Mit Bockwindmühle bei 750-Jahr-Feier in Oppendorf

Windkraftmuseum setzt „Farbtupfer“

Kreiszeitung Syke

Oppendorf - (ges) n Der Förderkreis Mühlenheider Windkraftmuseum setzt am morgigen Sonntag auf der „Feiermeile“ anlässlich des 750. Dorf-Geburtstages im Zentrum der Ortschaft Oppendorf einen „Farbtupfer“: Zu sehen ist auf dem Stand des Vereins eine Windkraftanlage nach historischem Vorbild. Die etwa fünf Meter hohe Energiegewinnungsanlage ist als Bockwindmühle gestaltet und spannt einen Bogen zur Oppendorfer Mühlengeschichte.

        „Wir wollten den Besuchern der 750-Jahr-Feier optisch etwas Besonderes bieten“, sagt Vereinsvorsitzender Friedrich Bosse, „deswegen haben wir rechtzeitig mit der Restaurierung unseres jüngsten von inzwischen 14 Exponaten begonnen.“

Bosse weiß einiges über die Geschichte der historischen Anlage: Erbauer ist der am 26. November 1905 in Westpreußen (Schlagenthien) geborene Tischlermeister Josef Hellwig. Sein Lebensziel war bereits in jungen Jahren die Erbauung einer Windmühle zur Stromerzeugung.  Eine ähnliche Mühle gab es bereits in seiner Heimat. Während der Kriegszeit organisierte ein Kriegskamerad einen D-Zug-Generator und schickte ihn an die Adresse seiner  alten Heimat.

Während der Kriegswirren flüchtete Josef Hellwig aus Westpreußen und kam 1945 mit einer Hobelmaschine nach Dickel in der Samtgemeinde Rehden im benachbarten Niedersachsen. Seinen Lohn verdiente er sich  bei den Bauern in der Umgebung. Im Jahre 1951 erbaute er ein Wohnhaus mit Werkstatt an der Hauptstraße Nr. 103.

Weil Hellwig sein Lebensziel auch in der neuen Heimat weiter verfolgte, organisierte er für die Stromgewinnung eine Lichtmaschine aus einem Panzer. Als Ruheständler wollte er Anfang der 80iger Jahre sein Ziel realisieren. Nach anderthalbjähriger Bauzeit war seine Bockwindmühle fertig. Strom erzeugt hat er damit allerdings nicht mehr, weil Josef Hellwig am 5. Dezember 1991 verstarb. Der Besitz der Bockwindmühle ging durch Sohn Felix auf den  Dickeler Windmühlenfreund Ulrich Heßlau über. Der wiederum stiftete die Mühle an den Förderkreis Mühlenheider Windkraftmuseum. Deren Mitglieder begannen gleich mit den notwendigen Restaurierungsarbeiten.

Eine Besonderheit bei der Sanierung war und ist, dass bei den Fassadenarbeiten der aus Dickel stammenden Windmühle die Holzschindeln der ehemaligen Oppendorfer Windmühle, die 1834 in der Mühlenheide errichtet wurde, wiederverwendet wurden.

Von der Bauart her war die Oppendorfer Mühle eine Sonderform vom Typ Durchfahrtholländer, bei der man mit dem Fuhrwerk auf der einen Seite in den Mühlensockel hinein- und an der anderen Seite wieder herausfahren konnte. Mitten in der Durchfahrt, im Mühlenkeller quasi, wurden dann die Mehl- oder Getreidesäcke mit dem mühleneigenen Hebezug auf- und abgeladen.

Die bei der Bauart übliche Holzgalerie, die zur Arbeit an den Flügeln diente, war bei der Oppendorfer Variante durch einen Erdwall ersetzt worden. Ausgestattet war die Mühle mit vier Mahlgängen. Einer diente speziell zur Herstellung von Weizenmehl.

Nach dem Abbruch der Oppendorfer Windmühle im Jahre 1971 sind nur noch ein Teil der Schindeln, 2 000 Stück etwa, erhalten geblieben. Sie wurden von Günter Heitmann für die Restaurierungsarbeiten gestiftet.

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