Seifenoper zwischen mittelalterlichen Buchdeckeln

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Die bedeutendste noch erhaltene mittelalterliche Handschrift ist bis zum 24. Januar 2010 in Hildesheim zu sehen.

Hildesheim - Kunstvolle bunte Malereien und prachtvoll gestaltete Textseiten mit riesigen Initialen: Der Albani-Psalter gilt als eine der bedeutendsten erhaltenen Handschriften aus dem Mittelalter.

Das Gebetsbuch erzählt zwischen den Zeilen aber auch die Geschichte einer platonischen Liebe zwischen einem Klostervorsteher und einer Einsiedlerin. Von Samstag an sind die Seiten des Psalters im Hildesheimer Dom -Museum zu sehen.

Die Forscher sind sich inzwischen einig, dass Geoffrey von Gorham , Abt des ehrwürdigen englischen Klosters St. Albans, den Psalter um das Jahr 1135 anfertigen ließ. Ursprünglich sollte die prunkvolle Handschrift mit alttestamentarischen Psalmen und weiteren religiösen Texten wohl die Klosterbibliothek schmücken. Doch im Laufe der Entstehung entschied Geoffrey sich offenbar, den Psalter der Einsiedlerin Christina von Markyate zu schenken. Die Experten glauben in den Illustrationen mehrere versteckte Porträts Christinas entdeckt zu haben.

„Die ganze Geschichte könnte aus irgendeinem historischen Roman stammen“, sagt Ausstellungskuratorin Claudia Höhl. Man könne froh sein, dass die Handlung noch nicht zu einer Fernseh-Seifenoper verarbeitet wurde. Die keusche Christina entfloh einer von ihren Eltern eingefädelten Zwangsehe, um sich als Einsiedlerin ganz Gott hinzugeben. Andere Frauen schließen sich ihr an. In Markyate in der Nähe von St. Albans gründet sie ein Kloster.

Doch das Verhältnis zwischen Gott und Christina wandelt sich bald zu einer Dreiecksbeziehung mit dem Klostervorsteher. Zwar handelte es sich wohl um keine körperliche Liebesgeschichte. Trotzdem werden die beiden wohl für ihrer platonische Liebe angefeindet, berichtet Kuratorin Höhl: „Das wurde noch dadurch verstärkt, dass der Abt die Schwestern von Markyate finanziell unterstützte.“

Viele Fragen rund um die Entstehung des Psalters sind noch nicht restlos geklärt. Unbestritten ist dessen historische Bedeutung: „Es handelt sich um eine der am reichsten verzierten gotischen Handschriften“, betont der Leiter des Dom-Museums, Michael Brandt. Der Psalter stehe auf einer Stufe mit dem Evangeliar Heinrichs des Löwen. Für dieses Buch wurden bei einer Versteigerung vor mehr als 25 Jahren rund 32 Millionen Mark (knapp 16 Millionen Euro) gezahlt.

Der Psalter wurde aus restauratorischen Gründen vor kurzem zerlegt. Dadurch bietet sich nun die Gelegenheit, die Seiten der Öffentlichkeit zu präsentieren. Noch bis zum 24. Januar ist die Ausstellung in Hildesheim geöffnet. Anschließend werden die kostbaren Blätter im Ausland zu sehen sein. Zwischen den Auslandsstationen soll es aber längere Pausen geben, erklärt Museumschef Brandt: „Solche Ausstellungen sind Stress. Danach muss sich der Psalter erstmal ausruhen.“

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