Bundeskanzlerin Angela Merkel macht auf Wahlkampftour Station in Minden

Zwischen Hollande und G20

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Kennen sich seit 2009: Steffen Kampeter und Angela Merkel.

Minden - Von Volker Knickmeyer. Rund 4.000 Menschen wollen sie sehen: Bundeskanzlerin Angela Merkel war nach 2009 einmal wieder auf Kurzbesuch im Kreis Minden-Lübbecke (wir berichteten). Es ist Bundestagswahlkampf.

Am 22. September wird entschieden, wie es in Deutschland weitergeht. Auf dem Mindener Marktplatz ist am Donnerstagabend kaum noch ein Durchkommen.

Politisch Interessierte, eingefleischte CDU-Mitglieder, Schaulustige, lärmende Schleusenwärter, die um ihre Jobs bangen, und Vertreter von Splitterparteien wollen hören, was Europas mächtigste Frau zu sagen hat – oder eben einfach nur protestieren.

Sky-Fußballmoderator Thomas Wagner bemüht sich, Wahlkampfstimmung und Begeisterung zu entfachen, doch der Funke springt nicht richtig über. Doch als Merkel schließlich mit 20 Minuten Verspätung aus ihrem schwarzen Audi steigt, steigt auch die Stimmung: Orange-weiße „Angie“-Schilder, die begeistert geschwenkt werden, dominieren. Eine einsame Piratenflagge geht im Jubel unter. Steffen Kampeter, heimischer Bundestagskandidat der CDU und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, sowie CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe entern gemeinsam mit Angela Merkel die Bühne.

Die Parteivorsitzende hat zuvor noch Hermann Kokemoor aus Varl persönlich begrüßt. Mit seinen fast 100 Jahren ist er das älteste noch lebende Gründungsmitglied des CDU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen.

Kampeter beantwortet gleich die erste an Merkel gestellte Frage und löst damit eine leichte Verwirrung aus: Ob sie sich denn an ihr erstes Treffen erinnern können, fragt der Moderator. Kampeter weiß es, Merkel hat es vergessen. Es war Anfang der 90er Jahre in einem ungarischen Restaurant.

Merkel lobt den studierten Volkswirt für seine wichtige und herausfordernde Arbeit im Bundesfinanzministerium. Ob die CDU-Chefin als bekennender Fußballfan sich denn auch einmal ein Handballspiel im Mühlenkreis anschauen würde, fragt Kampeter. Die Kanzlerin umschifft die Frage, schnell ist man nach etwas Lokalkolorit bei der großen Politik angekommen.

Ihre Verspätung erklärt sie mit wichtigen Telefonaten. So hätte sie noch eben mit dem französischen Staatspräsidenten Hollande über die Syrienkrise gesprochen. Man sei sich einig, die Untersuchung durch UN-Inspektoren vorerst abzuwarten und dann eine Resolution im UN-Sicherheitsrat anzustreben.

Merkel kündigt an, sie werde nach einem Wahlsieg am 22. September Arbeitgeber und Gewerkschaften, die keine Vereinbarung über Mindestlöhne hinbekämen, zu Tarifverträgen verpflichten. Rund 100 Schleusenwärter, die am Rande der Kundgebung demonstrieren, quittieren das mit lauten Pfiffen. Merkel verweist auf die stolze Bilanz ihrer Regierungsarbeit.

So sei die Zahl der Arbeitslosen unter ihrer Regie von rund fünf Millionen aktuell auf unter drei Millionen gefallen. Aber man dürfe deshalb nicht die Hände in den Schoß legen.

Herausforderer Peer Steinbrück wird im gesamten Auftritt mit keiner Silbe erwähnt. Allenfalls die Grünen bekommen einen Seitenhieb für ihren Vorschlag, einen „Veggie Day“ einzulegen. „Ich komme aus einem Pastorenhaushalt, da gab es freitags nie Fleisch. Ich bin da für freiwillige Vereinbarungen“, meint Merkel.

Bezüglich des Euros sagt sie, dass dieser nicht nur eine Währung sei, sondern eine gemeinsame Aufgabe, die letztlich für Frieden und Wohlstand in der Welt stehe. 50 Prozent aller weltweiten Sozialausgaben würden für den Anteil von sieben Prozent der Europäer an der Weltbevölkerung ausgegeben.

Steuererhöhungen in der nächsten Legislaturperiode solle es nicht geben: „Wir müssen lernen, mit dem auszukommen, was wir einnehmen. Nächstes Jahr haben wir eine strukturelle Null im Haushalt und ab 2015 werden konkret Schulden abgebaut“, so die Kanzlerin. Kurz nach 18 Uhr verlässt Angela Merkel die Weserstadt wieder und fliegt per Hubschrauber zum nächsten Wahlkampfauftritt im hessischen Fritzlar.

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