Stemweder Bürgerinitiative gegen Windkraft in der Babbelage gründet Verein

„Wir geben nicht klein bei“

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Der Vorstand des neuen Vereins „Veto – Bürger gegen Windkraft in der Babbelage“ (v.l.): Jan-Dirk Laker, Reinhard Obernolte, Marion Wehdebrock, Rainer Wehdebrock, Wolfgang Klawitz, Kai Clausjürgens, Herbert Look, Sylvia Steinkamp, Peter Götz und Sabine Beier. ·

Stemwede - Von Melanie RussDie Stemweder Bürgerinitiative gegen Windkraftanlagen in der Babbelage ist zu allem entschlossen. Daran lässt ihr Sprecher Wolfgang Klawitz am Montagabend keinen Zweifel, als sich die Mitglieder im Gasthaus Piel in Hollwede zur Gründung eine Vereins versammeln. Mit diesem Schritt wollen sie sich für den aufziehenden Sturm rüsten. Denn bei Rechtsstreitigkeiten – und dazu werde es mit Sicherheit kommen – habe ein Verein einen besseren Stand, als „ein loser Haufen“, ist Klawitz überzeugt. 25 der gut 40 Anwesenden tragen sich in die Mitgliederliste ein und wählen anschließend den Vorstand mit Wolfgang Klawitz an der Spitze.

Der neue Verein „Veto – Bürger gegen Windkraft in der Babbelage“ will sich wie die ihm vorausgehende Bürgerinitiative für die Gesundheit der Anwohner, stabile Stromkosten und gegen eine Verspargelung der schönen Stemweder Landschaft stark machen. Lärm, Infraschall und Schattenschlag würden zu erheblichen gesundheitlichen Belastungen führen, ist der Verein überzeugt. Ein Mindestabstand von 450 Metern sei „ein Witz“. Wenigstens 2 000 Meter müssten es schon sein. Auch, dass zu viel produzierter Ökostrom aus dem Netz ferngehalten werde, die Verbraucher aber dennoch zahlen müssten, und Grundstückseigentümer mit einem Preisverfall rechnen müssten, sei nicht hinnehmbar.

In seinen einleitenden Worten skizziert Klawitz die Entwicklung der Windenergie in Stemwede und erinnert an Aussagen aus der Ära Ekkehardt Stauss: „Anlagen können nur dort gebaut werden, wo sie niemanden stören. Anlagen dieser Größenordnung darf man den Menschen nicht vor die Nase setzen.“ Damals, 2008, sei es um 150-Meter-Anlagen und einen Mindestabstand von 1 500 Metern gegangen, heute spreche man dagegen von 200 Meter hohen Anlagen und einem Abstand von 450 Metern. „Das ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Anwohners“, empört sich der Aktivist.

Nach dem NRW-Winderlass, der bis 2020 eine Erhöhung des Windenergieanteils an der Stromerzeugung von 15 Prozent vorsieht, sei in Stemwede eine wahre Goldgräberstimmung ausgebrochen. Klawitz verweist in diesem Zusammenhang auf die Gründung der Bürgerwindpark GbR, die zunächst sechs Windenergieanlagen in der Babbelage errichten möchte. Deren Begründung, die Region durch neue Einnahmequellen fördern und das Abfließen von Kaufkraft verhindern zu wollen, hält Klawitz für vorgeschoben. Den Politikern wirft er Interessenlosigkeit gegenüber von Windkraftanlagen betroffenen Bürgern vor. „Hauptsache, es können Vorranggebiete ausgewiesen werden“, sei deren Motto. Das im Grundgesetz verankerte Recht jedes Menschen auf körperliche Unversehrtheit werde schändlich missachtet.

Vieles von dem, was den Stemweder Aktivisten vermutlich noch bevorsteht, hat Ernst Lohmeyer von der Bürgerinitiative „Pro Pr. Oldendorf/Stemwede – contra Windkraft“ bereits hinter sich. „Die Arbeit, die wir in den vergangenen Jahren erbracht haben, kann niemand von außen erahnen.“ Es werde über Vögel und Fledermäuse geredet, an den Menschen aber werde nicht gedacht; der werde immer benachteiligt, beklagt ein aufgebrachter Lohmeier in der Versammlung. Er selbst, so sagt er, mag kaum noch vors Haus gehen, weil in unmittelbarer Nähe gerade Anlagen entstehen. Seine Erfahrung will Lohmeyer dem jungen Verein gerne zur Verfügung stellen. „Eine Kooperation zwischen den Vereinen ist wichtig.“ Er werde sich dafür einsetzen, dass ein Mitglied der Pr. Oldendorfer Initiative im Stemweder Beirat mitarbeitet.

Erstmals öffentlich in Erscheinung treten wird der neue Verein am Mittwoch, 29. Januar, in der Bauausschusssitzung, in der unter anderem über die Ende vergangenen Jahres vorgestellte Windkraft-Potenzialanalyse beraten wird. Im März soll es einen Informationsabend geben.

Wolfgang Klawitz gibt sich zum Abschluss der Versammlung kämpferisch: „Vielleicht steht uns auch ein so langer Kampf wie in Pr. Oldendorf bevor.“ Wenn es sein müsse gehe man bis vor das Verwaltungsgericht Münster. „Wir werden nicht klein beigeben!“

In den Vorstand wählten die Mitglieder neben dem ersten Vorsitzenden Wolfgang Klawitz Kai Clausjürgens (stellvertretender Vorsitzender), Marion Wehdebrock (Kassiererin), Rainer Wehdebrock (stellvertretender Kassierer), Sabine Beier (Schriftführerin) und Sylvia Steinkamp (stellvertretende Schriftführerin). Im Beirat sitzen Herbert Look, Peter Götz, Jan-Dirk Laker und Reinhard Obernolte.

GbR visiert

Gutachten an

Während der Verein gegen Windkraftanlagen in Hollwede gegründet wurde, beschrieb Guido Pelzer im Rahmen einer Versammlung der CDU-Ortsunion Wehdem/Westrup, welche Schritte die Bürgerwindpark Stemwede GbR als nächstes plant. Das von der Gemeinde initiierten Gutachten des Planungsbüros Bockermann und Fritze sei kein Grund, um eine Baugenehmigung zu bekommen, erklärte der Wehdemer. Zudem habe die GbR darauf keinen Zugriff. Deshalb gebe es die Überlegung, von einem unabhängigen Planungsbüro ein eigenes Artenschutzgutachten für die Babbelage anfertigen zu lassen. Geschätzte Kosten: 50 000 Euro.

Eine Entscheidung solle bei der nächsten GbR-Gesellschafterversammlung gefällt werden. Speziell das viel diskutierte Rotmilan-Vorkommen „werden wir auf unsere Kosten expliziter untersuchen lassen“, so Pelzer. Um kein Jahr ungenutzt verstreichen zu lassen, müsse die Begutachtung des Areals bereits im Februar starten.

Der Gemeinde habe die GbR für die Erstellung des Gutachtens für die Zusammenarbeit ein Joint Venture angeboten. Eine Antwort der Verwaltung gebe es jedoch nicht.

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