Alternativen für die Großstadt

Initiative fordert 1.100 Euro jährlich für jeden, der kein Auto hat

Das Leben soll nachhaltiger und umweltfreundlicher werden, Autos sollen dafür weg. Für Menschen, die auf ihren Wagen verzichten, könnten Belohnungen winken.

Berlin – Die Gemeinde Denzlingen in Baden-Württemberg hat es vorgemacht: Wer auf sein Auto verzichtet, wird belohnt. Nun folgte eine Großstadt dieser Idee.

StadtBerlin
Fläche891,8 km²
Bevölkerung3,645 Millionen (2019)
BürgermeisterMichael Müller

Eine Berliner Initiative fordert 1.100 Euro jährlich – also knapp 100 Euro im Monat – für jeden Bürger, der kein Auto besitzt und stattdessen auf Alternativen wie Carsharing, das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel zurückgreift. Zum Vergleich: Ein Jahres-Abo für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) kostet rund 1.000 Euro.

60.000 weniger Privatwagen in Berlin möglich

Nach Berechnungen der Initiatoren von Changing Cities und dem Institut für urbane Mobilität könnten so 60.000 Privatwagen weniger in der Hauptstadt unterwegs sein. In Berlin sind aktuell rund 1,2 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen Die Kosten für die sogenannte Freie-Straße-Prämie lägen bei rund einer Milliarde Euro. Finanziert werden soll der Bonus über die „Einnahmen aus dem CO₂-Preis“, heißt es. In Berlin wurde bereits ein Modellprojekt umgesetzt, durch das die Friedrichstraße komplett autofrei aufblühen soll.

Ein Jahres-Abo für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) kostet rund 1.000 Euro.

Geld-Prämie könnte zum Auto-Verzicht animieren

Verkehrswissenschaftler Andreas Knie rechnet damit, dass etwa 50 Prozent der Autobesitzer im Alltag auf ihr Auto verzichten können. Eine Prämie bewege mutmaßlich viele Menschen dazu, über einen Verzicht nachzudenke. Dafür müsse laut Knie aber das ÖPNV-Angebot deutlich ausgebessert werden, da Autofahrer die mobile Unabhängigkeit gewohnt seien.

Dazu sei eine Von-Tür-zu-Tür-Versorgung erforderlich. Der noch notwendige Blick auf den Fahrplan mindert aus Sicht von Knie die Bereitschaft vieler Menschen, vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen. Die Länder fordern ohnehin schon zusätzliche Milliarden für den ÖPNV-Ausbau.

Preise für ÖPNV steigen immer weiter

Die Preise für Busse und Bahnen sind von 2000 bis 2018 um fast 80 Prozent gestiegen, während sich die Anschaffungs- und Unterhaltskosten für ein Auto laut Statistischem Bundesamt nur um 36 Prozent vermehrt haben. Somit bleibt für viele das Auto weiterhin die günstigere und praktischere Wahl, um von A nach B zu kommen. Nur mit Anreizen wie der Prämie von 1.100 im Jahr könne man die Menschen dazu bewegen, beispielsweise auf den ÖPNV umzusteigen, ist sich der Verkehrsforscher sicher.

Autofreie Städte wären ein wichtiger Schritt für die Zukunft. Denn Deutschland soll laut Klimaschutzplan der Bundesregierung bis 2045 „weitgehend treibhausgasneutral“ sein. Die Alternative Elektro-Roller sorgt allerdings für ordentlich Zoff: Köln will die umstrittenen E-Scooter kicken – also vielleicht besser aufs Fahrrad umsteigen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christoph Hardt/imago-images

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