Abo-Falle im Internet: Für kostenlose Programme bezahlt

Auch gegen den Geschäftsführer der OPM Media, die die Seite „drive2you“ betreibt, gibt es laut Auskunft der Staatsanwaltschaft Landshut ein Ermittlungsverfahren.

Verden/Oyten/Bremen - Von Bianca Belouanas - Über das Internet sollen zwei 27 und 30 Jahre alte Lüneburger bundesweit 65.000 Menschen in die Abo-Falle gelockt und damit einen Gesamtschaden von rund fünf Millionen Euro verursacht haben.

RECHTSLAGE

Aktuelles Urteil

Das Oberlandesgericht Frankfurt a. M. hat entschieden, dass Internet-Angebote mit versteckten Preisangaben als gewerbsmäßiger Betrug zu werten sein können. „Mit diesem Beschluss wurde klargestellt, dass der Kostenhinweis deutlich sichtbar sein muss“, sagt Polizeisprecher Holger Vehren (Az.: 1 Ws 29/09, Beschluss vom 17. Dezember 2010).

Laut Polizeisprecher Holger Vehren aus Hamburg haben sie den Betroffenen jeweils Kosten in Höhe von 60 bis 80 Euro für angeblich von ihnen abgeschlossene, kostenpflichtige Abo-Verträge in Rechnung gestellt. Weiterhin sollen sich die Beschuldigten Geld für das Herunterladen von Programmen (Firefox, Open Office, Adobe Reader, Nero) aus dem Internet in die eigene Tasche gewirtschaftet haben, obwohl diese laut den Herstellern ausschließlich zum kostenfreien Download hätten angeboten werden dürfen. Knapp zwei Jahre ermittelten die Hamburger Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt für Computerkriminalität und Urheberrechtsverletzung. Seit Anfang Februar sitzen die beiden Hauptverdächtigen nun wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges und der Urheberrechtsverletzung in Untersuchungshaft.

Während die Hamburger Justiz laut Vehren „einem der größten Verfahren, die wir hier je hatten“, entgegenblickt, flattern den zahlreichen Opfern anderer Abo-Fallen in Deutschland auch weiterhin regelmäßig Mahnbescheide und Inkassoschreiben ins Haus. Unter ihnen ist auch ein 28-jähriger Oytener, der im Internet nach einer Mitfahrgelegenheit gesucht hatte. Ein unbedachter Klick soll ihn satte 96 Euro zuzüglich Mahngebühren kosten. Laut der Verbraucherzentrale Bremen ist er damit kein Einzelfall.

Unter www.drive2u.de wirbt die OPM Media GmbH, die Betreiberin der Seite, für die Dateneingabe: „… zur Sicherheit aller benötigen wir von Fahrer/in und Mitfahrer/in den Namen und die Adresse. Fair geht vor! Bitte gib Deine Daten sorgfältig ein!“ Und „wer danach noch auf den blinkenden ,Jetzt anmelden‘-Button klickt, sitzt in der Abo-Falle“, sagt Gerrit Cegielka von der Verbraucherzentrale Bremen. Denn dass der Nutzer damit ein Jahres-Abo zum Preis von 96 Euro abschließt, sei zwar in grauer Schrift im Kleingedruckten vermerkt, aber nicht auf Anhieb erkennbar.

Auf das Thema Preistransparenz angesprochen, will Frank Drescher, Geschäftsführer der OPM Media GmbH in Berlin, „generell gerade gar nicht“ eingehen. Überhaupt seien Fragen „zu den kaufmännischen Details“ seines Geschäftsmodells, zur Zahl der Seitennutzer sowie nach dem Mehrwert, den seine Seite für 96 Euro bietet, „eine Unverschämtheit“, so Drescher. Der Oytener jedenfalls ist fest entschlossen, die Mahnungen und Inkasso-Schreiben zu ignorieren.

Auch weil er inzwischen erfahren hat, dass Drescher, der seinen Wohnsitz im bayerischen Landshut haben soll, selbst bereits ins Visier der Ermittler geraten ist. „Ich kann bestätigen, dass bei der Staatsanwaltschaft in Landshut ein umfangreiches Ermittlungsverfahren wegen Betruges gegen Frank Drescher läuft“, erklärte Pressesprecher Georg Freutsmiedl auf Anfrage.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Busfahrer in Hessen streiken

Busfahrer in Hessen streiken

Hongkong: China kritisiert Aufhebung des Vermummungsverbots

Hongkong: China kritisiert Aufhebung des Vermummungsverbots

Winterlicher Hygge-Urlaub auf Fanø

Winterlicher Hygge-Urlaub auf Fanø

Den idealen Antrieb fürs Auto finden

Den idealen Antrieb fürs Auto finden

Meistgelesene Artikel

Niedersachsen schränkt Gülle-Ausfahrten ein - Bauern stinksauer

Niedersachsen schränkt Gülle-Ausfahrten ein - Bauern stinksauer

Rollender Protest: Bauern wollen Kooperation statt Konfrontation

Rollender Protest: Bauern wollen Kooperation statt Konfrontation

Land unter: Im Norden drohen massive Überschwemmungen

Land unter: Im Norden drohen massive Überschwemmungen

Listerienfund: Familienbetrieb ruft sämtliche Fleischwaren zurück

Listerienfund: Familienbetrieb ruft sämtliche Fleischwaren zurück

Kommentare