56 Menschen starben

28-jähriger Angeklagter bestreitet, ein Schleuser zu sein

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Das Landgericht Osnabrück verhandelt einen mutmaßlichen Schleuser-Prozess gegen einen 28-Jährigen.

Osnabrück - Ein 28-jähriger Afghane, der wegen des Verdachts auf Schleusertätigkeiten mit Todesfolge vor dem Osnabrücker Landgericht steht, hat seine Unschuld beteuert.

Er selbst sei vor den Taliban aus seiner Heimat geflüchtet und habe 3500 Euro an mehrere Schleuser bezahlt, um nach Europa zu gelangen, betonte der junge Mann am Dienstag in einer schriftlichen Erklärung, die von Rechtsanwalt Thorsten Diekmeyer verlesen wurde: „Ich bin kein Schleuser, sondern ein Flüchtling, der selbst fast ums Leben gekommen wäre.“ 

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe zwei afghanische Frauen und ihre vier Kinder ohne Visa und gegen Bezahlung auf ein seeuntüchtiges Boot gebracht. Durch das Kentern des Schiffes sind die Frauen und Kinder ums Leben gekommen. 

Er habe sich während der Flucht als Familienangehöriger der beiden Frauen ausgegeben, weil er hoffte, so schneller weiterzukommen, erklärte der Angeklagte weiter. Familien mit Kindern seien an den Grenzen und von den Schleusern bevorzugt behandelt worden. 

Die Anklage spricht von drei Schleusern

Laut Anklage soll Ismail G. Anfang 2016 gemeinsam mit zwei weiteren noch nicht identifizierten Personen eine Gruppe von Flüchtlingen innerhalb der Türkei von Istanbul nach Bodrum begleitet und dort auf das Boot gebracht haben. Darunter seien die beiden Schwestern und die vier Kinder zwischen einem und sieben Jahren gewesen. 

Den Auftrag soll er von einem bislang unbekannten Täter bekommen haben. Für den Schleuserjob habe er 16.200 Euro bekommen. Im Verlauf der Verhandlung sollten mehrere Zeugen gehört werden. Er selbst soll ebenfalls in das erkennbar seeuntüchtige Boot gestiegen sein, das vor der griechischen Insel Kalimnos schließlich am 22. Januar 2016 gesunken sei. 

Nur 24 Menschen überlebten das Unglück

Von über 80 Flüchtlingen auf dem Boot sollen nach dem Kentern 24 Menschen gerettet worden sein - unter ihnen Ismail G., der als Einziger eine Rettungsweste getragen haben soll. 

Ein Zeuge der Tragödie will ihn später als mutmaßlichen Schleuser identifiziert haben. Daraufhin wurde der Afghane im Dezember 2017 an seinem Wohnsitz in Wallenhorst bei Osnabrück festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. - epd

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