Impfquote steigern

500 Euro fürs Impfen: Mitunter sollte es Geldprämien für Impfmuffel geben

Im Juli geriet die Impfkampagne ins Stocken, viele Menschen wollten keine Impfung. Dagegen sollten unter anderem Geld-Prämien als Anreiz helfen.

Berlin – Erst gab es nicht genügend Impfstoff, seit Juli scheint es nicht genügend Impfwillige zu geben. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat wegen der Delta-Variante eine Impfquote von mindestens 85 Prozent empfohlen, um eine vierte Welle zu verhindern.* Die scheint seitdem aber wegen zunehmender Impfverweigerung in weite Ferne zu rücken.

BehördeRobert Koch-Institut
Gründung1. Juli 1891
HauptsitzBerlin
PräsidentLothar H. Wieler

Laut RKI sei „entscheidend“, dass ungeimpfte Menschen motiviert werden, das Angebot wahrzunehmen. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnte in diesem Zusammenhang, dass das Impf-Tempo zwar noch hoch gewesen sei, doch „wir brauchen einen nationalen Impf-Ruck, um das Impf-Tempo im Juli und August weiter zu halten.“

Er schlug zudem vor, dass Impfungen dort angeboten werden sollen, wo viele Menschen sind, zum Beispiel in Fußballstadien. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach war für mobile Impfstationen an belebten Orten wie vor Bars oder Clubs. In Achim gab es dementsprechend neulich einen Impf-Marathon in einer Moschee.

Freibier: Kuriose Belohnungen für Impfwillige in den USA

Mehrere Forscher forderten im Juli, Menschen Anreize zu geben, um sich impfen zu lassen. In den USA gab es da bereits einige kuriose „Belohnungen“ wie die Impf-Lotterie, in der man eine Million Dollar gewinnen kann. Das wird es hierzulande sicherlich nicht geben. Doch die Forscher Jan Schnellenbach von der TU Cottbus-Senftenberg und Ekkehard Köhler von der Uni Siegen forderten zumindest eine Prämie für Menschen, die sich impfen lassen. 

Erst gab es nicht genügend Impfstoff, nun scheint es nicht genügend Impfwillige zu geben. 

Anwerbeprämie für Geimpfte sinnvoll

Diese könne durchaus substanziell sein, sagte Schnellenbach gegenüber der FAZ. „Ich denke an 200 oder 300 Euro.“ Bis zu 500 Euro sollen bereits vorgeschlagen worden sein. Auch eine Anwerbeprämie für Geimpfte, die Freunde oder Familienmitglieder zur Impfung motivieren, sei sinnvoll. Je mehr Geld winkt, desto höher könnte die Impfquote ausfallen, wenn mehr Anreize geschaffen würden, um die Impfmüdigkeit zu bekämpfen. „Mit einer Prämie von 100 Euro kommen wir in Richtung 80 Prozent Impfbereitschaft“, sagt Ökonomin Nora Szech vom Karlsruhe Institute of Technology.

Niedrige Beträge könnten Impfbereitschaft senken

Die Ökonomin hat eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass hohe Zahlungen sehr wirksam seien. Die Studie wurde in den USA durchgeführt und dort kam heraus, dass niedrige Beträge wie 20 Dollar die Impfbereitschaft hingegen sogar senken können, weil die ethische Bedeutung der Impfung geschwächt werde. Nora Szech geht schon lange der Frage nach: Wie erreicht man die Zögerlichen und Impfunwilligen? Sie plädiert seit Monaten für eine Impfprämie. Auch für Menschen, die bereits geimpft worden sind – also dann rückwirkend.

Impfangebot übersteigt Impfnachfrage in Deutschland

„Jetzt sind wir an dem Punkt, dass das Impfangebot die Impfnachfrage übersteigt. Ich finde es schade, dass wir so lange gewartet haben. Das hätte man schon vor Wochen angehen können“, so Szech im Juli. In Griechenland bekommen junge Menschen, die sich impfen lassen, beispielsweise 150 Euro. Edeka ging einen speziellen Weg und will Mitarbeiter mit einem simplen Trick zum Impfen motivieren.kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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