Gottesdienst to go

Alle Jahre wieder und doch anders: So planen die Kirchen Weihnachten

Die Kirchen in Niedersachsen und Bremen bereiten sich auf Advent und Weihnachten vor. Mit vielen Ideen trotzen sie der Corona-Pandemie. Was aus der Not geboren wird, soll trotzdem eine Chance sein. Einige Kirchen greifen auf Erfahrungen zurück.

  • Weihnachtsgottesdienste sollen draußen und mobil stattfinden.
  • Kirchen breiten sich auf digitale Weihnachten vor.
  • Wegen Corona gibt es ein Besucherlimit in den Kirchen.

Weihnachtsgottesdienst im Fußballstadion oder als Kurzandacht zuhause, abgelesen vom Zettel? Weihnachten wird in diesem Jahr für die Kirchen, ihre Mitarbeiter und Kirchgänger anders sein. Sonst drängen sich Heiligabend Familien mit Kindern in den Gottesdiensten. Weihnachten ist das eine christliche Fest im Jahr, das auch kirchenferne Menschen anzieht. Doch im Coronajahr 2020 wird die heimelige Nähe in den Kirchen nicht möglich sein.

Hauptstadt NiedersachsenHannover
Webseitewww.niedersachsen.de
LandtagspräsidentinGabriele Andretta
Bevölkerungsdichte168 Einwohner / Quadratkilometer

Kirchenleitungen und Gemeinden bereiten sich seit Monaten auf Alternativen vor. „Digitaler, kürzer und kälter“ werde Weihnachten diesmal sein, erwartet der evangelische Landesbischof von Hannover, Ralf Meister. Mit Online-Übertragungen haben die Kirchen schon Ostern Erfahrungen gemacht, als die Gemeinden sich nicht versammeln konnten. Zu Weihnachten wird sich viel nach draußen in die Kälte verlagern.

Weihnachten fällt nicht aus, „Alle Jahre wieder“ kann man hier wörtlich nehmen“, verspricht Sabine Hatscher, Sprecherin der Bremischen Evangelischen Kirche. Das Fest werde auf andere Weise schön sein.

Corona: Weihnachten mit Gottesdiensten

Bei der Planung herrscht einen Monat vorher aber Unsicherheit. Viele Ideen stammen aus der Zeit vor dem Teil-Lockdown vom November. Und ganz genau stehen die Regeln für die Weihnachtszeit noch nicht fest. Doch auf eins verlassen sich die Kirchen: „Wir haben vom Land die Zusage, dass wir mit Hygienekonzepten in den Kirchen Gottesdienste feiern können“, sagt Pastor Benjamin Simon-Hinkelmann, Sprecher der Evangelisch-lutherischen Kirche Hannovers.

Eine zweite Zusage sei, dass für kirchliche Veranstaltungen unter freiem Himmel nicht Sitzplätze organisiert werden müssen, sondern Stehplätze ausreichen. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte am Mittwoch, Bund und Länder wollten mit den Kirchen über sichere Gottesdienste sprechen.

Weihnachten sieht in diesem Jahr der Coronavirus-Krise etwas anders aus.

Unter dem Abstandsgebot gibt es in den Kirchen weniger Sitzplätze. So bleiben in der Marktkirche in Hannover 200 von 1000 Plätzen. Der Ausweg: mehr, aber kürzere Gottesdienste. Eine Gemeinde in Hannover will ab Heiligabend mittags Gottesdienste rund um die Uhr anbieten - jede Stunde 20 Minuten lang.

„Viele Gemeinden planen mehrere Gottesdienste“, sagt auch Thomas Arzner vom katholischen Bistum Osnabrück. Doch der Zugang zu diesen kurzen Andachten müsse gut gemanagt sein. „Wir empfehlen sehr dringend, für die Weihnachtstage ein Anmeldeverfahren einzuführen“, schreibt die Liturgische Kommission des Bistums.

Viele Gemeinden werden ihre Feiern in größere Gebäude oder nach draußen verlagern. Die katholische Gemeinde St. Joseph in Hannover will bis zu 2000 Menschen im Fußballstadion von Hannover 96 zusammenbringen. Ob der Gottesdienst unter freien Himmel überhaupt stattfindet, ist derzeit völlig unklar. „Wir warten erst einmal ab und werden dann mit gesundem Menschenverstand entscheiden, ob der Gottesdienst im Stadion stattfinden kann“, sagt Pfarrer Heinrich Plochg von der St. Joseph Gemeinde.

Weihnachten to go: Mobile Lösungen für Gottesdienste

Andere Gottesdienste sollen als Wegegottesdienste oder Krippen-Stationenlauf stattfinden, sagt Thomas Arzner. In Bremen gibt es Ideen, die Weihnachtsbotschaft mit Lautsprecherwagen, vom Trecker mit Anhänger oder als Drehorgeltour zu verbreiten.

Nein, mit einer Anfrage zu Weihnachten überrasche man sie nicht, sagt Pastorin Mareike Hinrichsen-Mohr sechs Wochen vor dem Fest. „Schon lange“ befassten sich die Beteiligten mit der Frage, wie Kirche und Menschen zusammenkommen können, wenn der Bedarf am größten ist, die Vorgaben aber nur Kleinstgruppen zulassen. Mareike Hinrichsen-Mohr ist Pastorin in Bruchhausen-Vilsen. Zwei Teams sollen Heiligabend auf die Dörfer und durch den Ort ziehen und in weihnachtlicher Atmosphäre die frohe Botschaft verkünden. (aks)

Auch in Nordwohlde laufen die Planungen für Weihnachten. „Das wird die größte Herausforderung“, sagt Pastorin Sandra Kopmann. „Man kann sagen: Mit Anlauf ins Ungewisse.“ Der aktuelle Plan sieht Weihnachtsgottesdienste an vier Orten vor. „Um 15 Uhr feiern wir in Pestinghausen/Högenhausen, um 16 Uhr in Stühren/Döhren/Strühe, um 17 Uhr in Fesenfeld/Steinforth/Kastendiek/Gräfinghausen/Kätingen und um 18 Uhr in Nordwohlde/Stütelberg“, zählt Pastorin Sandra Kopmann auf. (juk)

Bremerhaven plane ökumenisch „eine Art Weihnachts-Flashmob“, sagte die evangelische Superintendentin Susanne Wendorf-von Blumröder der Nordsee-Zeitung: „Am Heiligabend um 22.45 Uhr werden wir die Glocken läuten und die Bremerhavener einladen, sich an bestimmten Plätzen in der Stadt mit Kerzen und Abstand zu treffen und gemeinsam „Stille Nacht“ zu singen.“

Die Kirchen sehen es auch als Chance, auf Straßen und Plätzen präsent zu sein. Pastor Benjamin Simon-Hinkelmann erinnert an die biblische Geschichte von der Geburt Jesu im Stall: „Weihnachten war am Ursprung ein Fest, das draußen und unter widrigen Umständen stattgefunden hat.“ Wichtig sei, Weihnachten als „Fest der Gemeinschaft“ zu erhalten.

Zugleich überlegen die Kirchen, wie sie Menschen zuhause an Advent und Weihnachten teilhaben lassen können. In Bremen soll es deshalb „Weihnachten zum Mitnehmen“ geben: Texte und Weihnachtstüten sollen an Wäscheleinen vor den Kirchen hängen. Auch seien 50.000 Lichtertüten zum Verschenken produziert worden, sagt Sabine Hatscher. dpa/awt/juk/aks

Rubriklistenbild: © Malte Christians/dpa

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