Studie zu Diskriminierung

Rassismus: Frauen mit Kopftuch werden „systematisch anders behandelt“

Frauen mit Kopftuch werden anders behandelt. Das zeigt eine internationale Studie zu Rassismus und alltäglicher Diskriminierung in Deutschland.

London/Pittsburgh/Philadelphia – Rassismus ist traurige Alltäglichkeit, wie gerade das Beispiel an einer sächsischen Schule zeigte, die eine Klasse gezielt nur aus Kindern mit Migrationshintergrund bildete. Doch kann schon allein ein Stück Stoff die Hilfsbereitschaft eines Menschen beeinträchtigen? Eine britisch-US-amerikanische Studie legt das nahe.

Das Forscherteam von der London School of Economics in Großbritannien und den Universitäten Pittsburgh und Pennsylvania/USA ließ an 25 deutschen Bahnhöfen Schauspielerinnen lautstark telefonieren. Das Auftreten der Frauen unterschied sich dabei in drei Kategorien. Während die eine Gruppe sich deutlich nicht-migrantisch verhielt, zeigte die zweite Frauengruppe einen migrantischen Hintergrund, und die Frauen der dritten Gruppe schließlich trugen einen Hidschab, das muslimische Kopftuch.

Universität:London School of Economics and Political Science
Gegründet:1895
Adresse:Houghton Street, London, Vereinigtes Königreich
Studenten:12.050

Rassismus und Islam-Diskriminierung: Frauen mit Kopftuch bekommen weniger Hilfe

Das genaue Szenario des Experiments zu strukturellem Rassismus und Islam-Diskrimierung: Die Frauen telefonierten jeweils an einem Bahnhof, deutlich hörbar für umstehende Passanten, mit einer angeblichen Schwester, die nach der Geburt ihres Kindes wieder arbeiten will. Dazu variierten die Kommentare der Frauen: Einige äußerten Zustimmung zum Wunsch der Schwester, wieder arbeiten zu wollen, einige demonstrierten Ablehnung. Anschließend ließen die Telefonierenden einen Einkaufsbeutel mit Zitronen herunterfallen.

Frauen mit Kopftuch werden „systematisch anders behandelt“, lautet das Fazit der Studie (Symbolbild).

Rassismus: Frauen mit Kopftuch werden systematisch anders behandelt als Frauen ohne Kopftuch

Das Ergebnis: Den Frauen, die ein Kopftuch trugen, wurde deutlich seltener Hilfe angeboten als den anderen Frauen. Ist das schon ein Beleg für strukturellen Rassismus? Etwa Dreiviertel der Frauen – unabhängig von ihrer Haltung im Telefongespräch oder ihrer Hautfarbe – wurde Hilfe angeboten, wenn sie kein Kopftuch trugen. Die Hilfsbereitschaft der insgesamt 3797 Personen, deren Reaktionen beobachtet wurde, sank aber gegenüber den Darstellerinnen, die einen Hidschab trugen. „Wir belegen, dass Frauen mit Kopftuch in Deutschland in ihrem alltäglichen Leben systematisch anders behandelt werden als Menschen ohne Kopftuch“, erklärte dazu Mathias Poertner, einer der Studienautoren, laut SZ die Diskriminierung.

Islam-Diskriminierung schon in anderen Studien belegt

Schon vorher haben Studien gezeigt, dass sich der Erfolg von Bewerbungen mit Kopftuch und türkischem Namen mit dem von Bewerberinnen mit deutschem Namen und ohne Kopftuch bei gleicher Qualifikation deutlich unterscheidet. Auch hier zeigte sich: Frauen ohne Kopftuch erhielten in 19 Prozent eine positive Antwort, Frauen mit Kopftuch nur in 4 Prozent. Bei der Wohnungssuche werden Bewerberinnen mit Kopftuch in einigen Fällen ebenfalls systematisch diskriminiert.*

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Man könnte meinen, dass das Tragen eines Kopftuches in erster Linie eine persönliche Entscheidung ist. Aber tatsächlich wird es in Deutschland immer häufiger zum Politikum. Schon 2019 beschäftigte sich beispielsweise das Bundesarbeitsgericht mit dem Fall einer Muslimin aus dem Raum Nürnberg, die gegen ein Kopftuchverbot bei der Drogeriemarktkette Müller geklagt hatte. Die Müller-Angestellte sah sich in ihrer Religionsfreiheit eingeschränkt, die Drogeriekette pochte auf „unternehmerische Freiheit“.

Auch nach einem weiteren Urteil dürfen Arbeitgeber das Kopftuch-Tragen in der Firma verbieten. Während also Toleranz an vielen Stellen inzwischen zum guten Ton gehört – selbst der Autohersteller Ford regiert auf diffamierende Farbkritik – siegt im Alltäglichen offensichtlich immer noch das Prinzip „Misstrauen“. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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