Seuche droht Niedersachsen zu erreichen

Agrarministerin warnt vor Gefahr eines Schweinepest-Ausbruchs

Hannover - In Polen und Tschechien verenden weiter Wildschweine an der Afrikanischen Schweinepest. Bald könnte die Seuche auch Niedersachsen erreichen, warnt Agrarministerin Otte-Kinast. Zur Präventionen sollen Jäger für erlegte Wildschweine Prämien bekommen.

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) rechnet jederzeit mit einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im Land. "Wir wissen nicht wann und wir wissen nicht wo, aber dass sie kommt, davon gehen wir ernsthaft aus", sagte sie am Mittwoch in Hannover. Nun sollen 3,5 Millionen Euro bereitgestellt werden, um eine mögliche Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Eine entsprechende Summe habe sie im Nachtragshaushalt beantragt. Das Geld solle in erster Linie für die Verringerung der Wildschweinbestände durch intensivere Bejagung verwendet werden. 

Was macht die Afrikanische Schweinepest so gefährlich? 

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Infektionskrankheit, die bei Wild- und Hausschweinen meist innerhalb weniger Tage tödlich endet. Sie breitet sich über Wildschweine aus. Bislang gibt es keine wirksamen Medikamente. Ansteckungsgefahr für den Menschen besteht nicht. In den vergangenen Wochen traten vermehrt Fälle in Osteuropa auf. In Polen gab es zwischen Ende November und Anfang Januar nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) 279 neue Fälle bei Wildschweinen. 

Warum ist die Sorge in Niedersachsen besonders groß? 

In Niedersachsens Agrarbetrieben werden rund acht Millionen Schweine gehalten. Bei einem Ausbruch der Seuche bei Wildschweinen und einem Überspringen auf Hausschweine droht laut Agrarministerin Otte-Kinast "ein Schaden in Milliardenhöhe". Die Krankheit überträgt sich auch über verseuchte Speisereste, Viehtransporter und Stallkleidung. Die A2 verbindet Osteuropa und damit die Seuchengebieten mit Niedersachsen. Touristen und Lastwagen-Fahrer könnten das hochansteckende Virus in Lebensmitteln mitbringen. Sorglos weggeworfene Essensreste an Rastplätzen sind willkommenes Futter für Wildschweine. Und: "Wir stehen vor der Spargelsaison, es gibt viele Mitarbeiter aus östlichen Ländern", sagte Otte-Kinast. Auch diese müssten umfassend über das Risiko aufgeklärt werden. 

Was plant das Land zur Prävention? 

Da Wildschweine Überträger der Seuche sind, soll ihr Bestand reduziert werden. Das Agrarministerium will die bisherige Zahl der erlegten Wildschweine genau ermitteln und Jägern, die über ihr bisheriges Kontingent zusätzliches Schwarzwild schießen, 50 Euro Aufwandsentschädigung pro Tier zahlen. Für den Einsatz von Hunden bei Drückjagden soll es 25 Euro pro Hund Zuschuss geben. Außerdem plant das Land, für vier Jahre einen Berufsjäger einzustellen. Er soll Jägern bei Informationsveranstaltungen beibringen, wie Wildschweine in Fallen gefangen werden können. 

Gibt es außer der intensiven Bejagung von Wildschweinen noch andere Vorkehrungen? 

Um auf einen Ausbruch der Krankheit besser vorbereitet zu sein, will das Land fünf Container anschaffen, damit verendete Wildschweine so entsorgt werden können, dass keine Körperflüssigkeiten austreten. Fünf Bergeteams werden dazu ausgerüstet. Bereits auf Anweisung des früheren Agrarministers Christian Meyer (Grüne) hatten Mitarbeiter der Landes an einer Übung zum Umgang mit der Afrikanischen Schweinepest teilgenommen. Was unternehmen andere Bundesländer zur Vorbeugung gegen die Seuche? Hamburg will den Abschuss von Wildschweinen erleichtern. Dort wurde eine Anordnung zur Aufhebung der Schonzeiten erlassen. Hessen dagegen bleibt bislang bei den geltenden Schonzeiten für Schwarzwild. - dpa

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa-avis

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