ZF Friedrichshafen AG verzeichnet leichten Umsatzrückgang in der Region / Buhl nimmt Abschied

Viel Licht und etwas Schatten

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ZF-Mitarbeiterin Angela Thiry in der Kugelschwenkmodul-Fertigung in Wagenfeld. Bis zu 75 000 Gelenke können im Werk täglich produziert werden.

Dielingen - Von Kai Pröpper. „Europa erholt sich mittelfristig.“ Für 2013 rechnet Reinhard Buhl zwar unter anderem mit Absatzrückgängen in Deutschland und seinen Nachbarstaaten, an seinem vorletzten Arbeitstag war er trotzdem optimistisch.

Der Leiter der Division Fahrwerktechnik der ZF Friedrichshafen AG, der auch Mitglied im ZF-Vorstand ist, blickte gestern im Dielinger Werk ein letztes Mal in seinem Arbeitsleben auf die Entwicklung der ZF-Standorte am Dümmer und die der Division Fahrwerktechnik zurück – und sah dabei Licht und etwas Schatten.

So attestierte er der größten Division des ZF-Konzerns mit einer Umsatzsteigerung von 17 Prozent auf 4,969 Milliarden Euro ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2012. Insgesamt erwirtschaftete der ZF-Konzern einen Umsatz von 17,366 Milliarden Euro (wir berichteten). Einen Umsatzrückgang um drei Prozent auf 1,075 Milliarden Euro verbuchten hingegen die Dümmer-Standorte von ZF.

Rund 100 neue Arbeitsplätze habe der Automobilzulieferer vergangenes Jahr rund um den Dümmer See geschaffen, so Reinhard Buhl. 4 355 Menschen arbeiteten zum Stichtag 31. Dezember in Damme, Dielingen, Diepholz, Lemförde und Wagenfeld in den Divisionen Fahrwerktechnik (3 012), Nutzfahrzeugtechnik (833) und Industrietechnik (510).

War das Jahr 2011 aus Sicht des Technologiekonzerns noch von Mehrarbeit und Sonderschichten geprägt, ging die Auslastung der heimischen Werke 2012 wieder auf ein normales Niveau zurück. Und das brachte laut Buhl den verzeichneten Umsatzrückgang mit sich.

Die Zeiten waren also nicht besonders rosig: Trotzdem investierte ZF 37 Millionen Euro in die Dümmer-Region. So hatte Dielingen eine neue Halle zur Produktion von Nutzfahrzeug-Fahrmodulen erhalten (wir berichteten), und in Damme wurde eine Halle zur Herstellung von Kunstoffprodukten errichtet.

„Im laufenden Jahr liegt der Fokus auf der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Dümmer-Standorte“, erklärte Buhl mit Blick auf das von ihm prognostizierte Tief. Für die Division Fahrwerktechnik erwartet er ein Umsatzwachstum von etwa zehn Prozent. Die Belegschaft der Division solle im laufenden Jahr um weltweit rund 1 000 Stellen aufgestockt werden – ein Viertel davon entfalle auf Deutschland.

Das ZF-Vorstandsmitglied geht davon aus, dass der Umsatz und die Mitarbeiterzahl rund um den Dümmer sich dennoch auf der Höhe der Vorjahreswerte bewegen werden, ebenso die Summe der Investitionen – unter anderem werde der Standort Diepholz ausgebaut, und in Dielingen plane man den Einsatz neuer Prüfmaschinen.

100 Arbeitsplätze in der

Region geschaffen

19 491 Frauen und Männer arbeiteten zum Ende des Jahres 2012 weltweit für die Division Fahrwerktechnik der ZF Friedrichshafen AG, deren Leiter Reinhard Buhl heute noch ist. Ab Donnerstag übernimmt wie berichtet Christian Haedge seine Stelle. An mehr als 50 Standorten in 18 Ländern hört man auf die Anweisungen, die aus der Zentrale in Dielingen kommen. Etwa 40 Prozent der Mitarbeiter arbeiten an deutschen Standorten. „Ich halte es für wichtig, dass Dielingen weiter der ZF-Fahrwerksstandort bleibt“, sagte Buhl.

Die Entwicklung der Umsätze, erklärte er, sei von Region zu Region unterschiedlich. Ein starkes Wachstum in Asien und Nordamerika milderte Rückgänge in Westeuropa ab. Das Ergebnis in Europa belasteten gestiegene Bestände, dadurch resultierende Unterauslastungen an einzelnen Standorten sowie hohe Materialkosten, die laut Buhl nur bedingt an die Kunden weitergegeben werden konnten.

188 Millionen Euro investierte die Division Fahrwerktechnik im vergangenen Jahr. Ein Teil des Geldes floss in den Ausbau der Standorte in Asien und Amerika.

Vor allem im asiatischen Raum will ZF stärker werden. So rechnet Buhl für 2013 mit Investitionen für den Aufbau neuer Fabriken in Peking und Shenyang (China) sowie Penang (Malaysia).

Die ZF-Standorte am Dümmer im Überblick

Dielingen

880 Frauen und Männer arbeiteten vergangenes Jahr in der Zentrale der ZF-Divison Fahrwerktechnik in Dielingen – ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz der Nkw-Fahrwerkmodule-Produktion stieg um 0,5 Prozent auf 200 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter stieg auf 833 – ein Plus von vier Prozent.

Damme

Der Bereich Fahrwerkkomponenten verzeichnete ein Umsatz-Plus von vier Prozent auf 151 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter sank auf 487 (minus drei Prozent). Ein Prozent weniger Umsatz (225 Millionen Euro) und 945 Mitarbeiter (plus vier Prozent) verzeichnet der Bereich Gummi und Kunststoff.

Wagenfeld

80 Millionen Euro Umsatz, und damit ein Prozent mehr als noch 2011, erwirtschaftete der ZF-Zweig Fahrwerkkomponenten in Wagenfeld. Die Zahl der Mitarbeitenden sank auf 231. Dieser Rückgang sei auf „strukturelle Veränderungen“ innerhalb des Konzerns zurückzuführen, erklärte gestern Reinhard Buhl. Gerüchte, dass die Logistik an einen anderen Standort umziehen würde, dementierte er.

Diepholz

Das „Sorgenkind“ unter den Dümmer-Standorten ist laut Buhl die Unit Fahrwerkkomponenten in Diepholz. Sie erwirtschaftete einen Umsatz von 180 Millionen Euro und liegt damit elf Prozent unter dem Ergebnis von 2011. Produkte, die früher in Diepholz hergestellt worden seien, würden jetzt in China produziert, so Buhl. Die Zahl der Mitarbeiter sank um sechs Prozent auf 419 Frauen und Männer.

Weniger Umsatz als 2011 erwirtschaftete auch die Unit Elektronische Systeme (239 Millionen Euro). Die Zahl der Mitarbeiter stieg um fünf Prozent. Die Akquise neuer Kunden sowie die Erhöhung der Auftragsstückzahlen machen hier einen Ausbau erforderlich. Erweitert wird die Produktionsfläche aktuell um 1 000 Quadratmeter, das Bürogebäude wird um einen dreistöckigen Anbau ergänzt.

Lemförde

50 ZF-Mitarbeiter und 202 Auszubildende wirken im Zentrum für Mechanische Bearbeitung und Ausbildung.

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