Prozess am Landgericht Lüneburg

Ex-Leiter eines Kinderheims gesteht vor Gericht sexuellen Missbrauch

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Der Angeklagte Wolfgang W. gestand die Taten vor dem Landgericht Lüneburg.

Lüneburg - Ein früherer Betreuer in einem niedersächsischen Kinderheim hat vor Gericht den sexuellen Missbrauch von Jungen gestanden. In einer vor dem Landgericht Lüneburg verlesenen Stellungnahme machte er am Dienstag andere Angaben zum zeitlichen Ablauf als die Anklage.

Nach einem vom Vorsitzenden Richter vorgetragenen Durchsuchungsprotokoll der Polizei soll es sich bei dem 47-Jährigen sogar um einen früheren Leiter der kleinen ländlichen Einrichtung im Landkreis Lüneburg handeln. Der Anklage zufolge soll der Mann zwei Kinder im Alter von 12 bis 14 Jahren in insgesamt 49 Fällen missbraucht und dabei zahlreiche Fotos und Videos gemacht haben.

Einen zunächst Zwölfjährigen soll der Mann in dem Heim für milieugeschädigte Kinder mit derzeit sieben Plätzen zwischen 2005 und 2007 missbraucht haben, den anderen Jungen 2015. Nach den Angaben des Angeklagten soll der Missbrauch des ersten Opfers dagegen erst 2007 begonnen haben.

Das könnte bei auch bei der Strafzumessung eine Rolle spielen, weil es sich dann möglicherweise nicht mehr um ein Kind unter 14 Jahren gehandelt hätte. Die Staatsanwaltschaft sprach zu Prozessbeginn von "beischlafähnlichen Handlungen". So soll der Angeklagte an den Jungs Oralverkehr praktiziert und sie massiert haben.

Belohnungssystem für Missbrauchsopfer

Für die Opfer habe es ein Belohnungssystem gegeben. Danach seien bestimmte Summen pro Missbrauch, etwa für elektronische Geräte, verrechnet worden. Die Anklage sprach von "Abarbeiten" und brachte auch eine mögliche Sicherungsverwahrung ins Spiel. Der Vorsitzende deutete die Möglichkeit eines mehrjährigen Berufsverbots an.

Der Angeklagte hatte das Heim nach Medienangaben Ende der 1990er Jahre mit seiner Lebensgefährtin gegründet. "Insgesamt treffen die gegen mich erhobenen Vorwürfe im Wesentlichen zu", hieß es in der Erklärung des Angeklagten. Er entschuldigte sich bei den Opfern und nannte dabei vier Namen. Angeklagt ist jedoch nur der Missbrauch von zwei Jungen.

Er habe helfen und Gutes tun wollen, ließ der 47-Jährige verlesen. Es sei ihm bei seinem pädagogischen Konzept um "Freude an der körperlichen Begegnung" gegangen, um eine von Beziehung und Zwängen befreite Sexualität.

Umdenken des Pädagogen in der U-Haft 

Erst in der Untersuchungshaft habe er seine Ansichten überdacht und Abstand genommen, nachdem er von den seelischen Folgen bei dem älteren der beiden Opfer gehört habe. Der junge Mann ist bis heute in psychologischer Behandlung. "Diese Nachricht hat meinen Lebensentwurf zerstört", erklärte der Angeklagte, der Missbrauch tue ihm "unendlich leid".

Er wolle nicht mehr in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen arbeiten. "Ich schäme mich und bereue mein Verhalten." Fragen der Kammer auch zu den bei einer Durchsuchung gefundenen Fotos und Videos wolle der 47-Jährige während des Verfahrens nicht beantworten, hieß es am Ende.

Am kommenden Montag soll das ältere der beiden Opfer aussagen, der junge Mann tritt als Nebenkläger auf. Ein Urteil könnte am 7. Juli fallen. - dpa

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