Zimmermannsbarde Jan Jahn begeisterte in Wehdem

Von der Walz auf die Bühne

Zimmermannsbarde Jan Jahn erzählte musikalisch von der Walz Fotos (2): Mühlke

Wehdem - (hm) · Den Hammer an den Nagel gehängt und gegen eine Gitarre ausgetauscht, zieht es den Handwerksburschen Jan Jahn nicht mehr auf die Walz, sondern von Bühne zu Bühne.

So führte Jan Jahn der Weg am Sonabend nach Wehdem, und er kam, auf Einladung des Stemweder Kulturrings, in seiner Zimmermannskluft auf die Bühne der Begegnungsstätte gestiefelt.

Mit Spint (Zylinderhut), Stenz (Wanderstab) und Charlottenburger (Gepäckbündel) sieht Jan Jahn wie ein echter zünftiger Geselle aus, und das war er auch lange Zeit, bis er sich seiner ganzen Leidenschaft, der Musik, verschrieb. Aber die Walz bleibt für den Hamburger Musiker ein großes Thema und das vermittelte er seinem Publikum auf charmante und launige Weise in seinem Kabarettprogramm „…heute hier, morgen dort“. Dreieinhalb Jahre Wanderschaft, auch Walz oder Tippelei genannt, hatte Jahn mit allen Höhen und Tiefen erlebt. So erfuhren die Zuschauer musikalisch oder in kleine Geschichten eingebettet, was alles zur Walz dazu gehört, dass die Kluft in der Öffentlichkeit immer getragen werden müsse, die sechs Knöpfe an der Jacke für die wöchentlichen Arbeitstage stehen und die acht Knöpfe an der Weste für die täglichen Arbeitsstunden.

Teilweise sei die Tippelei an schwierige Bedingungen geknüpft: „Der Handwerksbursche darf in seiner Reisezeit einen Bannkreis von meist 50 Kilometern um seinen Heimatort nicht betreten, auch nicht zu Feiertagen oder Trauerfällen“, erklärte Jahn und spielte auf dem Piano eine selbst komponierte sentimentale Ballade, die den Zuhörern Gänsehaut über die Rücken jagte. Aber mit dem Trinkspruch der Handwerksgesellen „Schor ma fix“, was so viel heißt wie „Trink gut“, hob Jahn seinen Stammseidel (Bierkrug) und alle Traurigkeit war beim Publikum verflogen, das mit einem kräftigen „Zosch“ („Prost“) antwortete.

Im Laufe des Programms lernten die Zuschauer, dass es verpönt sei, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen. Die Wandergesellen dürften kein eigenes Fahrzeug besitzen und sich nur zu Fuß oder per Anhalter fortbewegen. Jahn stimmt das Gesellenlied von Hannes Wader „Heute hier, morgen dort“ an und alle Zuhörer sangen den Refrain mit.

Ganz nebenbei erfolgte ein Crashkurs in Sachen Walzsprache. Erahnen ließ sich, dass Wanderschaft in der Walzsprache Tippelei heißt, schwieriger wurde es bei „Platte“, was die Schlafgelegenheit bezeichnet, oder der „Schallerfleppe“, das Liederbuch bedeutet. „Koks“ meint die Melone und eine zünftige Strafe heißt „Knax“. Hatte ein Geselle unehrenhaft gehandelt, wurde ihm eine „Knax“ erteilt, indem ihm der traditionell getragene Ohrring heraus gerissen und er so zum „Schlitzohr“ gemacht wurde.

Jan Jahn gab einen Einblick in seine Beweggründe, die ihn seinen Charlottenburger schnüren ließen, um sich zwar den Walzregeln zu fügen aber auch die unglaubliche Freiheit zu erleben. Musikalisch kam der Zimmermannsbarde mal leise, mal rockend rüber. Dabei war er mit der „kompaktesten Live-Band der Welt“, wie er es nannte, unterwegs. Was auch immer er in das Mikrofon brummte, schnalzte und zischte, wiederholte sich im Song taktvoll.

Mit „Muss i denn, muss i denn zum Städele hinaus“ verabschiedete sich Jan Jahn schallernd (singend) vom Publikum, nicht ohne Zugabe, in der er prophezeite: „Ich komm bestimmt noch mal wieder!“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Polizei nimmt Dealer fest

Polizei nimmt Dealer fest

Polizei nimmt Dealer fest

Kommentare