„Ärztlich willkommen“ - Wo Hausärzte fehlen

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Wolfsburger Prämienprogramm für Ärzte zeigt Wirkung.

Wolfsburg/Hannover - Von Valentin Frimmer. Hausärzte sind mancherorts Mangelware. Was tun, wenn Mediziner eine Region meiden? Manche Kommunen in Niedersachsen nehmen das Heft selbst in die Hand.

Kranke haben weder Zeit noch Kraft für lange Wege. Doch in manchen Regionen Niedersachsens ist der nächste Hausarzt viele Kilometer entfernt. Auf dem Land herrscht Angst vor Ärztemangel. Kommunen gehen eigene Wege, um Mediziner anzulocken. In den meisten großen Städten ist das hingegen kein Problem. Die Stadt Wolfsburg hat zuletzt mit hohen Prämien gute Erfahrungen gemacht.

Ärztemangel - Ist der Begriff überzogen? 

Hausärzte sind in Niedersachsen ungleich verteilt. Nach Festlegung des Landesausschusses der Ärzte und Krankenkassen betreut ein Hausarzt im Idealfall 1671 Patienten, die Zahl ist je nach Region unterschiedlich. Viele ländliche Gegenden haben mit einem niedrigeren Versorgungsgrad zu kämpfen. „Alles unter 90 Prozent (also mehr als 1857 Patienten pro Hausarzt) ist schon eine Problemregion aus unserer Sicht“, sagt Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Es sei zu befürchten, dass sich die Situation verschlechtere, ein Großteil der Hausärzte scheide in den kommenden zehn Jahren aus. Doch Haffke stellt auch fest: „Es gibt in Niedersachsen keine Region, die unterversorgt ist.“ Das wäre laut Definition bei einem Versorgungsgrad von unter 75 Prozent der Fall.

Welche Regionen haben besondere Probleme? 

Zu den Schlusslichtern gehören nach Zahlen die Regionen Harburg-Nord (80,5 Prozent), Braunschweig Umland (82,9) und Leer-Süd (84,1 Prozent). „Es ist grundsätzlich ein Problem der ländlichen Regionen“, sagt Haffke. Insgesamt fehlten in Niedersachsen 311 Hausärzte, um in jedem Planungsbereich - so bezeichnet die KVN die Regionen - einen Versorgungsgrad von mindestens 100Prozent zu erreichen.

Und wo sieht es gut aus in Niedersachsen? 

In deutlich mehr als der Hälfte der Planungsbereiche gibt es mehr Hausärzte als vorgesehen, im Bereich Rastede (Landkreis Ammerland) liegt der Versorgungsgrad sogar bei 141,3 Prozent. Allerdings moniert der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGB), dass dieses Bild schief sei. Innerhalb eines Planungsbereichs siedelten sich die Hausärzte oft in der attraktivsten Stadt an. Im Umland fehlten sie dann aber. Auf dem Papier sehen die Ärztezahlen dennoch gut aus.

Warum meiden die Mediziner das weite Land? 

Junge Ärzte fürchten dort eine höhere Arbeitsbelastung, wie Detlef Haffke von der KVN sagt. Sie glaubten, 24 Stunden parat stehen zu müssen. „Weil sie dort isoliert tätig sind.“ Sie machten sich auch Gedanken, wo die nächste Schule oder der nächste Kindergarten ist oder wo der Partner arbeiten kann. Zudem herrsche bei jungen Ärzten die Meinung, dass sie auf dem Land weniger verdienen, auch weil es weniger Privatpatienten gibt. Dabei sei das Einkommen auf dem Land laut Haffke durchaus auskömmlich.

Wie steuern die Kommunen dagegen? 

Einige Kommunen werben nach Angaben des NSGB direkt an Unis. Es gibt auch spezielle Stipendien für Medizinstudenten, die sich für eine bestimmt Zeit nach dem Studium verpflichten. Wolfsburg, eine der wenigen großen Städte mit zu wenig Hausärzten, lockt auch mit Geld. Zuletzt wurde die Prämie von 20000 auf 50000 Euro aufgestockt. Seit 2013 haben das Angebot nach einem Bericht der „Wolfsburger Nachrichten“ 16 Ärzte in Anspruch genommen. 26 Kommunen aus den drei Landkreisen Diepholz, Nienburg und Verden haben die Initiative „Ärztlich willkommen“ gestartet.

dpa

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