Deutsche Agrartechnikbranche erwartet zehn Prozent Umsatzrückgang

Hannover - Die Landwirtschaft geht mit gedämpfter Stimmung in ihr Stelldichein bei der weltweit größten Agrartechnikmesse Agritechnica. Vor allem die Hersteller von Traktoren und Landmaschinen klagen über weltweit einbrechende Märkte. Von Krise will die Branche dennoch nicht reden.

Die deutsche Agrartechnikindustrie geht für 2015 von einem zehnprozentigen Umsatzrückgang auf knapp sieben Milliarden Euro aus, sieht ihre konjunkturelle Talsohle aber erreicht. Die Konjunkturdelle erfasst nach VDMA-Angaben die gesamte Weltproduktion von Traktoren und Landmaschinen - alle Märkte seien im Abschwung. „Wir gehen davon aus, dass der Produktionswert 2015 von 100 auf 91 Milliarden Euro absinken wird“, sagte am Mittwoch der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Bernd Scherer, im Vorfeld der Landtechnik-Messe Agritechnica in Hannover.

Die Europäische Union stehe etwa für ein Viertel des weltweiten Marktes und schneide global noch relativ gut ab. In den anderen Schlüsselmärkten seien die Perspektiven dagegen weiter verhalten. Das Konjunkturtief habe weltweit besonders stark Nord- und Südamerika mit einem wertmäßigen Rückgang bei der Fertigung von bis zu 17 Prozent erwischt. Vor allem in den USAgebe es ein Überangebot an gebrauchten Landmaschinen. In China dürfte der Absatz bestenfalls stabil bleiben. Dort dürfte die Nachfrage nach moderner Agrartechnik aber wieder steigen. Nachholbedarf gebe es in Mittelmeerländern wie Italien. In Deutschland lägen die Investitionsplanungen etwa 15 Prozent unter den hohen Werten des Vorjahres.

Dort sieht sich die Landwirtschaft angesichts des Auslaufens der Quotenmodelle bei Milch und Zucker, des Preisverfalls und geopolitischer Krisenherde vor einem Umbruch. „Die Branche war noch nie so unsicher in ihrer Einschätzung“, erklärte der DLG-Hauptgeschäftsführer Reinhard Grandke mit Blick auf die erzielten Preise bei Ackerbau und Viehzucht. Auch der Chef der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) sprach von einer gedämpften Investitionsbereitschaft der europäischen Landwirte. Anders als in Deutschland sei sie in Frankreich allerdings stärker ausgeprägt. Scherer betonte allerdings, dass von einem Krisenmodus keine Rede sein könne. Die Technikbranche habe ihre Kapazitäten längst angepaßt und vor allem bei den Zeitarbeitern das Personal reduziert.

„Europas Landwirtschaft ist in der Globalisierung angekommen“, erklärte er. Auch Handelshemmnisse drückten auf den Absatz - etwa im schwierigen russischen Markt, der unter vielen Schwächen leide. Die weltgrößte Leitmesse Agritechnica wird von der DLG im jährlichen Wechsel mit der Eurotier - dem Branchentreff der Tierhalter - vom 10. bis 14. November organisiert. Bisher haben sich aus 52 Ländern gut 2800 Aussteller angemeldet, die 23 Messehallen belegen und 300 Neuheiten präsentieren wollen. Die DLG geht angesichts der gedrückten Stimmung bei vielen Landwirten von gut 400 000 Besuchern aus - 2013 waren es noch knapp 450 000. Der Auslandsanteil unter den Ausstellern liegt mit 56 Prozent diesmal besonders hoch. Zu den Technologietrends gehören effizienssteigernde Maschinen und spezielle Agrarelektronik.
dpa

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