Rahdener Arzt Dr. Siegfried John hilft auf den Philippinen Taifun-Opfern

„Wenn man das ganze Elend sieht, das ist schon heftig“

Unter Planen vor dem immer wieder einsetzenden Monsun-Regen geschützt versorgte der Rahdener Arzt Dr. Siegfried John (links) seine Patienten. Dolmetscher halfen bei der Verständigung.
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Unter Planen vor dem immer wieder einsetzenden Monsun-Regen geschützt versorgte der Rahdener Arzt Dr. Siegfried John (links) seine Patienten. Dolmetscher halfen bei der Verständigung.

Rahden - Von Melanie Russ. Ganze Dörfer sind dem Erdboden gleich gemacht, selbst massive Häuser völlig zerstört, riesige Kokospalmen liegen reihenweise am Straßenrand, umgeknickt, als wären sie Streichhölzer, unter den Trümmern liegen verwesende oder schon skelettierte Leichen – was sich die Menschen hierzulande kaum vorstellen können und bestenfalls aus den Nachrichten kennen, das hat Dr. Siegfried John zwei Wochen lang auf den Philippinen hautnah erlebt.

In der Sulangan Central School im Guiuan South District haben die deutschen Ärzte ein behelfsmäßiges Lazarett aufgeschlagen.

Am Wochenende kam der Rahdener Arzt zurück nach Deutschland – im Gepäck viele erschütternde Eindrücke, aber auch das Wissen, dass er wahrscheinlich vielen Menschen das Leben gerettet hat. Unter dem Dach der Hilfsorganisation Interhelp (Hameln), mit der er in Deutschland schon zusammengearbeitet hatte, flog er in die Anfang November von Taifun und Flutwellen zerstörten Gebiete der Philippinen. Von Guiuan aus flog ein Hubschrauber des amerikanischen Flugzeugträgers USS George Washington John, seine anfangs vier Kollegen und eine einheimische Rescue-Einheit, die übersetzte und alles Nötige organisierte, in die umliegenden Dörfer, wo die Ärzte dringend benötigte medizinische Hilfe leisteten.

Obwohl er nach eigenem Bekunden kein großer Fan des amerikanischen Militärs ist, war er froh, dass die Amerikaner einen Flugzeugträger entsandt hatten, der neben logistischer Unterstützung Unmengen an Trinkwasser produzieren kann. Für die tägliche Körperpflege musste allerdings eine braune Brühe reichen. „Ich habe gelernt, mit fünf Litern Wasser zu duschen“, sagt John. Die hygienischen Zustände seien katastrophal gewesen, überall liefen Ratten und riesige Kakerlaken herum. John fürchtet, dass sich in der feucht-warmen Luft der Monsun-Zeit bald Cholera ausbreiten wird.

200 bis 250 Patienten haben der Rahdener Arzt und seine Kollegen pro Tag behandelt, zumeist infizierte Wunden gereinigt und verbunden und eitrige, oft mehrere Zentimeter große Abszesse bei Kindern geöffnet. John: „Daran denke ich noch oft. Gott sei Dank hatten wir genügend Antibiotika dabei.“ Ohne eine Behandlung, so ahnt John, wären viele von ihnen an den Infektionen gestorben.

Am Ende der stressigen Tage hat John meistens eine Stunde gebraucht, bis er zur Ruhe kam. „Wenn man das ganze Elend sieht, das ist schon heftig.“ Aber der Rahdener hat auch positive Erfahrungen gemacht. „Ich habe eine sehr große Herzlichkeit erfahren. In jedem Dorf, das wir wieder verließen, sammelten sich die Menschen auf den Straßen und verabschiedeten uns.“

Auch die Arbeit eines Psychologen aus Manila hat Siegfried John tief beeindruckt. Er hat in den Dörfern eine Traumatherapie für Kinder, die ihre Eltern verloren haben, angeboten. Er habe sich ganz toll um die Kinder gekümmert und es geschafft, dass sie wieder lachen konnten. John: „Das war ein tolles Erlebnis.“

Weil nach Einschätzung des Rahdener Arztes noch viel mehr Hilfe dieser Art notwendig ist, möchte er Anfang nächsten Jahres dafür sorgen, dass der Psychologe noch ein weiteres halbes Jahr in den Katastrophengebieten tätig sein kann. Er hofft, mithilfe von Spenden den monatlichen Lohn und Utensilien für die Therapie finanzieren zu können. Nach Möglichkeit soll das Ganze über eine gemeinnützige Organisation laufen, damit Spendenquittungen ausgestellt werden können. Die Details müsse er noch klären, so John, wichtig sei ihm nur eines: dass das Geld eins zu eins auf den Philippinen ankommt.

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