Große Spendenaktion

500.000 Euro Schaden: Handwerker sammeln Geld für Baggerfahrer aus Blumberg

Wegen Zahlungsunstimmigkeiten: Ein Bauunternehmer zerstört mit einem Bagger einen schlüsselfertigen Neubau. Nun zeigen andere Handwerker eine ganze Menge Herz.

Blumberg – Update vom 5. September 2021 um 9:30 Uhr: Rund einen Monat ist die Geschichte alt, die im Netz und in den Medien ordentlich für Furore gesorgt hat. Nachdem ein Bauleiter aufgrund von Zahlungsunstimmigkeiten mit einem Bagger in Blumberg ein frisch gebautes Mehrfamilienhaus zerstört hatte, bekommt der wütende Baggerfahrer nun eine ganze Menge Unterstützung aus den eigenen Reihen.

Stadt:Blumberg
Bundesland:Baden-Württemberg
Fläche:98,68 km²
Postleitzahl:78176
Bevölkerung:10.266 (31. Dez. 2008)
Bürgermeister:Markus Keller

500.000 Euro Schaden: Handwerker gründen Initiative „Solidarität mit dem Bagger“ für den wütenden Baggerfahrer aus Blumberg

Denn die Handwerker solidarisieren sich und wollen dem Mann jetzt unter die Arme greifen.

Laut Schwarzwälder Bote heißt die landesweite Initiative „Solidarität mit dem Bagger“, die unter anderem der Ravensburger Stuckateurmeister Eberhard Ruetz ins Leben gerufen hat.

Wütender Baggerfahrer aus Blumberg: 100.000 Handwerker könnten 5 Euro für 500.000 Euro Schaden spenden

„Wenn nur jeder der hunderttausend im Bau tätigen Handwerker fünf Euro spendet, kann der Schaden von 500.000 Euro bezahlt werden“, erklärt der Stuckateurmeister Eberhard Ruetz. Seine Gedankenspieler beziehen sich vor allem auf die Berufsgruppen der Maurer, Stuckateure oder Maler, die möglicherweise schon ähnliche Fälle wie der wütende Baggerfahrer aus Blumberg mit Bauträgern erlebt haben oder zumindest von solchen gehört haben.

Tatsache ist, dass aufgrund des Schadens auf den Bauunternehmer wohl keineswegs nur hohe Kosten zukommen, die er auszugleichen hat, sondern er womöglich auch noch eine horrende Geldstrafe für seinen Wutausbruch berappen muss.

Wutanfall des Baggerfahrers aus Blumberg nachvollziehbar – irgendwann platzt jemandem der Kragen

Die mutwillige Beschädigung des Gebäudes kann Eberhard Ruetz in keiner Weise gutheißen, doch die Wut des Mannes ist in seinen Augen mehr als nachvollziehbar.

„Es ist bei weniger seriösen Bauträgerkonsortien schon beinahe üblich, dass mit dem Geld, welches den Handwerkern zustünde, gearbeitet wird. Entweder wird durch raffinierte Vertragsgestaltung über vermeintliche Mängel, nicht anerkannte Leistungen und Ähnliches Geld einbehalten, Rechnungen gekürzt oder gar nicht bezahlt“, gibt Ruetz sein vernichtendes Urteil über die Baubranche ab. „Dass irgendwann einmal jemandem der Kragen platzt, ist von daher schon verständlich.“

Aufgrund von Zahlungsunstimmigkeiten platzt einem Bauleiter in Blumberg der Kragen und er macht so auf Missstände in der Branche aufmerksam. (kreiszeitung.de-Montage)

Update vom 11.08.2021: Es ist eine Geschichte, die bundesweit Schlagzeilen machte: Aus Wut über seine unbezahlte Arbeit demolierte ein Bauunternehmer einen fertigen Neubau. Normalerweise wären die Mieter in die Wohnungen im Schwarzwald bereits eingezogen. Nun stehen sie vor einem großen Trümmerhaufen. Wie konnte es zu einer solch radikalen Tat kommen? Der Bauleiter ging jetzt erstmals an die Presse.

Gegenüber der Schweizer Zeitung „Blick“ geht er immer wieder auf sein Motiv ein. Eine Zahlung von rund 2,5 Millionen Euro stünden demnach für den Bau des Neuhauses in Blumberg noch aus. Auch für ein Pflegeheim in Blumberg hätte der Bauunternehmer nach wie vor kein Geld gesehen. „Die laufenden Kosten sind angewachsen, und ich selber bekam einfach kein Geld“, beklagt der 47-Jährige, der trotz ausbleibender Begleichung selbst Lieferanten, Angestellte und die Steuern zu zahlen hätte.

Bauleiter äußert sich zur Zerstörungstour mit Bagger

Der Bauunternehmer wollte ein Exempel statuieren. „Es war eine Art Hilfeschrei. Ich konnte nicht anders“, gestand er in dem „Blick“-Beitrag. Die Bauträgergesellschaft zeigt jedoch wenig Verständnis für die emotionale und verzweifelte Tat. Darüber hinaus sei der Vorwurf, dass offene Rechnungen im Raum stünden, haltlos. Mittlerweile bereut der Bauleiter seinen Ausraster und auch bei den Mietern hätte er sich bereits entschuldigt – um eine Strafe wird der 47-Jährige dennoch nicht drumherum kommen.

Erstmeldung vom 30.07.2021: Etwa fünfzig Schaulustige in der Vogtgasse in Blumberg nahe der Schweizer Grenze wurden am Mittwochabend Zeuge einer unvorstellbaren Tat aus Wut. Ein Bauunternehmer aus der Nähe von Bad Kreuznach demoliert mit einem Bagger mutwillig einen Gebäudekomplex mit dreißig schlüsselfertigen Wohnungen. Danach fährt er seelenruhig mit dem Auto davon und stellt sich kurz darauf selbst der Polizei. Dort nennt er auch den Grund für die Bagger-Amok-Tour: Der Auftraggeber soll Rechnungen nicht bezahlt haben, die ihm zustünden.

Die entsprechende Baufirma allerdings wehrt sich gegen die Vorwürfe. Sie könne beweisen, dass alles bezahlt wurde. Nach neuen Erkenntnissen war bei der Zerstörungstat kein Alkohol im Spiel. Der Polizei sind auch keine psychischen Probleme des Täters bekannt, wie Jörg-Dieter Kluge vom Polizeipräsidium Konstanz der Badischen Zeitung berichtete. Nach der Anhörung wurde der Bauleiter wieder entlassen. Es bestünde kein Grund, ihn weiter festzuhalten.

Bauherr sieht rot: wegen Zahlungsunstimmigkeiten verwüstet er mit Bagger mehrere Neubauwohnungen.

Ihm droht nun eine Anzeige mindestens wegen Sachbeschädigung. Doch das muss erst geklärt werden. „Wenn ihm das Haus aber zum Tatzeitpunkt selbst gehörte, wie der Täter bei uns aussagte, dann kann man in diesem Fall von keiner Sachbeschädigung sprechen“, stellt Polizeisprecher Kluge klar. Fraglich ist, ob das Haus aber dem Bauleiter gehört, solange es Auftraggeber nicht bezahlt haben. Verwirrend.

Amokfahrt mit Bagger: Künftige Anwohner stehen vor einem Trümmerhaufen

Die neugebauten Wohnungen gleichen einem Trümmerfeld. Mit der Schaufel des kettenbetriebenen Baggers zerstörte der wütende Bauherr große Teile der Fassade, schlug Fensterscheiben ein und riss Balkone herunter. Auch eine angrenzende Garage demolierte der 47-jährige Wut-Täter. Da sich auf der Garage noch Gasflaschen befanden, von denen Explosionsgefahr ausging, sperrte die Polizei das Gelände großflächig ab. Der Schaden der Racheaktion beläuft sich auf 500.000 Euro.

Ob es Auswirkungen auf die Statik des Gebäudes gibt, wird noch geprüft. Es ist nicht auszuschließen, dass das Gebäude aufgrund der entstandenen Schäden komplett abgerissen werden muss. Der finanzielle Aufwand wäre nicht auszudenken. Vor allem, da die Immobilienpreise durch Homeoffice gerade in ungeahnte Höhen steigen.

Die Amokfahrt mit einem Bagger hinterlässt in Blumberg ein Bild der Verwüstung.

Glücklicherweise befanden sich zum Tatzeitpunkt keine Menschen im Neubaukomplex und es wurde niemand verletzt. Doch die Wohnungen sollten in den nächsten Tagen bezogen werden. Viele der künftigen Anwohner, die das schlüsselfertige Gebäude Anfang August beziehen wollten, stehen vor der Frage, wo sie nun wohnen sollen. Die Frage, was man bei Schäden am Eigenheim tun kann, mussten sich in den vergangenen Wochen viele Betroffene stellen. In weiten Teilen Deutschlands sorgten Regenfälle für Überflutungen und vollgelaufene Keller*.

Blumbergs Bürgermeister Markus Keller ist laut Aussagen gegenüber der Badischen Zeitung in Gedanken bei den Geschädigten. Er verurteilt die Racheaktion aufs Schärfste: „Das war keine Affekthandlung, sondern eine ganz bewusste Aktion“, so Keller.

Zerstörungstat war geplant: Bagger wurde Stunden zuvor geliehen

Da auf der fertigen Baustelle kein Bagger mehr gebraucht wurde, bestellte der Bauunternehmer kurzerhand einen per Telefon. Der Verleiher und Baggerbesitzer Manuel Rustler erfuhr erst Stunden später, wofür seine Arbeitsmaschine verwendet wurde. Als Unternehmer verstehe er den Frust des Bauherren über ausbleibende Zahlungen, aber er hätte das Baugerät niemals verliehen, wenn er gewusst hätte, was dieser damit vorhatte.

Der Verdächtige ist seit Jahren Kunde bei dem Baumaschinenverleih und fiel niemals negativ auf. „Der Unternehmer hat über die Jahre fünfzehn Bagger und andere Maschinen bei uns gemietet. Ich kenne ihn als sehr zuverlässig.”, erzählt Rustler der BILD. „Man kann nicht in die Köpfe der Menschen schauen, sonst hätte ich ihm den Bagger sicherlich nicht geliefert.“, so Rustler.

Frustaktion in Blumberg zerstört wertvolle Baustoffe

Für die leidtragenden Anwohner bleibt zu hoffen, dass der Konflikt zwischen Bauherr und Auftraggeber schnellstmöglich gelöst und der Schaden an dem Gebäudekomplex behoben werden kann. Gerade in dieser Zeit, wo Baumaterial das neue Gold ist. Durch den Bau-Boom gibt es einen Lieferengpass für Rohstoffe, die Preise sind auch für Bremer Handwerker ein unkalkulierbares Risiko.

Doch auch in diesem Wettlauf bleiben viele auf der Strecke. Trotz der steigenden Nachfrage profitieren Waldbauern nicht von den explodierenden Holzpreisen. Die mutwillige Zerstörung von Neubauten hat angesichts dieser Fakten eine noch negativere Auswirkung auf die heimische Wirtschaft. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Hardy Faißt/dpa & Hartwig Lohmeyer/imago

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