Michel Beening ist seit 20 Jahren Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Dielingen / Mehr „Hochzeitstourismus“ und jüngeres Gottesdienst-Publikum

„Was ich predige, predige ich nicht nur der Gemeinde, sondern auch mir selbst“

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Seit 20 Jahren Pfarrer der Kirchengemeinde Dielingen: Michael Beening. ·

Dielingen - Nicht heimlich, dafür aber still und leise ging der 20. Jahrestag der Einführung Michael Beenings als Pfarrer in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Dielingen ins Land. Am 16. Januar 1994 hatte der damalige Superintendent Paul-Gerhard Tegeler den Nachfolger von Horst Schulte der Gemeinde vorgestellt. Was sich seitdem in seinem Wirken verändert hat, erklärt Beening im Gespräch mit unserer Zeitung.

An seine Anfänge an der Landesgrenze erinnert sich der heute 51-Jährige noch gut – auch wenn es wegen Anfeindungen keine schönen Gedanken sind. Die Gemeinde hatte damals offenbar ein Problem mit dem jungen, ledigen Pfarrer. Zwei Jahre dauerte es, bis er ihre volle Akzeptanz erfuhr. 1996 heiratete er in Dielingen seine Frau Elke, geb. Kleine-Heitmeyer, die im Laufe der Jahre die drei Kinder Benjamin, Jonathan und Sarah zur Welt brachte.

Am Anfang seiner Gemeindepfarrer-Karriere standen „Hausbesuche ohne Ende“ auf dem Arbeitsplan. Damals ging er neben dem Arbeitsalltag noch zu jeder Vereinsversammlung. Doch der überfüllte Terminkalender rächte sich recht schnell: Im Jahr 2000 brauchte Beening eine längere Auszeit. Diagnose: Burn out. „Die Gemeinde hat meine Wiederkehr mitgetragen“, sagt er heute.

Stärker für ihn in den Mittelpunkt gerückt ist seitdem bei der Altenarbeit beispielsweise die Seelsorge in Umbruchssituationen, etwa die Begleitung am Krankenbett oder bei Sterbefällen. Mittlerweile will er hauptsächlich die Termine wahrnehmen, wo wirklich ein Kirchenmann gebraucht wird. „Ich gehe gerne dahin, wo ich gebraucht werde und lasse weg, wo ich fehlen darf“, so der Geistliche. Neben diesem Einsatz und dem Tagwerk hat er für sich einen Schwerpunkt auf die Kinder-, Kindergarten-, Grundschul- und Jugendarbeit gelegt. Das hält jung und beinhaltet unter anderem die Kinderkirche, Gottesdienste mit der Grundschule Haldem, das Tauffest, die beliebten Ready-to-go-Gottesdienste und vieles mehr. Auch für eine regelmäßige Begegnung mit den Nachbarkirchengemeinden setzt er sich ein.

Beobachtet hat Beening im Laufe der Zeit zwei Dinge: Zum einen, dass der „Hochzeitstourismus“ in Dielingen zugenommen hat. Mehr Paare von außerhalb als früher wollen sich in St. Marien trauen lassen. Für den Pfarrer bedeutet das mehr Arbeit und dadurch weniger Zeit für seine Gemeinde. Bei allen neumodischen „Hochzeitszutaten“ wie Tauben oder Schmetterlingen steht für Beenings Trauzeremonien fest: „Es muss auch das Normale geben.“ Er nennt das das „Schwarzbrot des Glaubens“.

Zufrieden konnte der Gemeindepfarrer feststellen, dass die Altersstruktur der Gottesdienst-Besucher gesunken ist. Wo früher meist betagte Gläubige in den Bänken saßen, haben heute viele junge Leute ihren Platz.

Deutlich beliebter als früher sind Gottesdienste an besonderen Orten wie beispielsweise auf dem Drohner Dorfplatz im Zuge des Dorfjubiläums. „Ich liebe zwar normale Sonntagsgottesdienste, mache aber auch gerne mit, wenn die Leute das Bedürfnis haben, ihre Feste mit einem Gottesdienst zu eröffnen.“ Gerade die Ausgestaltung der Feiern sowie das Predigen mag der Pfarrer, der für seine humorvolle Art ist er bekannt.

„Was ich predige, predige ich nicht nur der Gemeinde, sondern auch mir selbst“, versichert der Dielinger, der nicht über seinen Schäfchen stehen will. Wichtig ist ihm auch, dass er trotz seiner kumpelhaften Art nicht den Respekt der Gläubigen verliert. „Ich bin offen für Diskussionen und Kompromisse, aber ich will mich auch nicht über den Tisch ziehen lassen.“

Über sich hat er in den vergangenen 20 Jahren gelernt, dass er dann am besten reagiert, wenn eine Situation schwierig ist. So wie beispielsweise bei Beerdigungen von Kindern. „Da bin ich richtig gefordert.“

Für die Zukunft wünscht sich Beening, dass die Menschen wieder mehr Gewicht auf ihren Glauben legen und diesen auch in der Kirchengemeinde verwurzeln. „Manche Leute begreifen nicht, dass die christliche Gemeinde auch eine Solidargemeinschaft ist.“ Etwa 2200 Mitglieder habe der Pfarrbezirk Dielingen noch, etwa 1 250 der Bezirk Haldem-Arrenkamp-Ilwede.

Beening fürchtet sich davor, dass er irgendwann als einziger Pfarrer für die ganze Gemeinde da sein soll. Außer für die Gottesdienste und übliche Amtshandlungen bleibe dann wohl keine Zeit mehr. „Ich glaube nicht, dass man alles an Ehrenamtliche abgeben kann.“

Ältere Stemshorner

sind Dielingen treu

Mit Stemshorn gehört bekanntlich eine niedersächsische Gemeinde zur westfälischen Kirchengemeinde Dielingen. Während alteingesessene Stemshorner ihrer Ur-Gemeinde zumeist treu sind, orientieren sich zugezogene Familien eher nach Lemförde, hat Beening beobachtet.

Klare Abwanderungen der Gläubigen machen sich wegen einer Regelung der Lemförder Nachbarkirchengemeinde bemerkbar. Wolle sich ein Jugendlicher dort konfirmieren lassen, bestehe die Gemeinde darauf, dass die gesamte Familie in die Gemeinde wechsele, so Beening. „Die sind dann definitiv weg.“ · kap

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