erfolgreiche Bildungskarriere hinlegen kann“, sagte die Lehrerin. Sie will aufklären: Viele Migranten wüssten gar nicht, dass der Lehrerberuf für sie in Frage komme. Tatsächlich können Ausländer nur als Angestellte arbeiten. Wer Beamter werden will, muss sich einbürgern lassen. Im Bundesschnitt kommen geschätzte 4 bis 6 Prozent der Lehrer aus Zuwandererfamilien, in Niedersachsen nur etwa 0,3 Prozent.

„Wir können an den Schulen als Vermittler zwischen Eltern, Schülern und Kollegen fungieren“, sagte Adisa Stöfer-Avdic. Etwa 180 Kollegen landesweit haben sich inzwischen dem Netzwerk angeschlossen. Kultusminister Althusmann hat kürzlich einen türkischstämmigen Lehrer zum Schulleiter einer gewaltgeplagten Hauptschule in Garbsen bei Hannover gemacht. Der neue Direktor wuchs in dem Problemstadtteil auf, wo die Schule liegt. Es liegt nahe, dass türkischstämmige Eltern zu ihm leichter Vertrauen fassen als zu einem Deutschen. Nach einer aktuellen Studie sieht die Mehrheit der türkischstämmigen Eltern Zuwandererkinder in der Schule benachteiligt.

„Viele Migranten haben schlechte Erfahrungen in der Schule gemacht“, meint Adisa Stöfer-Avdic. Sie selbst habe aber auch tolle Lehrer gehabt, die sie ermutigt hätten, ihren Weg zu gehen. Das will die Pädagogin weitergeben, zum Beispiel beim Schülercampus „Mehr Migranten werden Lehrer“. „Deutschland ist ein Einwanderungsland und das muss sich auch im Lehrerzimmer widerspiegeln“, betonte die Leiterin des Projekts der Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Tatiana Matthiesen.

Kurzfristig wird sich an dem geringen Migrantenanteil in deutschen Lehrerzimmern wenig ändern. Nur etwa sechs Prozent der Lehramtsstudenten haben ausländische Wurzeln. „Die meisten Migrantenkinder wollen Medizin, BWL oder Jura studieren, weil das auch in den Augen ihrer Eltern mehr Prestige hat“, sagte Matthiesen.

Nordrhein-Westfalen ist das erste Bundesland, das eine Migrantenquote für den öffentlichen Dienst einführen will. In Niedersachsen ist eine solche Quote kein Thema. Das Land setzt darauf, dass Initiativen wie der Schülercampus oder das START-Schülerstipendienprogramm für engagierte Zuwanderer Früchte tragen.   dpa 

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