Bühne frei für den Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier / Deutschland-Plan auf Kundgebung verteidigt

Wandern als nette Wahlkampf-Disziplin

Kreiszeitung Syke

Rahden - Von Katja Jeske-KorittkePORTA WESTFALICA n Erster! Noch vor Angela Merkel trifft Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier im Mühlenkreis ein. Am Sonnabend wandert er gemeinsam mit dem Direktkandidaten der SPD, Achim Post, rund um den Wilhelm. Mit dabei etwa 180 Bürger sowie Haupt- und Ehrenamtliche aus Vereinen, Verbänden und Institutionen.

Der Wahlkampf läuft im Wortsinn auf Hochtouren. Fast symbolisch mutet da die Wanderung der beiden SPD-Politiker an. Bei angenehmen Temperaturen um die 25 Grad können Wander- und Politikinteressierte gleich zwei Dinge miteinander verbinden: Fitness für Körper und Geist. Zunächst geht es hoch zur Wittekindsburg. Dort angekommen, stößt Frank-Walter Steinmeier auf die Wandergruppe. Dann laufen sie weiter über den Kamm bis zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal und von dort direkt zur Naturbühne der Goethe-Freilichtbühne.

Unbekannt ist Steinmeier die Gegend nicht. „In den 1960-ern war das für uns aus Lippe Moped-Entfernung“, sagt der 53-Jährige. Die heutige Wanderung sei für ihn politischer Sport: Ausdauer, langer Atem, Kondition, vor allem Richtung und Kompass, sonst liefe man im Kreis, verirre sich und finde das Ziel nicht. So, wie die Gegenkandidaten von Lothar Ibrügger, teilt er einen Seitenhieb aus. Der habe Augenmaß bewiesen und das Land sozial und gerecht geleitet. „Mit Achim Post werdet ihr das in der Region auch haben“, lobt er Ibrüggers Nachfolger.

In der 30-minütigen Kundgebung – nach mehreren Stunden Wanderns – ist Steinmeiers Deutschland-Plan Thema. Sieben rot-grüne Jahre haben sie zusammen Politik gemacht, auch eine gute Außenpolitik, deshalb hätten beide ‚nein‘ zum Irakkrieg gesagt. Jetzt stehe man an der Schwelle zu einer neuen Zeit. Für Steinmeier ist die Krise noch nicht vorbei. Da gäbe es – wie die Lehman-Demonstranten zeigen – Geschädigte, die ihr Geld in Amerika angelegt haben. Viele, auch hierzulande, lassen aber schon wieder Champagnerkorken knallen.

Dass sich etwas in die richtige Richtung tut, kann er erkennen. Doch das ist kein Grund, sich auszuruhen. Mit Achim Post werde er gemeinsam die Lehre aus der Krise ziehen. Eine Lösung könne aber nicht von denen kommen, die in die Krise hineingeführt hätten. Und spricht sie in Farben direkt an: Schwarz/Gelb.

Die SPD hat immer Krisen-Konzepte vorgelegt. Mit einem Konjunkturprogramm, der Umweltprämie („abfällig auch Abwrackprämie genannt“) sowie der Verlängerung der Kurzarbeit seien richtige Weichen gestellt worden, so Frank-Walter Steinmeier. Die SPD habe dafür gesorgt, dass es in Deutschland nicht so schlimm gekommen sei, wie in anderen europäischen Staaten.

Natürlich ist eine Verlängerung der Kurzarbeit im Prinzip keine gute Sache, „aber besser 1,5 Millionen in Kurzarbeit als in Arbeitslosigkeit. Und die CDU mit ihrer ,ich-auch-Partei‘ und ihrer ,ich-auch-Kanzlerin‘? Immer wenn der Wind sich drehte, hat Angela Merkel ,ja, das mache ich auch mit‘ verkündet. Sie waren gegen ein Investitionsprogramm, gegen die Umweltprämie und gegen die Verlängerung der Kurzarbeit“, stellt Steinmeier in seiner Rede klar.

Auch die Sozialdemokraten müssen sich aufrappeln. Die Kernaufgabe von der Politik ist, sich nicht mit Massenarbeitslosigkeit abzufinden. Bildung spielt hier eine Schlüsselrolle. 70 000 Menschen ohne Schulabschluss und der Mangel an Ausbildungsplätzen sind eine große Aufgabe. Der Stadtteil, in dem ein Kind wohnt, darf nicht maßgeblich für das weitere Leben sein. Steinmeier spricht sich in diesem Zusammenhang für die Abschaffung von Gebühren vom Kindergarten bis zur Universität aus.

Noch fünf Wochen bis zur Bundestagswahl. Fünf Wochen Zeit, Unentschlossene zu überzeugen, lautet der Appell an die Zuhörer. „Ab morgen geht’s weiter, ab morgen geht die Post ab.“ Was folgt, sind stehende Ovationen. Der Kanzlerkandidat erhält einen gelben Rosenstock mit Namen „Helmut Schmidt“ überreicht. Dann geht es nach Lippe, zum weiter Wahlkämpfen.

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