Protest gegen Biogasanlage in Haldem

„Wollen die Maßnahme verhindern“

„Das Vorhaben sprengt jeglichen Rahmen“: Die 70-jährige Karin Schwingel wehrt sich vehement gegen den geplanten Bau einer Biogasanlage am Westernort in Haldem.

Haldem - Von Gerhard Scheland· In Haldem haben sich Nachbarn nichts mehr zu sagen. Stein des Anstoßes ist eine Biogasanlage, die der Landwirt Friedhelm Schmedt auf seinem Hofgelände am Westernort 13 errichten möchte. Er hat einen entsprechenden Bauantrag gestellt. Das wollen die nur einen Steinwurf entfernt wohnenden Karin (70) und Klaus Schwingel (74) verhindern. Das Ehepaar hat kein Verständnis dafür, dass hohe Silos einer Biogasanlage schon bald den Blick aus ihrem ländlichen Altersruhesitz an der Ritzenburg 7 für alle Zeiten trüben.

       Rückendeckung erhalten die Eheleute Schwingel von der Tochter der ganz in der Nähe wohnenden 88-jährigen Annelies Henkel. Gemeinsam haben sie einen Fachanwalt für Verwaltungsrecht eingeschaltet, um privatrechtlich gegen den Bau der Biogasanlage vorzugehen. Unterstützung im Rechtsstreit haben inzwischen auch Renate und Hartmut Quebe zugesagt. „Wir werden die Planungen des Landwirts nicht widerspruchslos hinnehmen, wir werden alles tun, um die Maßnahme zu verhindern“, zeigt sich Karin Schwingel entschlossen.

Bekanntlich hatte der Haupt- und Finanzausschuss der Gemeinde Stemwede erst jüngst das mit Auflagen verbundene gemeindliche Einvernehmen mit dem Antrag der Bioenergie Schmedt GmbH & Co. KG hergestellt. U.a. fordert die Gemeinde in ihrer Stellungnahme im Zuge des Genehmigungsverfahrens eine Verbreiterung der Straße gegenüber der Ritzenburg-Zufahrt. Zudem müssen die Betreiber für die Kosten aufkommen, die bei Schäden an gemeindeeigenen Straßen anfallen.

Die Planungen sehen vor, die Anlage durch einen bepflanzten Wall und einen Grünstreifen von der Straße zu trennen. Das reicht der Familie Schwingel aber nicht: „Es ist unseren Kindern kaum zuzumuten, unser Haus in unmittelbarer Nähe dieser Silos zu übernehmen. Damit ist schon jetzt ein Leerstand vorprogrammiert“, wettert Karin Schwingel und zeigt sich ausgesprochen kämpferisch. Insbesondere argumentiert sie mit den viel zu geringen Abständen zwischen der geplanten Biogasanlage und der Wohnbebauung in unmittelbarer Nachbarschaft. An diesem Standort kann die Biogasanlage nicht ohne Umweltbeeinträchtigungen betrieben werden“, ist sich die Seniorin sicher, „zumal durchaus andere Standorte für den Bau zur Verfügung stehen würden“.

Inzwischen haben die streitbaren Nachbarn ein Gegengutachten erstellen lassen, und das macht ihnen Hoffnung, zumal es in mehreren Passagen zu ganz anderen Ergebnissen kommt wie das Gutachten des potenziellen Anlagenbetreibers. „Allein schon deswegen wird wohl noch eine ganze Zeit ins Land gehen, bis die Anlage steht“, sagt Karin Schwingel. „Ein Einvernehmen mit Auflagen seitens der Gemeinde heißt für uns noch lange nicht, dass das Einvernehmen auch für die anliegenden Nachbarn gilt. Bisher haben wir Verständnis für die von dem landwirtschaftlichen Betrieb ausgehenden Emissionen Verständnis gezeigt, das Bauvorhaben sprengt jetzt aber jeglichen Rahmen. Mit der zu befürchtenden Geruchsbelastung möchten wir nicht leben.“

In Gesprächen und Telefonaten werde immer wieder darauf verwiesen, dass die Anlieger meist selbst Landwirte seien und die Verhältnisse kennen würden. „Das mag früher so gewesen sein, heute gilt das nicht mehr“, betont die 70-Jährige. „Damals haben wir selbst eine kleine Landwirtschaft betrieben, den Betrieb aber schon lange aufgegeben.“

Im Übrigen ist die Seniorin der Meinung, das viel zu viel Biogasanlagen gebaut würden. „Das geht eindeutig zu Lasten der Allgemeinheit. Dagegen wird bei der Forschung nach alternativen Technologien wie beispielsweise Methan-Flüssigspeichern gespart“, kritisiert sie.

„Ich habe im Vorfeld Gespräche geführt und versucht, die Bedenken der Nachbarn aus dem Weg zu räumen. Das scheint aber nicht in jedem Fall gelungen zu sein“, bezieht der Landwirt Friedhelm Schmedt Stellung zu den Aussagen des Ehepaares Schwingel. „Jetzt muss wohl die Rechtsprechung abwägen, ob der Landwirtschaft im ländlichen Außenbereich noch Chancen eingeräumt werden, oder ob Altersruhesitzen und Familiendomizilen ein höherer Stellenwert beigemessen wird“, ergänzt er.

Den Bau der Biogasanlage begründet er damit, dass sein Sohn als Betriebsnachfolger den Hof noch mindestens drei Jahrzehnte weiterführen möchte. „Wir betreiben in unseren derzeit noch konkurrenzfähigen Stall-Kapazitäten Schweinezucht und -mast. Für die Zukunft müssen wir aber nach einem weiteren Standbein suchen“, erläutert er sie Lage. Deswegen habe er den Bau einer Biogasanlage auf seinem Hofgrundstück beantragt. Sicherlich hätte es Standort-Alternativen zum Westernort gegeben, gibt es zu. „Mit dem Bau in 300 Meter Entfernung wäre ich auch einverstanden gewesen. Leider hat sich aber niemand zu einem Grundstückstausch bereit erklärt“, so Schmedt. Eine weitere Alternative hätte es 1 000 Meter vom Hof entfernt gegeben und von dort aus die Grundschule und der Kindergarten mit Wärme versorgt werden können. „Der Standort war im Sinne des Baurechts aber nicht mehr privilegiert.“

Zum Gutachten für den jetzigen Standort stellt der Landwirt fest, dass die zu erwartenden Geruchsimmissionen so niedrig lägen, dass die Grenzwerte nur zu 70 Prozent erreicht würden. Zudem verspricht er, den Wall rund um die Anlage aufwändiger zu begrünen, als es die Auflagen vorschreiben. „Aber auch diese Zusage und das Angebot von Heizenergie haben die Bedenken bei manchen Anliegern wohl nicht ganz aus dem Weg räumen können“, vermutet der Landwirt.

„Dass hier keiner laut Hurra schreit, wenn wir so eine Anlage bauen, ist mir schon klar. Ich habe aber gehofft, dass der Vorteil der Nahwärmeversorgung die Nachteile aufwiegen würde“, betont der potenzielle Betreiber der Anlage. „Bei gegenseitigem Verständnis und Rücksichtnahme könnte das aber immer noch funktionieren, denn schließlich wohnen wir hier schon ein halbes Jahrhundert quasi Haus an Haus.“

▪ Anderer Standort

▪ nicht privilegiert

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